Weltmeere

Überfischung dramatischer als gedacht

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Die Überfischung der Weltmeere ist dramatischer als bisher angenommen wurde.

Kiel - Die Weltmeere sind stärker überfischt als offiziell angegeben. Statt 3 Prozent sind 24 Prozent der Bestände zusammengebrochen. Dies haben neue Berechnungen ergeben. In Europa sowie vor China und Japan sei die Lage besonders besorgniserregend.

Die Weltmeere sind aktuellen Analysen zufolge weit stärker überfischt als offiziell angegeben. „Von allen Beständen sind 24 Prozent zusammengebrochen und nicht nur 3 Prozent, wie von der Welternährungsorganisation FAO angegeben“, sagte der Kieler Fischereibiologe Rainer Froese im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Dies hätten Berechnungen ergeben, die im Gegensatz zur FAO-Methodik alle weltweiten Bestände einbeziehen und nicht nur die produktivsten und stabilsten. In Europa sowie vor China und Japan sei die Lage besonders besorgniserregend.

Seit zwei Jahrzehnten würden weltweit 80 Millionen Tonnen Fisch pro Jahr angelandet - mit immer mehr motorisierten Fangfahrzeugen und von immer mehr Fischern. Der Aufwand für eine konstante Fangmenge sei also gestiegen. „Wenn ich mehr Aufwand brauche, heißt das, die Zahl der Fische ist geschrumpft“, sagte Froese. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher des Kieler Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung (Geomar) und der Universität von British Columbia (Kanada) in den Fachmagazinen „Marine Policy“ und „Marine Biology“.

„Bei Wanderfischen wie Aal, Lachs, Finte, Alse oder Stör sind die Bestände auch in unseren Gewässern zusammengebrochen oder ganz verschwunden“, sagte Froese. Ähnlich sei es bei Dornhai (Schillerlocken), Helgoländer Hummer und ganz aktuell beim Kabeljau in der südlichen Nordsee. Auch der Seelachs sei überfischt. „In China führt das Aufkommen einer größeren wohlhabenden Schicht dazu, dass immer mehr Restaurants Haifischflossensuppe anbieten, die früher eine seltene Delikatesse war.“

Auch der weltweit steigende Bedarf für Sushi gefährde wertvolle Bestände. In Tokio sei kürzlich ein knapp 270 Kilogramm schwerer Blauflossen-Thun für mehr als eine halbe Million Euro versteigert worden. Als mögliche Lösung sieht Froese, die Fischerei vorrübergehend zu drosseln, damit sich die Bestände erholen können. Eine entsprechende Einigung der Staatengemeinschaft gebe es zwar bereits, sie werde aber kaum umgesetzt. Es gebe aber auch gute Nachrichten. „Dem Hering in der Nordsee geht es einigermaßen gut, die Scholle in der Nordsee erholt sich und der Dorsch in der östlichen Ostsee auch.“

jhf/dpa

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