Ernährung

Verbraucherzentrale rät von Borretsch ab

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Ein Teller "Frankfurter Grüne Soße": Eine Zutat ist Borretsch. Das Küchenkraut sollte besser durch andere Kräuter ersetzt werden.

Frankfurt/Main - Auch die Natur produziert gefährliche Stoffe - in Tees und Kräutern können sie enthalten sein. Nach Erkenntnissen von Verbraucherschützern ist auch Borretsch betroffen.

Man sollte auf das Kraut verzichten, meinen sie.

Borretsch, als Küchenkraut beispielsweise Zutat für die Frankfurter Grüne Soße, sollte nach der Empfehlung der Verbraucherzentrale Hessen durch andere Kräuter ersetzt werden. Blätter und Blüten enthielten bedenkliche Mengen Pyrrolizidinalkaloide (PA), teilte die Zentrale am Dienstag (17. Juni) in Frankfurt mit. Diese natürlichen Pflanzenabwehrstoffe gelten nach Darstellung der Verbraucherschützer als leberschädigend und stünden im Verdacht, krebsauslösende Wirkung zu haben. Einen Grenzwert gibt es nicht, nur Empfehlungen.

Rund 6000 Pflanzenarten enthalten Pyrrolizidinalkaloide. Die Stoffe finden sich unter anderem als

Verunreinigung in Tees, wie eine Untersuchung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) ergab.

"Borretsch bildet den Untersuchungen der Technischen Universität Braunschweig zufolge immer relativ große Mengen dieser Pflanzengiftstoffe", sagte Andrea Schauff, Lebensmittelexpertin der Verbraucherzentrale. Wer das Risiko vermeiden wolle, sollte vorsorglich auf das Küchenkraut verzichten und es durch unbedenkliche Kräuter wie Dill oder Zitronenmelisse ersetzen. Diese Empfehlung gelte vor allem für Kinder, Stillende und Schwangere.

Steffen Gerlach würde selbst nicht auf Borretsch verzichten. Er ist Geschäftsführer des

Riedhofs im Frankfurter Norden, der die Kräuter für die Grüne Soße produziert. In das Traditionsgericht gehöre Borretsch ebenso wie Kerbel, Kresse, Sauerampfer, Schnittlauch, Petersilie und Pimpinelle, sagte Gerlach. Dill und Zitronenmelisse eigneten sich auf keinen Fall. "Aber grundsätzlich soll jeder für sich entscheiden", meint Gerlach.

Auch Torsten Müller vom Frankfurter Grüne Soße-Festival, das seit sieben Jahren das Traditionsgericht feiert, kann sich nicht vorstellen, dass kleine Mengen Borretsch gefährlich sind. Grüne Soße werde nicht täglich und nie in großen Mengen gegessen. Was aus dem überlieferten Rezept werde, "das wird der Markt entscheiden."

Ein 60 Kilogramm schwerer Erwachsener solle nach Empfehlung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) nicht mehr als 0,42 Mikrogramm Pyrrolizidinalkaloide pro Tag aufnehmen, teilte die Verbraucherzentrale mit. Mit einer Portion Grüner Soße (etwa 50 Gramm Kräuter, davon 7 Gramm Borretsch) könne diese als unbedenklich geltende Aufnahmemenge um fast das Fünffache überschritten werden, bei einem Kleinkind um mehr als das 13-fache.

Die hessische Verbraucherzentrale fordert einen gesetzlichen Grenzwert für den Gehalt an PA und regelmäßige Kontrollen der PA-Gehalte in Lebensmitteln.

dpa

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