Fundort von Werkzeugen 

Zum Jubiläumsjahr: Erinnerungen an Oberaula als Brennpunkt der Steinzeit

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Das Birket: So heißt der Fundort, an dem vor 500 000 Jahren die ersten Jäger sogenannten Süßwasserquarzit entdeckten. Der Bereich liegt zwischen Oberaula und Hausen, etwa auf Höhe des Höny-Hofes. 

Oberaula. Zwölf Monate, zwölf historische Themen – unter diesem Motto steht in Oberaula das Jubiläumsjahr zur 1150-Jahrfeier.

Beginnend mit der frühgeschichtlichen Besiedlung des Ortes beleuchtet der Verein Ovilah Historia um Vorsitzenden Klaus Baschnagel Facetten der Entwicklung Oberaulas – unter anderem geht es um den Nöll und seinen Basalt, das Feuerlöschwesen, die Marktgerechtigkeit und die Gebietsreform. Dabei kann Oberaula ein echtes Alleinstellungsmerkmal für sich beanspruchen: Der Fundplatz Birket zwischen Hausen und Oberaula ist nach Expertenmeinung mit Abstand der älteste Fundort von Gestein für die Herstellung von Werkzeugen in Nordhessen gewesen. "Darüber hinaus einer der ältesten im nördlichen Europa", erklärt Baschnagel. Zusammen mit den Steinzeitfreunden Hausen, Heinz Herget, Harald Heynmöller und der Chronik hat der Oberaulaer diese besondere Episode nochmals aufgearbeitet.

Das Birket sei für die Region und darüber hinaus ein Dreh- und Angelpunkt, eine bedeutende Anlaufstation für die Großwild jagenden Jäger und Sammler gewesen. Vor etwa 500 000 Jahren stießen sie dort auf Süßwasserquarzit.

Zu verdanken hat man dieses Wissen dem Lehrer und Laienarchäologen Dr. Adolf Luttrop. Er entdeckte 1940 die Fundplätze Hausen (Birket), Ziegenhain (Reutersruh) und Lenderscheid (Vossberg). Es wurden zahlreiche Quarzit-Artefakte geborgen und ins Landesmuseum nach Kassel gebracht. Einige sind auch im Museum der Schwalm ausgestellt.

Die Mehrzahl der Funde stammen aus der mittleren und älteren Steinzeit. In dem Zeitraum des Übergangs von der Stein- zur Bronzezeit haben in Oberaula möglicherweise Ackerbauern und Nomaden nebeneinander gelebt. "Aus dieser Epoche soll der sogenannte Fischschwanzdolch aus Olberode stammen – ein Feuerstein nordischen Ursprungs mit kunstvoll retuschierten Seiten", erläutert Klaus Baschnagel. Gefunden wurde der Dolch im Jahre 1957 von dem Straßenwärter Justus Fröhlich aus Olberode. Hügelgräber aus der Bronzezeit sind Zeugen der Ansiedlungen. Die damals verehrten Götter haben bis heute ihre Spuren in Oberaula hinterlassen: Die Straße nach Salzberg beispielsweise trägt die Flurbezeichnung Donnerkaute – und erinnert an die germanische Gottheit Thor oder Donar. Erstmals urkundlich erwähnt ist Oberaula 868. Nachzulesen ist die Frühgeschichte in einer Broschüre, die in Oberaulaer Geschäften erhältlich ist. 500 Stück hat der Verein Ovilah Historia drucken lassen, das Heft kostet einen Euro. 

Eröffnet wird das Jubiläumsjahr mit dem ersten historischen Thema zur frühgeschichtlichen Besiedelung bis zum Jahre 868 am Freitag, 19. Januar, 19.30 Uhr, im Flair-Hotel „Zum Stern“ in Oberaula. An den Vortrag schließt sich am Samstag, 20. Januar, die Eröffnung einer Bilderausstellung mit historischen Fotos an. Beginn ist um 14 Uhr im ehemaligen Brauhaus, Brauhausgasse 8. Die Schau ist im kompletten Jubiläumsjahr immer samstags und sonntags jeweils von 14 bis 17 Uhr sowie Dienstag und Donnerstag von 16 bis 19 Uhr zu sehen.

Quelle: HNA

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