Plagiatsaffären

Unis stellen Promotionsordnungen auf die Probe

- Guttenberg hat den Stein unfreiwillig ins Rollen gebracht. Nach der Plagiatsaffäre um den früheren Verteidigungsminister wollen etliche Hochschulen ihren Doktoranden genauer auf die Finger schauen. Andere Universitäten halten ihre Kontrollen dagegen für ausreichend.

Karl-Theodor zu Guttenberg, Silvana Koch-Mehrin - angesichts der Affären um gefälschte Doktorarbeiten von Politikern stellen viele Hochschulen ihre Prüfungsordnungen für Doktoranden auf die Probe. Einige Universitäten wollen demnach künftig die Abgabe einer eidesstattlichen Erklärung bei der Einreichung einer Doktorarbeit verlangen - für andere Hochschulen hingegen gehört diese Form der Kontrolle längst zum Tagesgeschäft. Nach Ansicht des Medienphilosophen Norbert Bolz sind die Plagiatsaffären allerdings nur die "Spitze des Eisbergs", sagte er im Deutschlandfunk. Die Berliner Humboldt-Universität (HU) plant, ihr Promotionsrecht für alle Doktoranden zu verschärfen - ebenso die Uni Konstanz. "Wenn alles klar geht, greift das schon zum Wintersemester", sagte HU-Sprecher Thomas Richter am Donnerstag. In Berlin wurden in den vergangenen fünf Jahren acht Fälle von Wissenschaftsbetrug bestätigt. Die Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf möchte auch die Zügel anziehen. "Vor dem Hintergrund der jüngsten Plagiatsaffäre werden wir natürlich genauer hinschauen", sagte der Prorektor für Lehre und Studienqualität Ulrich von Alemann.

An der Goethe-Universität Frankfurt gab es nach eigenen Angaben in den vergangenen vier Jahren keinen Plagiatsfall - auch deshalb ist die Hochschule von ihrem Kontrollsystem überzeugt. Ein Sprecher sagte: "Wir haben bisher schon sehr streng kontrolliert und haben in dem Bereich sehr hohe Standards." Die Universitäten in Sachsen halten ebenfalls ihre Kontrollen für ausreichend. In Chemnitz müssten die Doktoranden ohnehin bereits eine Erklärung unterschreiben, in der sie versichern, die Arbeit eigenständig verfasst zu haben. Der Chef der Universität Bayreuth, Prof. Rüdiger Bormann, will als Konsequenz aus dem Fall Guttenberg - der an seinem Haus ins Rollen kam - schon bald die Abgabe einer eidesstattlichen Erklärung bei der Einreichung einer Doktorarbeit verlangen.

Auch Uni Hannover denkt über Konsequenzen nach

Darüber denkt auch die Leibniz Universität Hannover nach. "Bisher müssen unsere Doktoranden nur eine Erklärung zu ihrer Promotion angeben - ohne die eidesstattliche Versicherung", sagte Klaus Hulek, Vizepräsident für Forschung an der Universität. Dort wurde 2008 ein Jura-Professor verurteilt, weil er gegen Geld Dutzenden Studenten zum Doktortitel verholfen hatte. Die Universität Greifswald ist da weiter: Alle Fakultäten verlangen diese Erklärung - oder eine Versicherung, dass man die Arbeit selbst und nur mit den angegebenen Hilfsmitteln angefertigt hat.

Strengere Kontrollen plant die Uni Rostock. In den vergangenen zwei Jahren seien dort zwei Plagiatsfälle bekanntgeworden - Konsequenzen für die Betroffenen stünden aber noch aus. Auch in Baden-Württemberg durchleuchten Hochschulen ihre Prüfungsordnungen für Doktoranden. An der Uni Tübingen wird nach und nach eine Klausel eingeführt, dass Doktoranden eine eidesstattliche Erklärung abgeben müssen. Die Uni Tübingen prüft zudem, ob ein CDU-Landtagsabgeordneter bei seiner juristischen Dissertation Textpassagen fremder Autoren ohne Kennzeichnung verwendet hat. Er hatte daraufhin erklärt, seinen Doktortitel vorerst ruhen zu lassen. Auch die Universität Konstanz überlegt, ob die Promotionsordnung verschärft werden sollte. Eidesstattliche Erklärungen müssen dort laut einer Sprecherin Doktoranden schon seit fünf Jahren abgeben.

Die Uni Heidelberg prüft Plagiatsvorwürfe gegen die FDP-Europapolitikerin Koch-Mehrin. Sie war von ihren Spitzenämtern zurückgetreten. An der Universität Hamburg verfügen einige Fakultäten über Software zur Plagiatsprüfung - für die anderen wird nach Angaben einer Sprecherin eine Anschaffung geprüft. Derzeit gibt es einen Fall mit einem Täuschungsversuch bei einer Jura-Dissertation. "Wir werden Doktorarbeiten künftig sicherlich noch besser kontrollieren und noch genauer hinschauen", sagte Prof. Volker Rieble von der Ludwig-Maximilians-Universität München. "Aber gute Plagiatoren sind einfach kaum zu erwischen - geschweige denn Ghost-Writer", so der Experte, der ein Buch über das Thema geschrieben hat.

dpa

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