Gesundheit

Zahl junger Raucher geht stark zurück

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Foto: Quarzen in der großen Pause: Die Zahl junger Raucher ist in Deutschland in den vergangenen Jahren stark gesunken.

Heidelberg - Heute greifen viel weniger Jugendliche zur Zigarette als noch vor zehn Jahren. Krebsforscher sind sich sicher: Es liegt an den Preiserhöhungen und einer immer rauchfreieren Umgebung. Die Zahl junger Raucher wollen sie noch weiter nach unten drücken.

Die heimliche Zigarette auf dem Pausenhof, nach Rauch riechende Schüler, geschnorrte Kippen auf dem Schulweg: Noch immer gibt es in Deutschland Kinder und Jugendliche, für die Rauchen zum Alltag gehört – doch ihre Zahl ist stark gesunken. Der Bewusstseinswandel beim Thema Rauchen, der große Teile der Gesellschaft erfasst hat, kommt auch bei den Jüngeren an: Betrug der Raucheranteil unter den 12- bis 17-Jährigen im Jahr 2001 noch 28 Prozent, so waren es 2012 noch 12 Prozent. Aus Sicht des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) ist es nicht primär die Einsicht, die sie aufhören oder gar nicht erst anfangen lässt.

Es gebe zwar einen deutlichen Rückgang, aber immer noch viel zu viele junge Raucher, sagt die Leiterin der DKFZ-Stabsstelle Krebsprävention, Martina Pötschke-Langer. Sie warnt vor den gesundheitlichen Folgen: Atemwegsbeschwerden, geringere körperliche Leistungsfähigkeit, Asthmagefahr, ein schnellerer Alterungsprozess. Und dann sei da natürlich der Krebs: Lungenkrebs, Kehlkopfkrebs, Speiseröhrenkrebs, Magenkrebs.

Der gesunkene Raucheranteil bei den Jüngeren sei vor allem auf die Nichtraucherschutzgesetze sowie auf die lebhafte öffentliche Debatte darüber zurückzuführen – und auf die Erhöhung der Tabaksteuer, sagt Pötschke-Langer. „Es ist kein überzogener Optimismus zu sagen, je teurer das Produkt wird, desto weniger wird geraucht.“ Deshalb fordert sie auch eine schrittweise weitere Erhöhung der Steuer. „Das Geld ist wirklich ein ganz entscheidender Faktor für Kinder und Jugendliche.“ Wer an dieser Stellschraube drehe, könne die Zahl der jugendlichen Raucher noch weiter senken.

Eine Sprecherin des Tabakkonzerns Philip Morris International betont zwar ebenfalls:„Wir wollen nicht, dass Kinder und Jugendliche rauchen.“ Bei einer dramatischen Erhöhung der Tabaksteuer bestehe aber die Gefahr, dass sich der illegale Zigarettenhandel weiter verstärke. „Vor dem Hintergrund sind wir gegen exzessive Steuererhöhungen. Denn die großen organisierten Zigarettenschmuggler und die kleinen Straßenhändler halten sich an keine Regulierung.“

Auch wenn heute weniger Kinder und Jugendliche rauchen – Verführungen und schlechte Vorbilder gibt es noch immer. Ob sie anfingen zu rauchen, hänge stark vom Elternhaus und vom Freundeskreis ab, betont Pötschke-Langer. „Diejenigen, die schon schwerst abhängig sind, haben oft stark rauchende Eltern – die lernen das Rauchen praktisch am Küchentisch. Für diese Kinder ist es unglaublich schwierig, aus diesem Verhalten wieder rauszukommen, es ist schließlich das Verhalten ihrer Eltern.“

Es bieten zwar einige Beratungsstellen Raucherentwöhnungskurse für Jugendliche an, sie werden aber kaum bis gar nicht nachgefragt. Nicht etwa, weil niemand sie bräuchte, sagt der Leiter der Heidelberger Fachstelle Sucht, Ralf Krämer. „Viele Eltern regen sich nicht auf, solange es nichts Schlimmeres als Rauchen ist. Nur in krassen Ausnahmefällen rufen Eltern hier bei uns an.“ Zumal längst nicht alle jungen Raucher ihr Laster ablegen wollten.

Und auch die Schulprogramme zur Tabakprävention erreichen nur einen geringen Teil der Kinder und Jugendlichen, wie das DKFZ betont. Die beiden größten Programme „Klasse 2000“ und „Be Smart – Don't Start“ gingen an 85 Prozent der Erstklässler und an 91 Prozent der 11- bis 14-Jährigen vorbei. „Sie können daher in Deutschland – wenn überhaupt – nur einen geringen Beitrag zum Rückgang des Raucheranteils unter Jugendlichen geleistet haben“, heißt es in einer DKFZ-Publikation.

Wenn die eigenen Freunde rauchten, gehöre für Jugendliche unheimlich viel dazu, wieder aufzuhören, sagt Krämer. „Es bedeutet, sich auszuschließen. Die anderen haben dann etwas gemeinsam und teilen sich dieses Ritual.“ In diesem Alter mache es den Reiz aus, richtig dabei zu sein, anstatt nur dabeizustehen. Und obwohl Rauchen für viele Schüler „bäh“ sei, dienten Zigaretten einigen noch immer als Mittel zur Selbstinszenierung. Erwachsen, cool, interessant, frei, tragisch: Attribute, die dem Bild des Rauchers für viele noch immer anhaften – trotz Nichtraucherschutzgesetzen und Tabaksteuer.

dpa

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