Universität von Pittsburgh

US-Forschungsprojekt lässt Körperteile durch tierische Zellen nachwachsen

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Foto: Forscher der Universität von Pittsburgh haben eine Möglichkeit gefunden, verlorenes Muskelgewebe und Knochen mithilfe von tierischen Körperteilen wiederherzustellen.

New York - Eine neue wissenschaftliche Methode gibt verwundeten US-Soldaten Hoffnung auf Heilung. Forscher der Universität von Pittsburgh haben eine Methode gefunden, verlorene Muskeln und Knochen mithilfe von tierischen Körperteilen wieder nachwachsen zu lassen. Die Entwicklung steckt allerdings noch in den Kinderschuhen.

Verwundete und invalide US-Soldaten können durch eine neue wissenschaftliche Methode wieder auf ein normales Leben hoffen. Mithilfe von tierischen Körperteilen sollen Muskeln und sogar Knochen wieder nachwachsen können. Das US-Verteidigungsministerium hat der Universität von Pittsburgh 12 Millionen Dollar (9,2 Millionen Euro) für ein Forschungsprogramm zur Verfügung gestellt.

"Verlust von ganzen Muskeln, fehlende Knochenteile und starke Narbenbildung, die eine natürliche Bewegung unmöglich machen, sind oft die Folge von Verwundungen, Unfällen oder chirurgischen Eingriffen, bei denen ein großer Anteil von Körpergewebe entfernt werden muss", erläutert Arthur S. Levin von der medizinischen Fakultät in Pittsburgh. "Wir müssen neue Wege finden, um Menschen zu helfen, die mit solchen manchmal katastrophalen Folgen zu kämpfen haben." Er verweist auf erste ermutigende Ergebnisse.

Schwein gehabt

Der ehemalige Sergeant der Elitetruppe Marines, Ron Strang, ist so ein Fall. Der 28-Jährige kann wieder ein aktives Leben führen, sogar wieder laufen. 2010 war er bei einem Einsatz in der afghanischen Provinz Helmand durch eine Bombe verletzt worden, ihm wurde ein großes Stück Muskel aus dem Bein gerissen. Als Strong in die USA zurück kam, konnte er quasi nicht mehr gehen, da der Oberschenkelmuskel praktisch komplett fehlte. "Ich war Meister im Hinfallen", sagt er heute lachend. Er hat buchstäblich Schwein gehabt. Die Forschungsärzte benutzten eine Schweineblase, um Rons Körper dazu zu bringen, wieder neue Muskulatur aufzubauen.

Gerüst für Selbsthilfe des Körpers

Chirurg Peter Rubin von der Universität Pittsburgh hat eine Technik entwickelt, die tierisches Gewebe verwendet, um eine "extrazelluläre Matrix" herzustellen, die alle Arten von Körpergewebe und Organen aufnehmen kann. Rubin entfernt dafür aus dem Schweinegewebe alle lebenden Zellen. Zurück bleibt ein "Gerüst" auf Proteinbasis. Dieser Eiweiß-Verband läuft weniger Gefahr, vom Körper des Patienten abgestoßen zu werden, als die Verpflanzung kompletten fremden, in diesem Fall tierischen Gewebes. Es signalisiert dem Körper, dass hier Muskelzellen fehlen. Der Körper will regenerieren, als Folge wird das Wachstum neuer Zellen angeregt.

Das Projekt wird vom Technologieamt des US-Verteidigungsministeriums finanziert. Es hat mit 80 Patienten, Soldaten wie Zivilisten, begonnen. Ein weiteres Projekt hat die Heilung zerstörter Knochen zum Ziel. Dazu wird eine auf die DNA des Patienten gestützte Art Heilpaste verwendet, mit der Knochen an sensiblen Stellen wie etwa Augensockel, Wangenknochen oder Schädelfragmente wiederhergestellt werden können.

Entwicklung steht am Anfang

"Alle diese Projekte sollen dringend benötigte Lösungen zur Heilung unserer verwundeten Soldaten liefern. Sie sind dazu gemacht, zu ersetzen, was entfernt wurde, normales Gewebe, das richtig funktioniert", sagt Alan Russel. Der Direktor des McGowan Instituts für regenerative Medizin hat die Aufsicht über Versuchsreihen. Er verweist darauf, dass die Entwicklung noch in den Kinderschuhen steckt und die Mediziner noch viel über das Funktionieren der Methoden lernen müssen.

Dem ehemaligen Marineinfanteristen Isaias Hernandez ist das egal. Er ist wieder beweglich. 2004 war er im Irakkrieg verwundet worden. Sein rechter Oberschenkel wurde mithilfe von tierischem Gewebe wieder aufgebaut. "Ich konnte keine Treppe steigen, heute kann ich laufen und sogar Radfahren", sagt der 24-Jährige. "Mein Leben ist viel leichter geworden."

dapd/jos

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