Multiple Sklerose: Nervenkrankheit zeigt sich mit vielen verschiedenen Symptomen

MS hat 1000 Gesichter

Fachärzte vor der Röhre: Prof. Dr. Frank-L. Welter (links) und Dr. Lutz Gerlach vor dem modernen Hochfeld-Magnet-Resonanz-Tomographen (MRT), mit dem man Veränderungen im Nervengewebe durch Multiple Sklerose bildlich darstellen kann. Foto: Mangold

Bad Zwesten. „Multiple Sklerose ist eine Erkrankung mit tausend Gesichtern“, sagt Prof. Dr. Welter, ärztlicher Direktor des Neurologischen Zentrums Bad Zwesten. Er beschäftigt sich als Facharzt für Neurologie seit 36 Jahren intensiv mit der zerstörerischen Krankheit des Zentralen Nervensystems.

Trotz moderner Untersuchungsmethoden wie der Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT), die eine Diagnosestellung bei Multipler Sklerose (MS) deutlich erleichtert, sei es nach wie vor nötig, den Patienten gründlich zu untersuchen und genau nach seiner Vorgeschichte zu fragen. Nur so könne man der Krankheit auf die Spur kommen.

Denn manchmal werde ein erster MS-Schub nicht erkannt und liege viele Jahre zurück, bevor weitere Beschwerden hinzukämen. Klassisches Symptom sei die Entzündung des Sehnervs: Der Patient habe das Gefühl, einen Vorhang vor dem Auge zu haben und nichts sehen zu können. Eine Untersuchung beim Augenarzt ergebe aber keinen Befund am Auge.

Multiple Sklerose sei eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem fehlgeleitet sei und die körpereigenen Nervenzellen bekämpfe, erklärt Dr. Lutz Gerlach, Leiter der Neurologischen Akutklinik. Es kommt zu Entzündungen, Vernarbungen und Zerfall der Nervenzellen in Gehirn und Rückenmark mit unterschiedlichen Symptomen wie Lähmungen, Krämpfe, Zittern, Missempfindungen wie Kribbeln oder Wattegefühl, Gleichgewichtsstörungen und Blasenfunktionsstörungen.

Die Ursachen der häufig schubweise verlaufenden Krankheit sind nicht bekannt. Vermutet werden, unter anderem, Umweltfaktoren und genetische Ursachen. Familienmitglieder von MS-Erkrankten haben ein deutlich erhöhtes Erkrankungsrisiko.

Am häufigsten tritt die Krankheit in Europa und Nordamerika auf, Frauen sind doppelt so oft betroffen wie Männer. Das Durchschnittsalter der meisten Erkrankten liegt zwischen 25 bis 35 Jahren, aber auch Jugendliche sind manchmal betroffen. Außerdem scheinen Infektionen, beispielsweise mit dem Eppstein-Barr-Virus, eine Rolle zu spielen.

„Kein Heilmittel“

„Es gibt kein Heilmittel gegen MS“, sagte Prof. Welter. Aber man könne mit Medikamenten den Verlauf beeinflussen, das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen. Starke Schübe werden mit Cortison behandelt. Wenn das nicht ausreicht, kann eine Blutwäsche helfen.

Gut möglich sei aber eine Behandlung der Begleitphänomene, die das Leben erschweren, wie Spastiken und Blasenstörung, beispielsweise mit Krankengymnastik und Ergotherapie, erläuterte Dr. Gerlach.

An Multipler Sklerose erkrankt zu sein, bedeute schon lange nicht mehr zwingend ein Leben im Rollstuhl. Nur etwa fünf Prozent der Fälle verliefen bösartig mit schweren Behinderungen in wenigen Jahren. 30 bis 40 Prozent der Kranken hätten im Durchschnitt nach 20 Jahren Krankheitsdauer eine Gehbehinderung und brauchten beispielsweise einen Stock als Gehhilfe. Für die Beeinträchtigung der Arbeitsleistung eines MS-Patienten sei der häufigste Grund vielmehr eine verminderte Ausdauer der Konzentrationsfähigkeit, eines der vielen Symptome der Krankheit. Die schnellere Ermüdung bei alltäglichen Tätigkeiten auch am Arbeitsplatz bedinge sehr viel öfter eine Erwerbsunfähigkeit als beispielsweise ein Funktionsverlust an den Extremitäten. • Spezialsprechstunde: Eine erste Anlaufstelle bei Verdacht auf MS ist die Spezialsprechstunde der Neurologischen Ambulanz in Bad Zwesten für Patienten mit ärztlicher Überweisung. ARTIKEL UNTEN

Von Bettina Mangold

Quelle: HNA

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