Futterklau

Vogel gaunert mit falschem Alarm

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Foto: Der Trauerdongo luchs seiner Konkurenz die Beute absichtlich mit falschen Warnrufen ab.

Kapstadt - Der afrikanische Trauerdrongo ist ganz schön clever. Er gaukelt seinen Opfern eine Gefahrensituation vor, um ihnen dann das Futter zu stibitzen.

Ehrlich währt am längsten – von wegen. Ein Sperlingsvogel gaukelt mit einem großen Repertoire an Warnrufen anderen Tieren eine Gefahr vor, um sie zu vertreiben und ihnen Futter zu stibitzen. Der afrikanische Trauerdrongo ahmt dabei typische Alarmrufe nach, mit denen sich seine Opfer - andere Vögel und sogar Erdmännchen - normalerweise gegenseitig vor Greifvögeln oder Füchsen warnen. Der betrügerische Vogel hat dabei mehr Erfolg, wenn er die irreführenden Warnrufe variiert, wie eine Gruppe von Ornithologen im Fachmagazin „Science“ berichtet.

„Ich habe beobachtet, dass Drongos mit ihrem falschen Alarm das Futter von 25 verschiedenen Arten stehlen“, sagte der Zoologe Thomas Flower von der südafrikanischen Universität Kapstadt. Trauerdrongos sind etwas größer als ein Spatz und kleiner als eine Amsel. Sie sind pechschwarz und haben rote Augen. Normalerweise jagen sie kleine Insekten, Libellen und Grillen oder fressen, was bei der Jagd anderer Vögel abfällt. Sie luchsen ihnen die Beute aber auch absichtlich mit falschen Warnrufen ab.

Doch diese Taktik zieht bei vielen Tieren nicht mehr, wenn sie mehrmals auf die gleiche Falschmeldung hereingefallen sind, wie das Team um Flower schreibt. Deshalb nutzen die Trauerdrongos (Dicrurus adsimilis) ein ganzes Repertoire an irreführenden Lauten: Sie nutzen ihr eigenes Notsignal, die Rufe anderer Vögel und die Warnung der Erdmännchen. Sind die Betrogenen geflüchtet, schnappt sich der Vogel deren Futter.

Gemeinsam mit Forschern aus Großbritannien und Australien hatte Flower mehr als 60 Trauerdrongos in der Kalahari-Wüste dabei beobachtet, wie sie ihren Opfern Futter abluchsten. Die einzelnen Vögel markierten sie mit bunten Ringen. Die Biologen fanden heraus, dass die Trauerdrongos zwischen 9 und 32 verschiedene Versionen von Warnsignalen auf Lager haben.

Trauerdrongos, die Alarmrufe verschiedener Arten einsetzten, hatten laut Flower nicht nur mehr Erfolg bei ihren Tricksereien. Sie schafften es auch, ein Opfer mehrmals hereinzulegen.

dpa/ska

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