Auswertung der Polizei

Zahl der Verbrechen hängt vom Wetter ab

- Gibt es im Sommer mehr Vergewaltigungen und im Winter mehr Wohnungseinbrüche? Es besteht tatsächlich ein direkter Zusammenhang zwischen der Zahl von Verbrechen und dem Wetter. Das geht aus Auswertungen der Hamburger Polizei hervor.

Das Risiko für Frauen, Opfer einer Sexualstraftat zu werden, steigt bei gutem Wetter. Räubern dagegen sind Temperatur, Sonne oder Regen fast egal. Es gibt nach einer Analyse der Hamburger Polizei einen deutlichen Zusammenhang zwischen Wetter und Kriminalität. Sie wurde am Mittwoch auf dem Extremwetterkongress in Hamburg präsentiert.

Die Statistik zeige für Gewaltkriminalität: Pro Grad höherer Temperatur ist eine Tat mehr pro Tag in Hamburg zu erwarten. „Je mehr Sonne, desto mehr Gewalt“, resümiert der Leiter der Zentralen Verbrechensbekämpfung in Hamburg, Andreas Lohmeyer.

Auch der Wochentag spiele eine Rolle. So müsse die Polizei an einem warmen und sonnigen Sonntag im August mit durchschnittlich 82 Rohheitsdelikten in der Hansestadt rechnen, an einem grauen und kühlen Dienstag im März dagegen nur mit 51, sagte Lohmeyer.

Um an Aussagen über Zusammenhänge zwischen Wetter und Kriminalität zu gelangen, hat die Hamburger Polizei die Kriminalitätsstatistik mit stündlichen Wetterdaten der Jahre 1990 bis 2009 zusammengebracht - insgesamt rund zwei Millionen Datensätze. Dabei flossen die mittlere Tagestemperatur, die Sonnenscheindauer, der Niederschlag und die Schneedecke ein, berichtete Lohmeyer.

Wenig vom Wetter beeinflusst sind demnach Raub, Ladendiebstahl, Autodiebstahl, Betrug, Sachbeschädigung (leichter Rückgang bei Regen) und Rauschgiftkriminalität. Als wetterfühlige Kriminalität machten die Polizisten alle Rohheitsdelikte wie Körperverletzung, Diebstahl (auch Wohnungseinbrüche) sowie Sittlichkeitsdelikte einschließlich Vergewaltigung aus.

„Das wetterfühligste Delikt überhaupt ist der Fahrraddiebstahl“, sagte Lohmeyer. Aber auch bei Autodiebstahl und Autoaufbrüchen gilt, „je länger die Tage, desto mehr Taten“. Andersherum bei Wohnungseinbrüchen: „Jede Stunde mehr Dunkelheit bedeutet einen Einbruch mehr pro Tag.“

Bremsend wirke dagegen Kälte. Wenn in Hamburg mal eine Schneedecke liegt, lassen erfahrene Kriminelle wegen der nicht zu vermeidenden Spuren die Finger vom Einbruch. Schnee bedeutet durchschnittlich sechs Taten weniger am Tag.

Auch Demonstranten seien wetterfühlig, meinte Lohmeyer. Bei einer Demonstration gegen die NPD am 12. Februar 2011 erwartete die Polizei 1500 Teilnehmer aus der Linken Szene und erhebliche Auseinandersetzungen. Es kamen aber nur 600 und alles blieb friedlich. Die Auflösung: Es war eisig kalt.

In der Nacht vom 31. Januar auf den 1. Februar gab es im Hamburger Polizeibericht überhaupt nur drei Einträge zu Straftaten. An zwei Autos wurden Spiegel entwendet, ein Einbrecher stieg in einen Schuppen ein. Auch diese Nacht war so kalt, dass die Kriminellen lieber zuhause blieben.

Den vielleicht eindeutigsten Zusammenhang kennen die Brandermittler der Hansestadt aus dem Stadtpark. Dort gab es im vergangenen Jahr 139 Containerbrände, alle in der Zeit vom 24. März bis zum 12. September. Die Erklärung ist einfach: Tausende Hamburger kommen zum Grillen in den Stadtpark, viele werfen hinterher ihre Grillkohle in die Abfallcontainer. „Weil die Leute nicht wissen, was sie tun, begehen sie jede Menge Brandstiftungsdelikte“, sagte Lohmeyer.

Ein neues wissenschaftliches Fach „Kriminalmeteorologie“ könnte nach Lohmeyers Ansicht noch eine ganze Reihe weiterer Erkenntnisse bringen und auch zur Verbrechensvorbeugung dienen. „Aber ich werde nicht der erste sein, der versucht, in dieser Fachrichtung zu promovieren“, meinte er.

dpa

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