Das rollende Museum: Kuba

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Das kommunistische Kuba hat erstmals seit über 50 Jahren wieder den Handel mit Autos erlaubt.

Noch tuckern alte, breite Straßenkreuzer in Kuba über Kopfsteinpflaster und Highways. Der Neuwagenhandel ist zwar mittlerweile erlaubt, doch Oldtimer gibt es noch genug.

Betagte Konkurrenz - andere Verkehrsmittel als Fahrräder oder uralte Autos sind auf Kubas Straßen selten.

Auf Kubas Straßen hat sich seit über einem halben Jahrhundert nichts verändert. Mit den Chevys und Dodges, gebaut vor 1959, kann jeder fahren - es sind die gängigen Taxis auf der Karibikinsel.
Das alte Blech scheppert, als der Motor startet. Der Auspuff hustet eine blaue Dunstwolke aus, der Cheyenne, Baujahr 1957, mit Taxifahrer Jorge und den zwei Fahrgästen rumpelt los. Das Vibrieren der Maschine grabbelt wie eine Massage die Fußsohlen entlang.
Die Fahrt in einem Oldtimertaxi durch Havanna ist eine ruppige Sache. Durch die geöffneten Fenster dringt der Duft der Stadt herein: Benzin und Abgase, welche die Chevrolets, Cheyennes, Cadillacs und Dodges ausstoßen. Bis vor kurzem waren die meisten Autos und Taxen auf Kuba mindestens 20 Jahre alt - entweder kantige Ladas, ausrangiert in der Sowjetunion und wiederbelebt auf der Insel, oder vorrevolutionäre US-Straßenkreuzer. Doch nachdem der Handel mit Neuwagen gut ein halbes Jahrhundert verboten waren, ist er seit September 2011 wieder erlaubt.

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Das Straßenbild verändert sich dadurch. Hier und da sieht man schon französische und spanische Importe. Doch noch immer dominieren die 50 Jahre alten Straßenkreuzer das Stadtbild - sie sind die Alltagsvehikel der Kubaner und die Taxen mit dem besonderem Flair. Man kann sie am Straßenrand anhalten oder sich etwa am Capitolio in Havanna, dem Parlamentsgebäude, das hübscheste aus der langen Reihe wartender Karossen auswählen. Für wenig Geld chauffieren die Fahrer Urlauber durch die Stadt - Ausführungen in Englisch inklusive.

Oldtimer-Taxis findet man in Havanna am einfachsten auf Parkplätzen und den Mittelstreifen an der Straße Paseo de Marti (genannt Prado), zwischen Parque Central und dem Capitolio. -

In Santiago de Cuba warten am Parque Céspedes Oldtimertaxis auf Fahrgäste. Die Hin- und Rückfahrt zum nächstgelegenen Strand, der Playa Siboney, kostet zusammen rund 20 Pesos Convertibles (CUC), umgerechnet rund 15 Euro. -

Touristeninformationen raten, nicht mehr als 10 CUC pro Stunde für eine Fahrt zu bezahlen. In der Regel liegt der Grundpreis bei 1 CUC für zwei Kilometer, jeder weitere Kilometer kostet 0,65 bis 0,85 CUC. Sammeltaxis, oft Lastwagen, sind günstiger, dürfen Touristen aber in der Regel nicht mitnehmen.

Der Wind, also die Abgase, wehen durch die offenen Fenster. Der Wagen schiebt sich zunächst dicht an dicht durch die Straßenkolonne in der Innenstadt. Es wird gehupt und laut aus den offenen Fenstern gerufen. Es geht vorbei am grauen Bunker des Hotel Nacional, an der leeren Plaza de la Revolución und am lebhaften Parque Central, an Armut und Fröhlichkeit auf den Straßen. Jorge hält immer wieder an, übernimmt die Kameras der Touristen und knipst sie vor Häusern, Statuen, großen Bäumen und der John-Lennon-Statue.

Außen sind die Oldtimer auf Hochglanz poliert, ihr Inneres jagt ängstlichen Mitteleuropäern einen Schrecken ein. Alle wurden vor der Revolution von 1959 gebaut. Gute Pflege macht den Mangel an Ersatzteilen in dem sozialistischen Land nach vielen Jahren US-Embargo nicht wett. Es fehlen Fensterkurbeln, Löcher klaffen in der Verkleidung, Kabel ragen störrisch aus dem Armaturenbrett. Die Sitze sind geflickt, bei Jorge funktioniert die Geschwindigkeitsanzeige nicht. Aber der Gast sitzt bequem, er fläzt auf der breiten Rückbank und betrachtet entspannt das vorbeiziehende Havanna. Umgerechnet 10 Euro kostet die einstündige Tour, für 30 Euro wird man im Cabrio herumchauffiert. Aber handeln kann man immer.

Das Nummernschild eines Autos in Havanna, Kuba

Billiger ist das streckenweise Taxifahren: In Santiago de Cuba lohnt sich der Weg zum nächstgelegenen Strand, der Playa Siboney. Gut 30 Minuten lang rattert der Straßenkreuzer raus aus der Stadt, vorbei an Bananenplantagen und Bauernhäusern. „Jeder Fahrer holt die Touristen hier zuverlässig zur vereinbarten Stunde wieder ab“, verspricht Fahrer Gadiel - und hält Wort. Bezahlt werden will er - „Ehrensache“ - erst nach der Rückkehr in die Stadt.

In Kuba fährt man selten alleine Taxi: Plötzlich lenkt Gadiel seine Limousine an den Straßenrand, und Mariza springt herein. „Hola!“, Küsschen auf die Wange, auch für die verdutzten Touristen. Gleich wird man in die Unterhaltung hineingezogen: Marizas Nachbarin ist gestorben, die Nichte heiratet, und am Wochenende ist Party bei so und so.

Alte Kameraden - durch die sozialistische Masngelwirtschaft haben Autos in Kuba eine höhere Lebenserwartung als anderswo.

Ähnlich geht es in den Sammeltaxis für Einheimische zu. Keiner kennt sich, aber alle reden durcheinander, während das Fahrzeug, oft ein alter Lastwagen, eine feste Strecke abfährt. Die Fahrer rufen oft „no tourista“ - doch wenn kein Polizist zuschaut, und man etwas mehr zahlt als die Kubaner, ist man an Bord. Der Motor ächzt, der Bus rollt an, viva Cuba!

Von Simone Andrea Mayer, dpa

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