Selfie mit Drachen

Komodo wird von Touristen überrannt

Touristen betrachten aus gebührender Entfernung einen Komodowaran. Foto: Christoph Sator/dpa
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Touristen betrachten aus gebührender Entfernung einen Komodowaran. Foto: Christoph Sator/dpa
Ein Komodowaran, auch Komododrache genannt, liegt träge im Schatten. Rund 1300 Komodo-Drachen gibt es auf der kleinen Insel noch. Foto: Christoph Sator/dpa
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Ein Komodowaran, auch Komododrache genannt, liegt träge im Schatten. Rund 1300 Komodo-Drachen gibt es auf der kleinen Insel noch. Foto: Christoph Sator/dpa
Ein Tourist nähert sich einem Komodowaran. Foto: Christoph Sator/dpa
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Ein Tourist nähert sich einem Komodowaran. Foto: Christoph Sator/dpa
Ein Tourist versucht, einen Komodowaran zu fotografieren. Foto: Christoph Sator/dpa
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Ein Tourist versucht, einen Komodowaran zu fotografieren. Foto: Christoph Sator/dpa
Chef-Ranger Johanes Rawi steht neben einem Drachen-Denkmal im Nationalpark von Komodo. Foto: Christoph Sator/dpa
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Chef-Ranger Johanes Rawi steht neben einem Drachen-Denkmal im Nationalpark von Komodo. Foto: Christoph Sator/dpa
Der Schnitzer Werli Suwandi zeigt einen seiner Holzdrachen, die er an Besucher der Insel verkauft. Foto: Christoph Sator/dpa
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Der Schnitzer Werli Suwandi zeigt einen seiner Holzdrachen, die er an Besucher der Insel verkauft. Foto: Christoph Sator/dpa

Die "Heimat der letzten Drachen der Welt" war ein Geheimtipp. Inzwischen gehen vor der Insel Komodo sogar Kreuzfahrtschiffe vor Anker. Indonesien will nun ein "Premium-Ziel" daraus machen. Die Einheimischen halten davon überhaupt nichts.

Komodo (dpa) - Die Touristen rücken immer näher. Aber der Drache hat die Ruhe weg. Faul und träge liegt er im Schatten, eine Kreatur aus längst vergangenen Zeiten von fast drei Metern Länge und gewiss einem Zentner Gewicht.

Als ihm die Handykameras zuviel werden, wackelt er kurz mit dem Schwanz. Schon sind die Touristen wieder auf Abstand. Soviel ist ein Selfie mit Drachen dann doch nicht wert. Doch so ist das nicht immer mit den knapp 1300 Komodo-Drachen oder -Waranen (wissenschaftlicher Name: Varanus komodoensis), die es auf der kleinen indonesischen Insel Komodo noch gibt.

Teilzeit-Kannibalen im Touristenstress

Die größten Echsen der Welt gehen nicht nur auf andere Tiere los und manchmal auf Menschen, sondern fressen sich sogar gegenseitig. Im Moment allerdings sind sie hier wahrscheinlich die friedlichsten Kreaturen.

Ansonsten herrscht im Nationalpark Komodo, zu dem noch mehrere andere Inseln gehören, große Aufregung. Zwischenzeitlich gab es bereits einen Beschluss der Provinzregierung, dass Komodo am 1. Januar für mindestens ein Jahr dicht gemacht wird. Begründung: Die gefährdeten Tiere müssten sich erholen. Erst nach langem Hin und Her mit der Zentralregierung in Jakarta wurde der Beschluss wieder gekippt.

Tourismus in Zeiten des Internets

Die "Heimat der letzten Drachen der Welt" soll nun allerdings deutlich teurer werden. Gouverneur Viktor Bungtilu Laiskodat brachte eine "Jahresgebühr" von 900 Euro ins Gespräch - auch für die große Mehrheit der Besucher, die die Drachen nur ein einziges Mal sehen will. Derzeit kostet das 5,50 bis 18 Euro, je nachdem, ob man Indonesier oder Ausländer ist. Hinzu kommt der Preis für die Anfahrt übers Meer. Selbst mit dem Schnellboot dauert das eine Stunde.

Trotz der Abgelegenheit gilt die Insel als schlimmes Beispiel für "Overtourism" ("Über-Tourismus"): die Plage, dass einzigartige Orte in Zeiten von Facebook und Instagram mit dem Ansturm von Gästen aus aller Welt überhaupt nicht mehr zurechtkommen.

Kaum Infrastruktur für den großen Ansturm

In Südostasien leiden mehrere ehemalige Geheimtipps darunter, dass sie nun jeder kennt. Die Philippinen-Insel Boracay - bejubelt als schönste Insel der Welt - musste ein halbes Jahr dicht gemacht werden, weil sie verkam. Die Maya Bay in Thailand, wo der Hollywood-Film "The Beach" gedreht wurde, ist seit 16 Monaten gesperrt. Kein Mensch weiß, wie lange die Erholungsphase noch dauert.

Vor Komodo gehen neuerdings sogar Kreuzfahrtschiffe vor Anker. "Dann sind auf einmal 800 Leute auf der Insel. So viele können wir niemals unter Kontrolle halten", sagt Chef-Ranger Johanes Rawi (54). Alles in allem kommen pro Jahr etwa 175.000 Besucher. Sie werden dann von Parkwächtern zu den Drachen geführt. Kaum jemand bleibt über Nacht. Außer einigen Gästehäusern gibt es keine Schlafmöglichkeiten. Versorgen können sich die Tages-Touristen im einzigen Café "Oase".

Das Klientel wechselt - auch auf einer Insel

Immer wieder gibt es Spekulationen, dass ein Luxus-Resort gebaut wird. Wohin sich das entwickeln könnte, sieht man in Labuan Bajo, dem touristischen Zentrum der Nachbarinsel Flores. Die Stadt hat sich mit Rucksack-Touristen entwickelt. Diesen Monat macht ein Fünf-Sterne-Hotel auf. Im gleichen Komplex gibt es nun amerikanischen Kaffee und Fast Food.

Die Deutsche Anke Winkler aus der Nähe von Böblingen betreibt mit ihrem Mann seit vielen Jahren eine Tauchschule. "Die Stadt hat sich sehr verändert. Jetzt sind Lifestyle-Touristen da, die Geld haben", sagt die 52-Jährige. "Und natürlich leidet die Natur, wenn mehr Leute kommen." Von der Debatte über die Schließung ist sie nur genervt. "Typisch Politik: mal so, mal so. Niemand weiß, was passieren wird."

Premium-Urlauber und begrenzter Eintritt

Im Moment sieht es so aus, als ob sich zum 1. Januar auf Komodo erst einmal gar nichts ändert. Den Einheimischen wäre das wohl das Liebste. Etwa 1700 Leute sind auf der Insel zuhause. Früher lebten alle im Dorf von der Fischerei. Heute ist es der Tourismus. Auf einem Markt werden handgeschnitzte Holzdrachen und T-Shirts verkauft.

Hier sind sie alle froh, dass die Insel geöffnet bleibt. Von den Plänen, Komodo exklusiv zu machen, halten die Souvenirhändler jedoch überhaupt nichts. "Dann kommt kaum noch jemand", sagt einer der Schnitzer, Werli Suwandi (20). "So viele Holzdrachen kann ein Einzelner gar nicht kaufen, dass sich das für mich noch lohnt."

Von den Behörden ist offiziell gar nichts mehr zu hören. Die Rede ist davon, dass künftig maximal 5000 "Premium-Urlauber" pro Monat auf Komodo dürfen. "Nicht-Premium-Urlauber" sollen nur noch auf die Nachbarinsel Rinca gelassen werden. Dort sind ebenfalls Warane zuhause, mehr als tausend Exemplare, auch sie furchterregend anzuschauen. Sie sind allerdings kleiner als das Original.

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