Papas Vorbild hilft

Väter sollten ihren Söhnen vorlesen

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Vorlesen macht Spaß und beugt einer Leseschwäche vor.

Mainz - Wenn Papa nie ein Buch zur Hand nimmt, interessiert sich der Sohn wahrscheinlich auch nicht dafür. Denn das signalisiert ihm: Männer lesen nicht. Deswegen sollten sich Väter beim Vorlesen nicht ausklinken. Jungs haben es beim Thema Lesen sowieso schwer genug.

Väter sollten sich am Vorlesen für ihre Kinder beteiligen. Besonders für die Söhne ist das wichtig. Für sie ist Lesen sonst sehr weiblich geprägt: Mütter, Erzieherinnen, Grundschullehrerinnen - in ihrer Welt lesen meist nur Frauen. Zu ihrem eigenen Rollenbild gehört Lesen dann nicht dazu.Das hat Folgen: Ein am Freitag vorgestellter Leistungsvergleich von Grundschülern hat gezeigt, dass Jungs beim Lesen schlechter abschneiden als Mädchen.

„Väter müssen als Vorbild aktiv werden“, findet Simone Ehmig, Leiterin des Instituts für Lese- und Medienforschung der Stiftung Lesen. Im Idealfall verknüpfen Eltern mit dem Vorlesen kein Rollenbild. „Sie können abwechselnd vorlesen oder zusammen“, so Ehmig.

Wenn der Vater wenig Zeit habe, reiche auch eine Vorleseeinheit pro Woche. „Wichtig ist aber, dass der Vater eine feste Größe ist.“

Um einer Leseschwäche bei Jungen vorzubeugen, sollten Eltern außerdem früh mit dem Vorlesen anfangen: „Der Lesestart beginnt, wenn Kinder ein Jahr alt sind“, sagt Ehmig. Dann können Eltern beispielsweise Bilderbücher mit ihren Kindern angucken. Ab diesem Zeitpunkt wird das Vorlesen idealerweise zum täglichen Ritual. „Zum Beispiel verknüpft mit dem Schlafengehen.“

Bei der Themenwahl sollten sich Eltern den Interessen ihrer Kinder anpassen. Pauschale Leseempfehlungen für Jungen gebe es nicht, sagt Ehmig. Aber auch den Eltern muss das Thema gefallen. „Es bringt nichts, wenn der Sohnemann merkt: „Mama und Papa macht das keinen Spaß.“ Wenn Tochter und Sohn gemeinsam vorgelesen bekommen, sollten Eltern abwechselnd auf ihre Interessen eingehen. „Das kann auch zwischen den Geschwistern etwas in Gang bringen“, sagt Ehmig. „Sie erfahren dann, was den anderen interessiert.“

Wenn die Jungen älter sind, bietet sich noch eine andere Möglichkeit gegen Lesemüdigkeit: „Über Technikangebote gibt es ein Einfallstor, Jungs anzusprechen“, erklärt Ehmig. E-Reader zum Beispiel machen das Lesen für Jungen attraktiver und verbessern sein Image. Auch Zeitschriften werden von Jungen akzeptiert und können zum Lesen motivieren.

Zu viel Motivation gebe es nicht, sagt Ehmig. Nur als Strafe dürften es Eltern niemals einsetzen. „Es darf kein Zwang sein.“

dpa

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