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Wissen Sie, wie viel Schnee Ihr Dach trägt?

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Schnee auf dem Dach
Auch dort, wo nicht regelmäßig viel Schnee fällt, kann sich in manchen Jahren durch einen Schneesturm eine dicke Schneeschicht auf einem Dach auftürmen. © Florian Schuh/dpa-tmn

Nicht in jedem Jahr türmen sich hohe Schneedecken auf den Hausdächern. Aber auch schon viel weniger davon kann zum Problem werden: Etwa wenn schweres Eis auf dem Dach die Standsicherheit gefährdet.

München - In höher gelegenen Orten ist man auf Schnee vorbereitet. Dort werden die Dächer so gebaut, dass sie meterdicke weiße Decken aushalten. Aber wie ist das andernorts, wo man oft nur ein paar Flocken abbekommt?

Auch dort, wo nicht regelmäßig viel Schnee fällt, könne sich in manchen Jahren durch einen Schneesturm eine dicke Schneeschicht auf einem Dach auftürmen, sagt Markus Hennecke, Vorstand der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. „Das ist nicht nur etwas, was in irgendwelchen Büchern steht.“

Daher sollten Hausbesitzer die Information, wie viel Schnee ein Hausdach tragen kann, kennen. Sie findet sich in dessen Nachweis zur Standsicherheit als Teil der Unterlagen, die Hausbesitzer von einem Bauunternehmen oder vom Verkäufer des Gebäudes erhalten. Wer diese Unterlagen nicht hat, sollte sich an das örtliche Bauamt wenden, Mieter von Häusern an ihre Vermieter.

Deutschland hat drei Schneelastzonen

Einen Hinweis auf die Traglast geben auch die Schneelastzonen, in die Deutschland eingeteilt ist. Grundsätzlich lässt sich sagen: Je höher der Standort eines Gebäudes liegt, umso mehr schneit es normalerweise im Winter in der Region. Und umso höher sind die vorgeschriebenen Grenzwerte für die Schneelast.

Aber überraschenderweise haben auch die Küstenregionen Mecklenburg-Vorpommerns den höchsten Gefährdungsgrad Zone 3. Ein Großteil des flachen Norddeutschlands liegt in der zweithöchsten Zone 2a, während einige Regionen Bayerns in Zone 1 liegen. Das liegt daran, dass es in der Vergangenheit im Norddeutschen Tiefland besonders schlimme Winterwitterungen gab und solche seltenen Fälle berücksichtigt werden müssen.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) gibt online einen groben Deutschland-Überblick, die Schneelastzonen der einzelnen Landkreise kann man über die Seite des Deutschen Instituts für Bautechnik recherchieren.

Im konkreten Fall sind beide Informationen jedoch nur bedingt etwas wert, denn man muss auch das Gewicht des Schnees kennen. Dieses lässt sich aber nicht einfach anhand der Schneehöhe bestimmen, es ist auch abhängig von der Schneeart.

Eis wiegt bis zu 100 Kilo pro Quadratmeter

„Bei frisch gefallenem, lockerem Schnee können bis zu zehn Kilogramm auf den Quadratmeter zusammenkommen“, erläutert Markus Hennecke. „Nasser Pappschnee wiegt gut viermal mehr, Eis sogar zehnmal mehr - bis 100 Kilogramm pro Quadratmeter Fläche.“

Knifflig wird es, wenn Schneedecken immer wieder Tauwetter und Frost ausgesetzt waren. Dann schichten sich mitunter schwere Eis- und lockere Schneedecken übereinander. Deren Gewicht lässt sich nur schwer einschätzen.

„Ein Problem für die Standsicherheit kann aber auch Tauwasser werden, dass sich wegen verstopfter Rohre auf dem Flachdach aufstaut“, ergänzt Hennecke. Im Zweifel sollten Fachleute einschätzen, ob zu viel Schnee auf dem Dach liegt.

Hausbesitzer können das Gewicht aber zumindest grob bestimmen: „Stechen Sie auf einer Fläche von zehn mal zehn Zentimetern den Schnee von Ihrem Dach und füllen ihn in ein Gefäß“, erklärt Hennecke. Danach wird das Gefäß mit dem Schnee gewogen und das Leergewicht des Gefäßes von dem Gewicht abgezogen. „Das reine Schneegewicht multiplizieren Sie mit 100, um auf die Kilogramm pro Quadratmeter zu kommen.“

Räumung übernehmen Fachfirmen

Wer nicht ohne Gefahr eine Schneeprobe vom Dach entnehmen kann, sollte auf Schnee vom Boden in der Nähe des Hauses zurückgreifen. „Wichtig ist nur, dass man an einer unberührten und ebenen Stelle, zum Beispiel auf Pflastersteinen, den Schnee aussticht“, sagt Hennecke.

Laien sollten grundsätzlich nicht riskieren, das verschneite Dach selbst zu betreten. Notfalls müssen Hausbesitzer eine Fachfirma, etwa einen Dachdecker, mit der Räumung beauftragen. Bei akuter Gefahr kann man die Feuerwehr oder das THW rufen. dpa

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