Nordamerika

Tödliche Parasiten-Fliege bedroht Honigbienen

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Seit 2006 grassiert in Nordamerika ein Koloniekollaps, bei dem ganze Bienenstöcke plötzlich verlassen sind.

San Francisco - Eine tödliche parasitische Fliege befällt seit neuestem auch Honigbienen und könnte mit schuld sein am drastischen Bienensterben in Nordamerika. Wie US-amerikanische Forscher herausfanden, injiziert die Fliege Apocephalus borealis ihre Eier in den Hinterleib von Bienenarbeiterinnen. Die Larven der Fliege entwickeln sich in den noch lebenden Bienen und töten sie schließlich, kurz bevor sie schlüpfen.

„Die Fliege manipuliert auch das Verhalten der Bienen, indem sie deren Tag-Nacht-Rhythmus verändert und möglicherweise auch ihre Sensibilität gegenüber dem Licht“, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin „PloS ONE“. Entgegen ihren sonstigen Gewohnheiten verlassen von dem Parasiten befallene Bienen nachts den Stock und sammeln sich um Laternen und andere künstliche Lichtquellen. Dort torkeln sie am Boden darunter herum, bis sie schließlich sterben.

In der Umgebung San Franciscos seien bereits 77 Prozent der untersuchten Bienenstöcke von der parasitischen Fliege befallen. Weitere infizierte Bienen habe man in anderen Gebieten Kaliforniens und in South Dakota entdeckt. Offenbar habe die bisher nur bei Hummeln parasitierende Fliege erst vor kurzem damit begonnen, auch Honigbienen in größerem Maße zu befallen.

Der durch den Parasiten ausgelöste Verlust von Arbeiterinnen könne ein Bienenvolk rapide schwächen und den ganzen Stock kollabieren lassen, warnen die Forscher. Möglicherweise sei der Parasit auch eine der Ursachen für den seit 2006 grassierenden Koloniekollaps, bei dem ganze Bienenstöcke plötzlich verlassen sind.

„Das unterstreicht die Gefahr, in der Bienenstaaten in ganz Nordamerika schweben könnten“, schreiben Andrew Core von der San Francisco State University und seine Kollegen. Denn kommerzielle Bienenvölker würden in den USA oft über mehrere Bundesstaaten hinweg ausgetauscht und transportiert.

Bienen mit abweichendem Verhalten meist infiziert

In Laborversuchen konnten die Forscher bestätigen, dass die Weibchen der Fliege Apocephalus borealis die Bienen gezielt als Wirte nutzen. In Tests an Bienenstöcken der Umgebung habe sich zudem gezeigt, dass vor allem die Bienen mit abweichendem Verhalten infiziert seien.

„Die tagsüber ein- und ausfliegenden Sammlerinnen waren nur zu sechs Prozent befallen“, berichten die Wissenschaftler. Von den Arbeiterinnen, die nachts den Stock verließen, hätten dagegen 91 Prozent die Larven der parasitischen Fliege in sich getragen.

„Wir wissen nicht, wie wir den Befall stoppen sollen, weil uns das entscheidende Puzzleteil fehlt: Wir wissen nicht, wo die Fliegen die Arbeiterinnen parasitieren“, sagt Studienleiter John Hafernik von der San Francisco State University. Er vermute aber, dass es während des Pollensammelns passiere, da man in den Bienenstöcken keine Fliegenweibchen beobachtet habe. Unklar sei ebenfalls noch, wie die Fliegenlarven die Verhaltensänderungen der befallenen Bienen hervorrufen würden.

Um diese Fragen zu klären, wollen die Forscher nun weitere Studien durchführen, unter anderem indem sie Bienenarbeiterinnen mittels Minisender verfolgen und die Stöcke und ihr Umfeld per Video überwachen.

frs/dapd

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