Wissenschaft

Zelltransplantation lässt Haare sprießen

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Männer mit Glatze können auf eine neue Technologie hoffen.

Berlin - Geheimratsecken oder eine Glatze sind für viele Menschen ein Alptraum. Forscher haben einen neuen Ansatz für Haartransplantationen entwickelt: Statt ganzer Hautteile kommen dabei Zellen zum Einsatz.

Auf kahler menschlicher Haut haben Forscher im Labor Haare sprießen lassen. Sie hatten Zellen verpflanzt, die neue Haarfollikel entstehen lassen - ein Prozess, der im Körper normalerweise nur vor der Geburt oder nach Verletzungen abläuft. Die Methode könne eines Tages vor allem für Patienten infrage kommen, die nicht genug Haare für eine konventionelle Haartransplantation hätten, teilten die Forscher des Columbia University Medical Center (CUMC) mit. Allein in Deutschland sind mehrere Millionen Menschen von Haarausfall betroffen.

Bei Nagetieren war es schon länger möglich, haarbildende Zellen so zu vervielfältigen und zu transplantieren, dass neue Haare sprossen, berichtet das Team in den „Proceedings“ der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften (PNAS). Entnommen werden die Zellen aus dem Teil des Haarfollikels, das Haarbildung und -wachstum steuert. Beim Menschen schlug dies bislang fehl: Die haarbildenden Zellen hätten sich bei der Vermehrung auf den flachen Kulturen im Labor stets wieder in normale Hautzellen verwandelt, sagte Studienautor Colin Jahoda von der britischen Durham University.

Eine dreidimensionale Zellkultur ermöglichte es nun, die haarbildende Fähigkeit zu bewahren: Zellen werden dabei in Tropfenform vermehrt, was eher den natürlichen Bedingungen im menschlichen Gewebe entspricht. Für die Studie wurde dies mit Zellmaterial von sieben männlichen Spendern mit erblich bedingtem Haarausfall erprobt. Nach einigen Tagen transplantierten die Wissenschaftler die vervielfältigten Zellen in menschliche Haut, die wiederum auf den Rücken von Mäusen verpflanzt worden war.

In fünf von sieben Fällen hatten sich innerhalb von sechs Wochen neue Haarfollikel gebildet. DNA-Tests zeigten, dass diese menschlichen Ursprungs waren und genetisch zum jeweiligen Spender passten. Die Forscher schreiben jedoch auch, dass teilweise nur kleine Haare gewachsen seien, die oft nicht stark genug waren, um beim Wachsen alle Hautschichten zu durchdringen.

„Für rund 90 Prozent der Frauen mit Haarausfall kommt eine Haartransplantation nicht infrage, weil sie nicht genug Haare haben, die verpflanzt werden können“, sagte Studienautorin Angela Christiano. Mit dem neuen Verfahren könnte man hingegen mit Zellen des Patienten aus wenigen hundert Haaren eine große Anzahl neuer Haarfollikel entstehen lassen. Es sei damit auch für Patienten mit einer beschränkten Anzahl gesunder Follikel geeignet. Bisherige Therapien könnten Haarausfall nur verzögern oder das Haarwachstum bestehender Follikel anregen, erklärte Christiano.

Bevor das Verfahren am Menschen erprobt werden kann, müssten aber noch weitere Tests erfolgen, hieß es. Bislang fehlten etwa Erkenntnisse über Farbe oder Wuchsrichtung der neu gebildeten Haare. Auch Langzeituntersuchungen stünden noch aus. Über die möglichen Kosten einer solchen Therapie gab es keine Angaben.

dpa

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