Tau-Proteine

Alzheimer-Forschung: Alterserkrankung breitet sich wie Infektion aus

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Mediziner erforschen die Entstehung und Behandlung von Alzheimer.

Gegen Alzheimer gibt es kein Heilmittel. Doch Wissenschaftler forschen fieberhaft an neuen Therapien. Eine aktuelle Studie der LMU München kommt zu neuen Ergebnissen.   

Eine Demenz wird in 60 Prozent der Fälle durch eine Alzheimer-Krankheit ausgelöst. Die Demenz zählt zu den häufigsten Krankheiten im Alter - rund 1,7 Millionen Menschen sind in Deutschland von der Alterskrankheit betroffen, wie die Deutsche Alzheimer Gesellschaft meldet.

Dabei steigt das Risiko zu erkranken mit zunehmendem Lebensalter. Wo in der Altersgruppe von 70 bis 74 Jahren unter vier Prozent der Menschen an Demenz erkranken, sind es bei über 90-Jährigen bereits 41 Prozent. Schätzungen zufolge sollen wegen des immer höheren Alters, das wir erreichen, bis zum Jahr 2050 rund drei Millionen Menschen in Deutschland an der Alterskrankheit leiden.

Alzheimer ist nicht heilbar, es gibt kein Medikament, das den Fortschritt der Krankheit verhindern könnte. Die Symptome wie Gedächtnis- und Orientierungsstörungen, Sprachstörungen, Störungen des Denk- und Urteilsvermögens sowie Veränderungen der Persönlichkeit lassen sich allerdings mit Medikamenten vorübergehend hinauszögern. Um eine ursächliche Therapie gegen Alzheimer zu finden, forschen Wissenschaftler fieberhaft an neuen Behandlungsansätzen.

Fehlgefaltete Proteine im Gehirn verursachen Alzheimer

Eine Forschergruppe der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) untersuchte die Entstehung der Alzheimer-Krankheit und schlussfolgerte verblüffende Ähnlichkeit zum Verlauf einer Infektionskrankheit. Sie untersuchten das Verhalten bestimmter Proteinablagerungen im Gehirn - sogenannte Plaques -, die für die Entstehung von Alzheimer maßgeblich verantwortlich sind. "Im Zuge der Alzheimer-Demenz mit immer weiter fortschreitendem geistigem Verfall reichern sich im Gehirn fehlgefaltete Amyloid- und Tau-Proteine an", zitiert das Portals Heilpraxisnet die Forschenden der LMU. Die aktuelle Studie habe gezeigt, dass sich Tau-Proteine in zusammenhängenden neuronalen Netzwerken wie bei einer Infektion ausbreiten können.

Vor dem Hintergrund, dass weltweit rund 44 Millionen Menschen von Alzheimer betroffen sind, sehen die Forscher in ihren Studienergebnissen einen wichtigen Schritt, um die Alzheimerkrankheit besser zu verstehen und geeignete Therapien zu entwickeln. Auch bessere Prognosen des Krankheitsverlaufs sollen so möglich werden.

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Ausbreitung von krankmachenden Tau-Proteinen gleicht Infektion im Gehirn

Den Studienleitern der LMU zufolge beginne die Alzheimer-Demenz mit der Ablagerung von sogenannten Beta-Amyloid-Proteinen im Gehirn. Diese reichern sich außerhalb der Nervenzellen an. Im Anschluss beobachteten die Forscher eine Anhäufung von Tau-Proteinen innerhalb der Nervenzellen im Gehirn. In Letzteren vermuten die Wissenschaftler die Hauptursache für das Fortschreiten einer Demenz.

"Je stärker die Tau-Pathologie, desto ausgeprägter ist in der Regel die klinische Symptomatik der Patienten", zitiert Heilpraxisnet Dr. Nicolai Franzmeier vom Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung. Im Verlauf der Studie, an der 50 Alzheimer-Patienten beteiligt waren, hatten sich die krankmachenden Tau-Proteine vornehmlich entlang miteinander vernetzter Hirnregionen verbreitet. Die Ausbreitung erfolge über miteinander verbundene Nervenzellen und an den Synapsen werde das Tau-Protein an andere Neuronen weitergegeben. Dies erinnere an eine ansteckende Erkrankung beziehungsweise die Ausbreitung einer Infektion.

Zur Studie

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jg

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