Versuch

Mit Ulla Schmidt länger leben

- Im Schaumburger Land will eine Krankenkasse beweisen, dass gesunder Lebensstil ein Plus von 14 Jahren bringt. Die Kleinstadt Obernkirchen soll dabei als Modell dienen. Die ehemalige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt ist Schirmherrin der Aktion.

Ehemalige Mitarbeiter verbürgen sich, dass Ulla Schmidt bereits vor Jahren mal in Obernkirchen im Schaumburger Land vorbeigeschaut hat. Damals soll die Ministerin in dem 10 000-Seelen-Ort Station gemacht haben, um den Chefs einer dort ansässigen Krankenkasse zum Jubiläum zu gratulieren.

Heute hat Ulla Schmidt, Gesundheitsministerin a. D., erneut Gefallen an der Kleinstadt gefunden. Sie ist Schirmherrin einer Aktion, die die Obernkirchener zu Musterknaben in der Gesundheitsvorsorge machen soll. „Wir wollen die gesündeste Stadt Deutschlands werden“, verkündet Bürgermeister Oliver Schäfer (SPD). Anders oder griffiger gesagt: Obernkirchen wird die „Länger besser leben“-Stadt. Ob der Titel demnächst auch die Briefköpfe aus dem Rathaus schmückt, ist noch offen. Erfinder des Projekts sind die BKK24 und ihr Vorsitzender Friedrich Schütte. Die Obernkirchener Stadtväter sitzen bei dem Experiment mit im Boot.

Tatsächlich geschieht Ungewöhnliches im Schaumburger Land. Alle Einwohner, die älter als 18 Jahre sind, werden demnächst einen Fragebogen in ihrem Briefkasten vorfinden, in dem es um ihr sogenanntes Gesundheitsverhalten geht: Wie sieht es aus mit der Bewegung? Sind Spaziergänge üblich, wird gar Rad gefahren? Raucher sollen angeben, wie viel sie rauchen. Wein- und Bierliebhaber sollen die Gläser zählen. Auch der Konsum von Obst und Gemüse wird abgefragt. Am Ende gibt es ein Kästchen, an dem man ankreuzen kann, ob man länger leben will. Was für eine Frage!

Die Auflistung ist nicht eine spinnerte Idee, einzig erdacht in einer Obernkirchener Krankenkassenzentrale. Hintergrund ist die sogenannte EPIC-Studie, die vor drei Jahren in Cambridge veröffentlicht wurde. 23 Forschungsinstitute aus zehn europäischen Staaten waren zehn Jahre lang der schlichten Frage nachgegangen, was Menschen anders machen, die länger leben. Das Ergebnis war eine Checkliste, die verspricht, die Lebenserwartung um 14 Jahre zu steigern: Nicht rauchen, wenig Alkohol trinken, drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst am Tag verzehren und sich täglich mindestens eine halbe Stunde lang bewegen.

Der Obernkirchener Fragebogen folgt der Empfehlung. Wer ihn ausfüllt, dem sollen eine kostenlose Beratung und die Zusammenstellung eines individuellen Vorsorgeprogramms geboten werden – von Bewegungskursen bis zu Ernährungstipps. Nicht nur die Stadtverwaltung, auch Firmen und Vereine hat Schütte für sein Projekt an einen Tisch geholt. Wissenschaftler der Hochschule Weserbergland sollen klären, ob das Experiment klappt. In Berlin sprechen Experten von einem beachtlichen Signal aus Obernkirchen: „Die Trimm-dich-Bewegung der siebziger Jahre“, sagt ein Mann aus dem Team von Ulla Schmidt, „war gar nichts dagegen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare