Umstrittener Werbeblocker Adblock Plus setzt sich vor Gericht durch

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Zwei Portale hatten versucht, die Entwicklung und den Vertrieb des Werbeblockers zu unterbinden. Foto: Andrea Warnecke

Der Werbeblocker Adblock Plus ist unter Internet-Anwendern populär - im Netz aber auch hochumstritten. Die Klage von zwei Medienhäusern gegen eine "Wegelagerei" fand vor dem Landgericht Hamburg kein Gehör. Der Streit wird mit dem Urteil vermutlich nicht beendet.

Berlin (dpa) - Der umstrittene Werbeblocker Adblock Plus hat sich vor dem Landgericht Hamburg gegen "Zeit Online" und "Handelsblatt.com" durchgesetzt.

Die Richter wiesen die Klage zurück, mit denen die beiden Portale versucht hatten, die Entwicklung und den Vertrieb des Werbeblockers zu unterbinden.

Die abgewiesene Klage richtete sich vor allem gegen das Geschäftsmodell der Kölner Eyeo GmbH, die für die Aufnahme in eine Liste "akzeptabler Werbung" von Internet-Angeboten Geld verlangt.

Die Medienhäuser hatten Eyeo vorgeworfen, unzulässig in das Geschäft der werbefinanzierten Angebote einzugreifen. Gegen die Entscheidung des Landgerichts ist Berufung zum Oberlandesgericht möglich (Az.: 416 HKO 159/14).

Die Kläger wandten sich in dem Verfahren vor allem gegen das "Acceptable Ads"-Programm, mit dem Adblock Plus bestimmte Seiten von der Werbe-Filterung ausnimmt. Die Kläger bezeichneten dieses Vorgehen als "Wegelagerei" und verglichen es mit einer Schutzgelderpressung.

"Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass es sich bei dem Angebot "AdBlock Plus" um einen unzulässigen und wettbewerbswidrigen Eingriff in die Pressefreiheit handelt", erklärte Ebba Schröder, Sprecherin von "Zeit Online". "Wir werden daher zunächst die schriftliche Begründung des Urteils abwarten, analysieren und dann die Erfolgsaussichten der Berufung gegen das Urteil prüfen."

Eyeo begrüßte das Urteil: "Diese Entscheidung ist in erster Linie ein Sieg für alle Internet-Nutzer und damit für alle Verbraucher", erklärte die Firma. Adblock Plus werde weiterhin störende Werbung standardmäßig blockieren.

"Unsere Nutzer und wir sind zudem weiter offen für einen fairen und tragfähigen Kompromiss zum Wohle aller Internetnutzer", erklärte Eyeo und verwies dabei auf die Site www.AcceptableAds.org. "Wir würden uns freuen, wenn mehr und mehr Content-Provider künftig auf die Interessen ihrer Nutzer hören und Werbung einfach weniger störend machen."

Eyeo hatte vor Gericht erklärt, dass 90 Prozent der Sites für die Eintragung in der "Whitelist" nicht zahlen müssten. Die restlichen zehn Prozent sind dem Vernehmen nach Unternehmen wie Google, Microsoft, Amazon und United Internet. Sie könnten durch die entblockte Werbung erhebliche Mehreinnahmen verbuchen, weil Adblock Plus zumindest bestimmte Werbebanner dann nicht blockiere, erklärte die Anwältin von Eyeo vor Gericht.

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