Der Traum von der Fußball-WM

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Brasilien lässt sich noch viel Zeit mit den Vorbereitungen auf 2014

Innerhalb von zwei Jahren wird Brasilien Gastgeber der beiden bedeutendsten Sportereignisse der Welt sein: 2014 wird hier die Fußballweltmeisterschaft ausgetragen.

Zwei Jahre später finden die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro statt – es sind die ersten Spiele im Zeichen der Ringe auf dem südamerikanischen Kontinent. Sportredakteur Michael Knippenkötter ist vorausgereist.

Clarissa Farie, 33, Beamtin, Leomar Vilar, 38, Geschäftsführer: 2014 gibt es nur eine Möglichkeit: Brasilien muss Weltmeister werden! Und bis dahin ist es noch ein weiter Weg, wir sehen die Mannschaft noch nicht optimal aufgestellt. Ansonsten laufen die Vorbereitungen sehr gut. Aus dem Ausland gibt es zwar viele kritische Stimmen, aber bei uns in Brasilia ist alles schon weit vorangeschritten. Das wird ein Fest!

Es ist dunkel in den Straßen rund um den Parque de Catcumba, der Verkehr hin zur berühmten Copacabana wird allmählich erträglich. Wer tagsüber arbeitet, zieht sich zurück vor den Fernseher und nimmt an seinem zweiten Leben teil, den Telenovelas. WM-, oder gar Olympiafieber existiert hier noch nicht, die Gespräche der Menschen drehen sich meist um die Hochzeit in dieser, die Intrige in der anderen TV-Serie.

Draußen, in der Frühlingsluft von Rio, gibt es nur ein paar schwach beleuchtete grüne Flecken. Kunstrasenplätze, auf denen die Jugendlichen ihren brasilianischen Stars nacheifern. Es ist fast wie überall, wo man einer Gruppe Jungs einen Ball gibt: Sie streifen stolz das Trikot ihres Lieblingsspielers über, schnüren hastig ihre Schuhe und schicken den beleibtesten unter ihnen ins Tor.

Das war in Brasiliens Metropole auch schon so, als die Plätze noch steinig waren und der Lederball mit jedem Schuss auseinander zu fliegen drohte. Jetzt, da die Brasilianer knapp zweieinhalb Jahre vor dem größten Erlebnis ihres Lebens stehen, kommt aber noch ein Stück mehr Inbrunst hinzu. Die kleinen Kakás, Robinhos und Neymars spielen nach, was ihre Helden 2014 federleicht erledigen sollen: Weltmeister werden.

„Man wird hier mit einem Ball geboren. Jeder Brasilianer hat Fußball im Blut, ganz egal, wie gut oder schlecht er wirklich ist“, sagt Junior Negão. Der 47-Jährige tritt auch selbst noch gegen die Kugel. Allerdings nicht auf Kunstrasen oder echtem Grün. Negão spielt auf Sand – er ist der wohl erfolgreichste Beachsoccerspieler Brasiliens, hat drei Mal die offizielle Beach­soccer-WM der FIFA gewonnen. Heute trainiert er die Nachwuchstruppe von Vasco da Gama, jeden Morgen geht es zum Training an die Copacabana.

Rubens Poullosa, 38, Fahrer: Unsere Mannschaft ist vorbereitet, die ist jetzt schon gut genug für den Titel. Die Leute wissen das auch, man spürt es im ganzen Land. Alles, was wir jetzt noch machen können, ist abwarten. Geht es nach uns, könnten wir morgen loslegen – zumindest sportlich gesehen. Ganz egal, mit wem ich rede, es gibt keinen Zweifel: Brasilien wird Weltmeister!

Dort versammelt er dann, lange bevor die Touristen vom Frühstück an den Strand strömen, seine Fußballschüler um sich. Mit dem Reporter aus Deutschland spricht Negão aber vor allem über die Spieler, wie wir sie kennen. „Wissen Sie, die Nationalmannschaft ist der Stolz eines jeden Brasilianers. Was uns aber fehlt, ist der Sieg bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land. Das haben wir 1950 verpasst, und das haben wir nie verarbeitet.“ Negão spricht von einem Trauma, von einem besonderen Druck für die Spieler. Dass aber noch andere Nationen Chancen auf den Titel hätten, davon sprich er nicht. „Nein, wirklich nicht“, sagt er, lacht kurz und wischt sich den Sand von der Stirn. „Spanien und Deutschland haben gute Teams. Aber in Brasilien zu gewinnen, ist unmöglich.“

Kein Einwand, es wäre sinnlos. Das Selbstvertrauen am Zuckerhut ist derzeit schier grenzenlos – und das nicht nur in sportlicher Hinsicht. So können die Brasilianer kaum verstehen, dass die schlechte Infrastruktur, halbfertige und zum Teil vernachlässigte Stadien sowie chaotische Zustände in der Organisationspolitik nicht nur mit dem gründlichen Blick durch die deutsche Brille Sorgen bereitet. „In Deutschland wird immer alles frühzeitig erledigt. Man will ganz sicher gehen, dass alles stimmt, so dass man letztlich nur den Knopf drücken muss. Wir sind da etwas anders“, sagt Everton Vargas.

Der brasilianische Botschafter, beruflich seit zwei Jahren in Berlin beheimatet, reist derzeit durch vertraute Gefilde. Dass er dabei zum Beispiel in Rio oder Brasilia wenig massentaugliche Flughäfen nutzen muss, bereitet ihm kein Kopfzerbrechen. „Vor der WM in Südafrika haben die Leute auch gesagt, die schaffen das nicht. Am Ende hat es doch geklappt.“

Bedenken hat Vargas in ganz anderer Hinsicht. „Unsere Hoffnung ist, dass wir Brasilianer über die WM und über Olympia 2016 hinaus etwas davon haben. Das ist wichtig.“ Ansonsten ist der leidenschaftliche Anhänger von Internacional Porto Alegre ganz entspannt. „Ich bin sehr sicher, dass wir 2014 ein guter Gastgeber sein werden. Und was unsere Mannschaft angeht: Ja, der Druck für Brasilien ist wirklich unfassbar hoch. Aber wissen Sie was? Die schaffen das!“

DIE REISE-INFOS ZU BRASILIEN

REISEZIEL Brasilien ist in Bezug auf die Fläche und die Einwohnerzahl das fünftgrößte Land der Erde: Auf rund 8,5 Millionen Quadratkilometern leben über 195 Millionen Menschen. Hauptstadt ist Brasilia, Rio de Janeiro ist mit rund 6,3 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes hinter São Paulo (rund 10,6 Millionen Einwohner).

ANREISE Lufthansa fliegt fünf Mal wöchentlich (Di., Do., Fr., Sa., So.) nonstop von Frankfurt nach Rio de Janeiro. Preis (Hin- und Rückflug) ab rund 975 Euro.

FUSSBALL-WM Die Endrunde zur 20. Fußball-Weltmeisterschaft 2014 wird vom 12. Juni bis zum 13. Juli in Brasilien stattfinden. Gespielt wird in zwölf Städten, das Eröffnungsspiel wird in São Paulo ausgetragen, das Finale findet in Rio de Janeiro statt.

OLYMPIA Die Olympischen Sommerspiele (Spiele der XXXI. Olympiade) finden vom 5. bis 21. August 2016 in Rio de Janeiro statt.

ANGEBOTE Derzeit gibt es noch keine Reiseangebote zur Fußball-WM. Voraussichtlich nach den Olympischen Sommerspielen 2012 wird es bei Dertour (im Reisebüro oder unter www.dertour-live.de) und beim Sportreisen-Spezialveranstalter Vietentours in Meerbusch (Tel. 02 11/17 70 00, www.vietentours.com) konkrete Angebote geben. Vietentours nimmt bereits unverbindliche Vormerkungen für WM-Reisen an.

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