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Dopamin-Detox: Zu viel Glück macht krank? Forscher üben Kritik

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Von: Jasmin Farah

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Saftkur, Alkoholverzicht und jetzt kommt Glücksfasten: der neueste Schrei aus den USA. Zu viel für unser Gehirn. Das soll sich erholen. Aber geht das?

Kann man zu glücklich sein? Wenn es nach dem US-amerikanischen Psychologen Cameron Sepah geht, dann ja. Er rät sogar zum Dopaminfasten. Eine schwere Umstellung, zumal das Streben nach Glück in uns verankert ist. Unsere heutige Umwelt befriedigt dieses Bedürfnis, sei es durch verlockende Werbung, glänzende Instagram-Bilder oder aufregende Abenteuer-Trips. Doch Sepah, Professor für Psychiatrie an der University of California, sieht die ewige Jagd nach dem Kick problematisch. Er glaubt sogar, dass es uns auf Dauer krank machen kann.

Dopamin-Detox: Zu viel Glück macht krank? Forscher mit heftiger Kritik

Seoah ist Erfinder des neuartigen Fasten-Trends, der jetzt auch zu uns aus den USA herüberschwappt. Beim Dopaminfasten geht es darum, sich der ständigen Reizüberflutung zu entziehen, die unser Gehirn pausenlos (über)stimuliert. Dopamin ist schließlich ein Botenstoff im Gehirn, der auch als „Belohnungshormon“ gilt und ausgeschüttet wird, wenn wir positive Erlebnisse oder Erfahrungen machen. Das passiert etwa beim Sport, beim Geschlechtsverkehr oder aber auch, wenn wir uns etwas Schönes kaufen oder jemand unser Bild auf Instagram mit einem Like versieht.

Junge Frau nutzt Smartphone nach Shopping-Einkauf.
Shoppen und Bilder auf Instagram liken: Das alles schüttet viel Dopamin aus. © MANU RUIZ PHOTOGRAPHY/Imago

Das macht uns glücklich, wird es aber zu viel, kann es uns stressen und genau für das Gegenteil sorgen. Die ständige Reizüberflutung sorgt dafür, dass wir uns ausgelaugt fühlen. Gleichzeitig soll eine Suchtwirkung entstehen, mit der Folge, dass wir immer mehr davon wollen, was uns glücklich macht. Das kann allerdings auch dazu führen, dass man innerlich abstumpft und auch mit Langeweile auf Dauer nicht mehr so gut klarkommt.

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Dopamin-Detox: Harvard-Forscher sehen Trend skeptisch

Wer hingegen eine „Dopamin-Detox“ durchführt, entzieht sich all den Reizen, die im Körper dafür sorgen, dass der Botenstoff ausgeschüttet wird und der Belohnungsmechanismus aktiviert wird. Zugleich soll dadurch auch die Gefahr einer körperlichen und psychischen Abhängigkeit verringert werden. Das soll unter anderem dadurch funktionieren, indem man zum Beispiel das Handy auslässt, nicht fernsieht oder soziale Kontakte einschränkt. Doch so einfach ist das nicht, sagen hingegen Harvard-Forscher.

Dopamin funktioniere nicht wie Drogen wie etwa Heroin oder Kokain. Man könne nicht einfach eine „Pause“ davon machen. Während der Botenstoff zwar vermehrt ausgeschüttet werde bei erfreulichen Erlebnissen, könne man ihn nicht einfach so reduzieren, indem man überstimulierende Aktivitäten vermeide. Abschließend helfe den Forschern zufolge also eine „Glücks-Fastenkur“ nicht, die Dopaminlevel nach den eigenen Wünschen zu verringern.

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