Patient Erde

WWF: Raubbau an Natur geht weiter

+
Foto: Das Abholzen von Bäumen wie hier im Regenwald am Amazonas in Brasilien lassen Lebensräume auf der Erde schrumpfen.

Berlin - Der Raubbau an unserem Planeten setzt sich fort: Der galoppierende Ressourcenverbrauch lässt Lebensräume schwinden, warnt die Umweltstiftung WWF in ihrem Living Planet Report. Für manche Arten ist es fast zu spät.

Die Menschen leben über ihre natürlichen Verhältnisse - und reiche Länder auf Kosten der armen: Nicht eine, sondern anderthalb Erden wären mittlerweile notwendig, um die jährlich verbrauchten Ressourcen im selben Zeitraum bereitzustellen, mahnt der „Living Planet Report 2012“, den die Umweltstiftung WWF am Dienstag in Berlin und weltweit veröffentlichte. „Macht die Menschheit so weiter, benötigen wir bis 2030 zwei Planeten, um unseren Bedarf an Nahrung, Wasser und Energie zu decken. Bis 2050 wären es knapp drei“, sagt WWF-Deutschlandchef Eberhard Brandes.

Der Gesundheitszustand unseres Planeten verschlechtert sich demnach weiter: Rund 2,7 Milliarden Menschen haben zumindest zeitweise zu wenig sauberes Trinkwasser, 13 Millionen Hektar Waldflächen als natürliche CO2-Senken verschwinden pro Jahr und die Bestände an Wirbeltieren sind um rund 30 Prozent geringer als noch 1970. „Wir müssen die Biodiversität erhalten und unseren ökologischen Fußabdruck verringern“, rief Brandes mit Blick auf die Umweltkonferenz auf.

Alle zwei Jahre beschreibt der WWF in seinem Report, wie es um die Lebensräume Meere, Flüsse und Wälder bestellt ist und untersucht dazu knapp 2700 Tierarten in über 9000 Populationen. Vor allem in tropischen Arealen sieht es somit schlecht aus - dort schrumpften die Tierpopulationen seit Beginn der Aufzeichnungen 1970 um 60 Prozent. So sind etwa die Flussdelfine in China eine aussterbende Art. Auch von frei lebenden Tigern gebe es weltweit nur noch 3500 Exemplare, schätzt der WWF. Dramatisch ebenfalls die Auswirkungen in den überfischten Meeren, wo nicht nur der Thunfisch und Kabeljau drastisch zurückgingen: Insgesamt sanken die Bestände dort seit 1970 um mehr als ein Fünftel, im Süßwasser sogar um 37 Prozent.

In allen gemäßigten Lebensräumen hingegen vergrößern sich die Bestände wieder um ein Drittel: „Das bedeutet jedoch nicht, dass sich die Biodiversität dort in einem besseren Zustand befindet als in den Tropen“, so der WWF. Vielmehr sei in Europa 1970 zu Beginn der Aufzeichnungen bereits der Höhepunkt der Naturzerstörung erreicht gewesen, der auf der südlichen Halbkugel dann erst einsetzte. „Zum anderen liegt es auch daran, dass Naturschutzmaßnahmen greifen“, sagte Brandes. So haben sich nach WWF-Angaben beispielsweise die Fischotter wieder ausgebreitet.

Der Biokapazität als Menge erneuerbarer Ressourcen, die unser Planet zur Verfügung stellt, steht dabei der ökologische Fußabdruck gegenüber - die Menge verbrauchter Ressourcen. Beides wird berechnet in globalen Hektar (Gha). Bei einer gerechten und naturverträglichen Verteilung stünden jedem Menschen weltweit 1,8 Gha zur Verfügung. Tatsächlich liegt der Durchschnittsverbrauch derzeit aber bei 2,7 Gha pro Person - also anderthalb mal so hoch. Tendenz steigend.

Die tiefsten ökologischen Fußabdrücke hinterlassen dabei die reichen Länder, angeführt von Qatar und Kuwait mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von fast zwölf und knapp zehn globalen Hektar. Deutschland liegt mit 4,6 Gha im Mittelfeld. Schlusslichter mit weniger als 0,5 Gha sind Afghanistan und Ost-Timor.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare