Nachtskifahren: Pistenspaß bei Flutlicht

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Wintersportler fahren unter Flutlicht im Sessellift in der Alpspitzbahn bei Nesselwang.

Vom PC auf die Piste - immer mehr können sich fürs Skifahren mit Kolegen oder Freunden After Work begeistern. Natuschützer und Jäger verfolgen jedoch die Nachtaktiven mit großer Skepsis.

Christian Schwanda und seine Tochter Patrice lieben das Skifahren. Deshalb setzen sich die beiden auch unter der Woche abends ins Auto und fahren mehr als 100 Kilometer weit, um in Nesselwang im Ostallgäu zwei bis drei Stunden bei Flutlicht über die Piste zu wedeln. “Das lohnt sich auf jeden Fall“, sagt Schwanda. “Durch die Autobahnanbindung ist man ja schnell hier.“ Etwa 20 Mal war er schon zum Nachtskifahren an der Alpspitzbahn in Nesselwang. “Es ist eine ganz besondere Stimmung, die hier am Abend herrscht. Man sieht nur die erleuchtete Piste, alles andere um einen herum ist stockdunkel. Das ist ein tolles Erlebnis.“

Flutlicht macht es möglich

Abendstunden im Schnee sind nicht nur im Allgäu ein Thema. Immer mehr Liftbetreiber in den bayerischen Wintersportregionen öffnen ihre Anlagen auch nach Einbruch der Dunkelheit für Skifahrer oder Rodler. “Das Angebot wird größer, weil die Nachfrage steigt“, sagt Angelika Nuscheler vom Tourismusverband München-Oberbayern. Der Verband begrüßt diese Entwicklung. Nachtskifahren sei nicht nur für Gäste ein Zusatzangebot, sondern auch für Einheimische. “Es wird gerne von Leuten genutzt, die am Wochenende keine Zeit haben oder mit der Familie etwas anderes unternehmen wollen.“

Mit der Stirnlampe auf die Piste

Bereits seit sechs Jahren bietet das Skigebiet im Allgäu die Möglichkeit zum Nachtskifahren.

Im Allgäu hat sich bereits eine eigene Szene nachtaktiver Sportler entwickelt. “Viele treffen sich am Abend mit Freunden oder Kollegen, um auf der Piste ein paar Schwünge zu machen und anschließend in einer Hütte einzukehren“, sagt Jörg Müller-Loennies, Projektleiter für Wintermarketing bei der Allgäu GmbH in Kempten. Unter den Nachtskifahrern seien auch viele Mitglieder einheimischer Skivereine, die die Abendstunden für zusätzliche Trainingseinheiten nutzen. Mindestens ein Dutzend Flutlicht-Pisten gibt es inzwischen im Allgäu. Und auch einige Rodelbahnen und Loipen werden abends beleuchtet.

Ein noch stärkerer Trend sind laut Müller-Loennies nächtliche Skitouren. Wintersportler ziehen nach Feierabend Felle auf die Skier und steigen im Schein ihrer Stirnlampen am Rand einer Piste zu einer bewirtschafteten Berghütte auf. “Es ist unglaublich, was da an manchen Abenden los ist. In den Hütten kommen bis zu 100 Leute zusammen.“ Einige Liftbetreiber stellen ihre Pisten auch mal exklusiv Skibergsteigern zur Verfügung. Aus Sicherheitsgründen wird das Präparieren der Pisten dann verschoben.

Ist ein Flutlicht-Funpark ökologisch?

Während sich Einheimische und Gäste über das nächtliche Freiluftprogramm in den Wintersportregionen freuen, verfolgen Naturschützer und Jäger diese Entwicklung mit wachsender Skepsis. Sie sorgen sich vor allem um das Wild, das in den Wintermonaten dringend Ruhe brauche und nicht gestört werden dürfe.

Auch der Deutsche Alpenverein befürchtet durch die verlängerten Nutzungszeiten auf den Pisten negative Auswirkungen insbesondere auf nachtaktive Tierarten. “Weite Bereiche im Umfeld beleuchteter Pisten sind durch die Scheinwerfer betroffen, deren Licht auf der weißen Schneeoberfläche stark reflektiert wird“, sagt Steffen Reich vom DAV-Ressort Natur und Umweltschutz. Der Bau von Flutlichtanlagen stelle zudem einen massiven Eingriff in Natur und Landschaft dar. Beleuchtete Skipisten sollten nach Auffassung des DAV kleinräumig begrenzt sein. “Für einen Neubau sind strenge ökologische Maßstäbe anzulegen, und hochalpine Regionen müssen tabu bleiben.“

Die Alpspitzbahn in Nesselwang bietet Skifahrern und Snowboardern schon seit sechs Jahren die Möglichkeit zum Nachtskifahren. “Das Interesse war von Anfang an groß und ist stets gewachsen. Vor allem seit dem letzten Winter, seit wir auch einen Flutlicht-Funpark anbieten, erleben wir einen massiven Zulauf“, sagt Geschäftsführer Ralf Speck. Jeden Abend nimmt die Bergbahn ab 18.00 Uhr nochmals für drei Stunden den Betrieb auf. In der Zeit zwischen Tages- und Abendbetrieb werden die beleuchteten Pisten neu präpariert.

Wie Speck sagt, wird das Angebot jeden Abend von mehreren hundert Wintersportlern genutzt. “Sogar aus Ulm, Augsburg und Stuttgart fahren die Leute zum Nachtskifahren ins Allgäu. An manchen Abenden kommen die Gäste mit mehreren Bussen hier an.“ Wilhelm Botzenhardt hat sich mit einem Kollegen von Neu-Ulm aus auf den Weg gemacht. Es ist das zweite Mal, dass er bei Flutlicht Ski fährt. Etwas anders als tagsüber sei es doch: “Man fährt etwas vorsichtiger, weil die Sicht zwar nicht schlechter aber doch anders ist.“

dpa

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