Viel „Schindluder“

Zahl der Hundeschulen steigt rasant

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In Deutschland gibt es etwa 2.200 Hundeschulen.

Potsdam - Tierfreunde wollen das Durcheinander in der Hundetrainer-Ausbildung beenden. Die Politik müsse eingreifen und einheitliche Standards schaffen.

In Deutschland steigt die Zahl der Hundeschulen rasch an, doch Experten zweifeln an der Kompetenz der Ausbilder. „Jeder, der mal irgendein Praktikum mit Hunden absolviert hat, kann sich heute Hundetrainer nennen“, sagte die Vizevorsitzende des Bundesverbandes der Hundeerzieher und Verhaltensberater (BHV), Iris Marchner, am Freitag in Potsdam. Nicht das flächendeckende Kampfhundeverbot bringe mehr Sicherheit für Mensch und Tier, sondern kompetente und gut ausgebildete Hundetrainer mit staatlicher anerkannter Berufsausbildung. Sieben deutsche Hundetrainer-Verbände verlangen daher gesetzliche Grundlagen für einheitliche Ausbildungsstandards.

Derzeit werde in Deutschland viel „Schindluder“ in diesem Bereich betrieben, kritisierte der Sprecher des Verbandes, Marcel Gäding, am Rande eines wissenschaftlichen Symposiums. Hundeschulen würden wie „Pilze aus dem Boden schießen“. Aktuell gebe bundesweit 2200, vor sieben Jahren seien es gerade einmal 765 gewesen.

In einem ersten Schritt schlossen sich die sieben Verbände, die bundesweit 1500 Hundefachleute vertreten, in Sachen Ausbildung zusammen. Sie wollen einheitliche Standards festlegen. Erste Ansätze sollen auf dem Potsdamer Symposium besprochen werden.

Als federführend gilt ein Projekt des Bundesverbandes der Hundeerzieher BHV zusammen mit der Industrie- und Handelskammer Potsdam. Hier werden seit 2007 zertifizierte „Hundeerzieher und Verhaltensberater IHK“ ausgebildet. In einer weiteren Stufe kann sogar die Ausbildung zum Hundefachwirt abgelegt werden. „Das ist bundesweit noch einmalig“, sagte die Vizechefin des Verbandes, Marchner.

„Jeder kocht sein eigenes Süppchen“, sagte auch Elke Müller von der Interessengemeinschaft unabhängiger Hundeschulen zur bisherigen Situation. „Nur Hundetrainer, die nach anerkannten wissenschaftlichen Standards ausgebildet wurden, können das Fehlverhalten auffälliger Tiere korrigieren.“

Beißattacken hätten durch Kampfhundeverordnungen nicht abgenommen. „Rasselisten sind sowieso nur Alibi-Veranstaltungen, denn diese Regelungen betreffen nur den öffentlichen Raum“, erklärte die Hamburger Tierärztin Barbara Schöning.“ Zu den meisten Zwischenfällen komme es aber im privaten Bereich. „Hier sind über 70 Prozent Kinder von Beißattacken betroffen“, sagte sie. „Und das sind nicht die Kampfhunde, sondern zum Beispiel Tiere wie der Golden Retriever.“

Etwa 30 Prozent der 5,4 Millionen Hunde in deutschen Haushalten gelten nach Einschätzung des Bundesverbandes der Hundeerzieher und Verhaltensberater als Problemtiere und verhaltensauffällig.

dpa

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