Hartes Urteil

"Eine Schande": Vier Millionen Deutsche müssen Steuern zahlen wie Topverdiener

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Vier Millionen Arbeitnehmer aus der Mitte zahlen bereits den Spitzensteuersatz.

Früher waren sie nur für Top-Gehälter reserviert, heute sollen Millionen Deutsche bereits den Spitzensteuersatz zahlen. Das hat jetzt nun die Bundesregierung bestätigt.

Immer mehr Arbeitnehmer sollen den Spitzensteuersatz zahlen. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervor. 2018 sollen es laut Schätzungen der Regierung etwa 3,5 Millionen Deutsche gewesen sein. Das Interessante daran: Die Hälfte der Zahler sollen 5.000 bis 7.000 Euro brutto monatlich verdienen.

Überraschend: Vier Millionen Arbeitnehmer aus der Mittelschicht zahlen Spitzensteuersatz

Somit erfasst der Spitzensatz jetzt auch Arbeitnehmer, die das 1,5-fache des Durchschnittslohns erhalten, also vermehrt bei Zahlern aus der Mittelschicht. Zum Vergleich: 1965 musste ein Arbeitnehmer das 15-fache des durchschnittlichen Einkommens verdienen, um den Spitzensteuersatz zu zahlen. Das berichtet jetzt die Süddeutsche Zeitung. Doch die Haushaltskasse des Bundes ist voll, 2019 soll ein Überschuss von 50 Milliarden erzielt worden sein.

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Nun wird darüber diskutiert, ob die Steuern für die Mitte nicht gesenkt werden könnten. Das fordern jetzt einige Politiker, darunter FDP-Parteichef Christian Lindner und der Linke-Fraktionschef Dietmar Bartsch. Letzterer fordert: "Wir brauchen eine große Steuerreform, die kleine und mittlere Einkommen besserstellt. Wer weniger als 7.100 Euro brutto im Monat hat, sollte weniger zahlen."

"Es ist eine Schande": FDP und Linke fordern große Steuerreform - und Senkungen

Auch FDP-Parteichef Christian Lindner meint: "Es ist eine Schande, dass sich der Spitzensteuersatz tief in die arbeitende Mitte der Gesellschaft vorgefressen hat", so der Politiker. "Hier reden wir nicht über Manager und Profifußballer, sondern den Facharbeiter in der Autoindustrie oder die Personalreferentin im mittelständischen Betrieb. Wir brauchen dringend eine Steuerreform, die der arbeitenden Mitte Luft zum Atmen verschafft und deutlich macht, dass sich zusätzliche Anstrengung lohnt."

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Doch die Regierung will von einer Steuersenkung nichts wissen. Dabei schalten sich jetzt sogar Experten zu dem Thema ein: "Während die Reichen entlastet wurden, zahlt die Mittelschicht mit 3.000 bis 8.000 Euro Verdienst mehr Steuern als früher", sagt auch Martin Beznoska vom Institut der deutschen Wirtschaft. "Eigentlich müsste man die Steuersätze reduzieren."

CSU-Chef Markus Söder schlug dagegen am Rande der Klausur der CSU-Landtagsfraktion im oberbayerischen Kloster Seeon vor, das man das Geld auch für eine Senkung der Umlage für Erneuerbare Energien (EEG) oder der Stromsteuer nutzen könne.

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jp

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