Unruhen in Istanbul und Ankara

Türkei: Entwarnung für die Badeorte

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Die Reiseveranstalter sehen keine Gefahr für deutsche Touristen in den türkischen Badeorten. Sicherheitshalber sollten Urlauber Menschenansammlungen in den Großstädte Istanbul und Ankara meide, rät das Auswärtige Amt.

Die Türkei, eines der wichtigsten Urlaubsländer am Mittelmeer, macht derzeit äußerst negative Schlagzeilen: Mit Tränengas, Wasserwerfern und gepanzerten Geländewagen geht die Polizei...

in Istanbul fast täglich gegen Demonstranten vor. Wir fragten bei Tourismusexperten nach, wo und wie stark Urlauber von den Unruhen betroffen sind:

„Die Proteste in der Türkei bekommen Urlauber derzeit nur in der Großstadt zu spüren“, versichert Sibylle Zeuch vom deutschen Reiseverband DRV. In den Badeorten, etwa an der türkischen Riviera, wo sich im Moment die meisten Touristen aufhalten, sei es nach wie vor ruhig.

Auch für Istanbul gebe es keine Einschränkungen, sagt Kathrin Rüter-Pantzke vom Türkei- Spezialisten Öger Tours. „Wir bieten Istanbul wie gewohnt an.“ Allerdings sei es jetzt im Juni schon relativ warm dort und demzufolge eher wenig los im Städtereisengeschäft. Besorgte Nachfragen von Kunden, die für die nächsten Tage eine Reise in die Türkei planen, habe es bisher nur wenige gegeben.

Die TUI musste inzwischen eine Rundreise und einen Ausflug ihres Türkei-Programms geringfügig umplanen. In beiden Fällen hätten Touristen den Taksim-Platz passiert, der Zentrum der Proteste und Demonstrationen in Istanbul ist. Man hätte sicherheitshalber eine leicht geänderte Route gewählt, sagt eine Mitarbeiterin. Auch in den TUI-Reisebüros gehen bisher nur wenige Nachfragen besorgter Kunden ein. „Das Gros der Gäste macht Urlaub an der Türkischen Riviera und an der Ägäis.“ Dort sei die Lage überall ruhig. Auch Gäste von Thomas Cook/Neckermann bekämen von den Protesten kaum etwas zu spüren. „In den Zielgebieten kriegen die Gäste davon gar nichts mit. Da ziehen keine Demos durch die Straßen“, sagt Sprecherin Nina Kreke. Dass es in den Badeorten keine Auswirkungen gibt, bestätigten dem Veranstalter auch Reiseleiter, die sich vor Ort um die Gäste kümmern.

 Auch der Türkeiforscher Yasar Aydin von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin schätzt die Lage in den Badeorten als unbedenklich ein: „Da finden keine Ausschreitungen statt, da besteht keine Gefahr.“ Und selbst Städtereisende, die sich etwa die Altstadt in Istanbul ansehen, müssen laut Aydin keine Angst haben. Aber sie sollten vorsichtig sein. „Die Stadtteile, in denen Proteste stattfinden, sollten sie meiden, vor allem mit Kindern.“ Hauptaustragungsort der Proteste ist die Gegend um den Taksim-Platz und den Gezi-Park in der Istanbuler Innenstadt, wo es seit mehr als zwei Wochen zu gewaltsamen Zusammenstößen kommt, bei denen bereits mehrere Menschen starben. Natürlich sei die Gegend um den Taksim-Platz für Touristen interessant, sagt Aydin. „Um den Platz sind viele Cafés, Bars und Restaurants.“ Aber wer sich jetzt dort aufhalte, gerate möglicherweise zwischen die Fronten, warnt der Wissenschaftler. Proteste gebe es zwar fast im gesamten Land, „aber es ist nicht so, dass da jetzt der Bürgerkrieg ausgebrochen ist“, beruhigt Aydin.

Das Auswärtige Amt in Berlin verschärfte zuletzt seine Sicherheitshinweise für Türkeireisende. Sie sollten sich von Demonstrationen und Menschenansammlungen fernhalten und sich besonders umsichtig verhalten. Die Behörde weist darauf hin, dass es neben Istanbul vor allem in Ankara zu Gewalt und Festnahmen kommt und dass die Polizei Tränengas und Wasserwerfer einsetzt.

„Unsere Gäste bleiben sehr gelassen“

Öger-Sprecherin Kathrin Rüter- Pantzke.

Istanbul gehört zu den beliebtesten Zielen bei Städtereisen. Die pulsierende Metropole am Bosporus mit geschätzten 15 Millionen Einwohnern und ständigem Verkehrschaos vereint Einflüsse aus Asien und aus Europa, sie steht für die traditionelle Türkei und ist eine moderne City. Im Interview erläutert Kathrin Rüter-Pantzke, Pressesprecherin von Öger Tours, die aktuelle Situation für Touristen.

Wie viele Gäste hat Öger Tours derzeit in Istanbul?

Kathrin Rüter-Pantzke: Zurzeit machen dort nicht ganz so viele GästeUrlaubwiesonst. Da im Sommer ab Juni die Temperaturen in Istanbul schon recht hoch sein können, ist momentan keine Hauptsaison für Städtereisen.

Gibt es Änderungen bei den Unterkünften, indenenIhre Gäste untergebracht sind, oder beim Programmablauf?

In der Istanbuler Altstadt, wo sich die wichtigsten Sehenswürdigkeiten wie die Hagia Sophia, die Blaue Moschee oder die Unterirdische Zisterne befinden, ist es ruhig. Entsprechend bieten wir Ausflüge zu den klassischen Sehenswürdigkeiten derzeit wie gewohnt an. Die Protestbewegung konzentriert sich auf den Taksim-Platz. Hier ist es ratsam, das ist auch die Empfehlung des Auswärtigen Amtes, sich von Menschenansammlungen fernzuhalten. Ausflüge, die ursprünglich über den Taksim-Platz führten, lassen wir umrouten. Aber ansonsten bieten wir Istanbul wie gewohnt an.

Wie reagieren Urlauber? Gab es besorgte Anfragen oder sogar Stornierungswünsche?

Unsere Gäste reagieren sehr gelassen. Bislang verzeichnen wir nur vereinzelt Anfragen bezüglich der Situation vor Ort. Stornierungswünsche haben uns aktuellnochnichterreicht.

Interview: V. Pfau

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