Marsforscher im Interview

Volker Maiwald: "Ich war überrascht, wie schnell man die Isolation merkt"

+
Foto: Volker Maiwald vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Bremen simulierte in der sengenden Hitze der Wüste Utahs das Leben auf dem Mars.

Hannover - 2030 könnten erstmals Menschen zum Mars fliegen. Sie wären dort ganz auf sich allein gestellt und müssten sich selbst versorgen. Wie das funktioniert, hat der Bremer Volker Maiwald in Utahs Wüste getestet. Im HAZ-Interview erzählt er vom Gefühl der Isolation und simulierten Naturgeräuschen.

Volker Maiwald vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Bremen versuchte bei einer simulierten Mars-Mission, in der sengenden Hitze des Wüstenplaneten Tomaten und Salat zu züchten. Gegessen hat er dann aber Reis und Speisewürfel. In die Wüste Utahs kam er nur bei schweißtreibenden Spaziergängen im Raumanzug. Im normalen Leben bei der DLR in Bremen arbeitet der 31-jährige Raumfahrtingenieur an Machbarkeit, Kosten und Nutzen von Raumfahrtsystemen.

Wie lebt es sich auf dem Mars?

Man lebt natürlich eingeschränkt. Man hat weniger Wasser zur Verfügung, das heißt, es wird nicht so oft geduscht. Es gibt keine frischen Lebensmittel, und man wohnt sehr beengt. Die Mars-Station ist ein kleines rundes Gebäude, das in eine Rakete passen würde. Es hat zwei Geschosse. Unten sind Werkstatt und Labors, oben ein Aufenthaltsraum, die Küche und die Quartiere. Ich war überrascht, wie schnell man die Isolation von der Umwelt merkt. Das war schon nach ein paar Tagen so weit.

Sind die Lebensbedingungen in der Wüste Utahs überhaupt mit denen auf dem Mars vergleichbar?

Auf dem Mars haben wir natürlich eine sehr viel geringere Schwerkraft, ungefähr ein Drittel der auf der Erde. Die Atmosphäre auf unserem Nachbarplaneten ist nur ein Tausendstel so dicht. Das kann man in der Wüste natürlich nicht simulieren. Aber die geologischen und mikrobiologischen Verhältnisse sind sehr dicht an denen auf dem Mars dran. Deswegen hat die Mars Society die Station dort vor zwölf Jahren errichtet.

Was haben Sie während der zwei Wochen auf der Station erforscht?

Am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt forschen wir an Habitaten – also an künstlichen Lebensräumen für Menschen auf anderen Planeten, zum Beispiel auf dem Mars oder dem Mond. Ich war dort, um neue Erkenntnisse über die Abnutzung der technischen Systeme zu sammeln. Außerdem ging es darum, ein Gewächshaus auf der Station zu installieren, in dem die Crew während einer Mars-Mission frisches Obst und Gemüse zieht. Idealerweise könnten sie sich damit komplett selbst versorgen.

Was ist das Besondere an dem Gewächshaus?

Es hat einen geschlossenen Zyklus. Luft und Wasser werden wiederverwertet. Es ist an das gesamte Ökosystem des Habitats angeschlossen. Das heißt, man würde die Luft, die die Astronauten ausatmen, über das Gewächshaus reinigen. Bisher ist das System aber nur so groß wie ein Kühlschrank und funktioniert noch nicht perfekt. Unser Ziel ist, ein deutlich größeres zu entwickeln, das ganze Städte versorgen könnte. Die Ergebnisse von der Station sollen helfen, die Technik zu verbessern. In einem nächsten Schritt würden wir es dort gerne dauerhaft installieren. Aber das hängt von den Betreibern ab.

Mussten Sie selbst auch als Versuchskaninchen herhalten?

Ja, für ein biologisches Experiment von einer Kollegin aus Japan. Naturgeräusche sollten uns dabei das Gefühl geben, dass wir auf der Station eben nicht in so einer isolierten Umgebung sind. Wir konnten zum Beispiel fließendes Wasser, Vogelgezwitscher und Insekten hören – und das hat tatsächlich geholfen, die Stressbelastung zu reduzieren. Auch wenn wir natürlich wussten, dass das nur künstliche Geräusche sind.

Interview: Irena Güttel

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare