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„Überbehütung ist Vernachlässigung“: Pädagogin über Helikoptereltern

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Von: Jasmin Pospiech

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Es ist ein hitziges Thema bei Eltern: die Kindererziehung. Doch für diejenigen, die sich nur darum kreisen, hat eine Pädagogin harte Worte übrig.

Hamburg – Die Kindererziehung ist ein heiß umstrittenes Thema, bei dem sich vor allem Kinderlose schnell ins Fettnäpfchen setzen können. Heutzutage gibt es so viele Erziehungsformen, -ratgeber und gut gemeinte Tipps, dass viele Eltern verunsichert sind. Viele meinen es zu gut und wollen, dass es den Sprösslingen an nichts fehlt.

„Überbehütung ist Vernachlässigung“: Pädagogin schießt gegen Helikoptereltern

Kinder müssen auch herausgefordert werden.
Kinder müssen auch herausgefordert werden. (Symbolbild) © fotototo/Imago

Sogenannte „Helikoptereltern“ kreisen ständig um ihren Nachwuchs, was einer Expertin ein Dorn im Auge ist. Doch nicht nur das: Für sie ist es sogar grobe Fahrlässigkeit, wenn Eltern ihre Kinder ständig im Fokus haben und ihnen alle Steine im Leben aus dem Weg räumen wollen. Stattdessen sollten die Erwachsenen ihren Kindern mehr zutrauen, findet Pädagogin Beate Letschert-Grabbe. Das führe schließlich nur dazu, dass Helikoptereltern der Entwicklung der Kleinen schaden. Schlimmer noch: Ihrer Meinung nach sei die ständige Überbehütung genauso so schlimm, wie wenn Eltern ihre Kinder vernachlässigen würden.

Dass die Überbehütung und Überfürsorge auch in Sachen Weinen des Babys weniger sinnvoll sein kann, belegte eine Studie, deren Ergebnis zeigte: Kinder würden mit den Monaten Alter ruhiger, wenn Eltern das Baby auch mal schreien ließen – wenn sie gelassener und zögerlicher dem Nachwuchs gegenüber reagierten und nicht sofort sprangen, sobald es schrie und weinte.

Das bedeute aber nicht, dass man die Bedürfnisse von Kindern nicht ernst nehmen darf: „Es ist sehr wichtig, ein Bedürfnis zu erkennen und mit dem Kind darüber zu sprechen“, erklärt sie gegenüber „Zeit Online“. Doch Eltern müssten unterscheiden, ob es ein echtes Bedürfnis ist oder der Nachwuchs zum Beispiel nur Aufmerksamkeit will. Doch viele Erwachsene springen, sobald das Kind nur einen Mucks macht, ohne darauf zu achten, was der Spross damit ausdrücken will.

Das führe zu einer gegenseitigen Abhängigkeit: Die Eltern richten sich ganz nach den Befindlichkeiten der Kinder, während diese sich selbst keine Mühe mehr geben (müssen), selbstverantwortlich zu handeln. Daher hat auch eine weitere Expertin Tipps gegeben, ab wann man die Kleinen auch alleine zu Hause lassen kann.

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Überbehütung macht Kinder süchtig?

Wenn überfürsorgliche Mütter und Väter hingegen ständig in der Nähe des Kindes sind, ihm jeden Wunsch erfüllen und alle Aufgaben abnehmen, kann der Nachwuchs keine eigenen Erfahrungen sammeln. „Niemand muss sofort, vollkommen und perfekt auf Bedürfnisse reagieren“, weiß auch Letschert-Grabbe, doch wer seine Kinder überbehütet, der mache sie geradezu süchtig danach. Demnach sei es „wie eine Droge“ für die Kleinen, wenn sie alles bekommen und sie würden auch „keinen Sättigungspunkt“ kennen.

Stattdessen empfiehlt die Pädagogin, öfters mit den Sprösslingen das Gespräch zu suchen, ihnen zuzuhören und sie an manchen Punkten auch etwas herauszufordern. Das ist in Zeiten von Homeschooling und beruflichem sowie privatem Stress keine leichte Aufgabe, aber es lohnt sich am Ende, sich die Zeit dafür zu nehmen.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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