Und gewann Preis

Architekt baut nur halbe Häuser - aus traurigem Grund

Ein seltsamer Anblick: Häuser reihen sich ganz nah beieinander, doch ein Detail fällt auf - sie sind nur zur Hälfte ausgebaut. Dahinter steckt ein trauriger Grund.

Für die halben Häuser ist der chilenische Architekt Alejandro Aravena verantwortlich. Für sein Projekt wurde er mit dem weltweit renommierten Pritzker-Preis für Architektur ausgezeichnet. Doch was steckt dahinter?

Halbe Häuser: Architekt will Bewohnern bessere Perspektive bieten

Es begann 2010 mit einem Tsunami, der die chilenische Stadt Constitución im Stadtkern und am Uferbereich extrem zerstörte. 3.000 Familien wurden obdachlos - 500 davon haben mittlerweile ein neues Zuhause in der Siedlung Villa Verda gefunden, die von der Firma des Architekten erbaut wurde.

Darin werden die Häuser in Hufeisenform entlang der Straße geordnet und nur halb ausgebaut. Im Gespräch mit dem News-Portal Zeit erklärt Aravena die Hintergründe: "Die Städte in Lateinamerika, in Afrika und Asien wachsen schnell, der Wohnraum ist knapp, und das Geld für sozialen Wohnungsbau reicht hinten und vorne nicht."

Begrenztes Budget bei sozialem Wohnungsbau in Chile

In Chile ist nämlich klar geregelt, dass ein Haus im sozialen Wohnungsbau nicht mehr als 30.000 Dollar kosten darf. Das reicht in der Regel für 40 Quadratmeter - viel zu wenig für die vielen Großfamilien in Chile, die sich ein Haus teilen müssen. Deshalb bauen viele ihre Häuser in die Höhe, was jedoch Probleme mit sich bringt: "Weil sie aber keine Spezialisten sind, beschädigen sie dabei tragende Pfeiler, durchstoßen das Dach oder reißen Brandschutzmauern ein", berichtet Aravena.

Auch interessant: Dieses Haus kommt aus dem Drucker - und ist für Obdachlose gedacht.

Mit einem halben Haus lässt er den Familien also die Möglichkeit ihr Eigenheim auf sichere Weise zu vergrößern. Eines davon kostet 23.000 Dollar und ist in neuen Monaten fertig. Das heißt, sie sind sogar günstiger als herkömmliche Sozialbauten. Wer Maurer und Schreiner in der Verwandtschaft hat, spart sich zudem Kosten beim Ausbau der weiteren Zimmer. "Wir hatten ja das Material aus der Notunterkunft, vor allem Holz, das wir verwenden konnten", berichtet eine Anwohnerin laut der Zeit.

Diejenigen Familien, die von dem Angebot Gebrauch machen, bauen in ihre zweite Haushälfte auch gerne kleine Tante-Emma-Läden ein, mit denen sie die Haushaltskasse erhöhen.

Da die Häuser durch ihre Grundfläche zur Mittelschicht gehören, lassen sie sich außerdem auf dem Wohnungsmarkt gut weiterverkaufen - allerdings erst nach zehn Jahren. Sie bieten sich also auch als Geldanlage an.

Lesen Sie außerdem, wie eine obdachlose Mutter mit eigenen Händen ein Haus baut - für 9.000 Euro.

Von Franziska Kaindl

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Rubriklistenbild: © Instagram/thenewobjective

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