120 Jahre Juwelier und Uhrmacher: Reichs gehen mit der Zeit

Vor dem Geschäft an der Jägerstraße in Kassel: Johann Wilhelm Reich, Schwester Emmi und Lothar Reich im Jahr 1927. 

Fritzlar. Das Uhren- und Schmuckgeschäft Reich in Fritzlar feiert in diesen Tagen sein 120-jähriges Bestehen.

Die Reichs haben in ihrem Leben oft Kisten gepackt. Allein vier Mal sind sie mit ihrem Uhren- und Schmuckgeschäft innerhalb Fritzlars umgezogen. Das letzte Mal 2001 an die Kasseler Straße. „Wir sind mit der Zeit gegangen“, sagt Claus Reich. Und die Zeit spricht für die Reichs. Sie feiern in diesen Wochen das 120-jährige Bestehen ihres Geschäfts. Claus Reich führt es in dritter Generation.

Die Reichs sind eine Handwerker-Familie. Die Tradition reicht bis in das Jahr 1552 zurück. Von der Schreinerei geht es über den Bahnhofschlosser zum Uhrenmacher. Johann Wilhelm Reich ist es, der im Jahr 1898 das Uhrengeschäft an der Jägerstraße in Kassel eröffnet. Im Zweiten Weltkrieg wird das Haus zerbombt. Die Reichs verlieren fast alles. Aus dieser Zeit stammt nur noch der Panzerschrank. Sohn Lothar Reich hievt ihn im Jahr 1943 auf eine Pferdekarre und macht sich in Richtung Bad Wildungen auf. In Fritzlar bleibt er hängen, wie Claus Reich sagt, und eröffnet ein Uhrengeschäft im Haus Mathias am Markt. Es folgen Umzüge in das Haus der Volksbank am Marktplatz, an die Gießener Straße 4 und 13.

Uhren sind ihre Leidenschaft, sagen Heike und Claus Reich. Sie feiern das 120-jährige Bestehen ihres Geschäfts. 

Seit Juli 1975 arbeitet Sohn Claus Reich im Geschäft mit. Dass er später einmal den Laden übernimmt, ahnt er da noch nicht. Nach der Ausbildung zum Uhrmacher zieht es ihn zum Grenzschutz. Vier Jahre arbeitet er dort. „Als der Vater erkrankte, musste ich einspringen“, erinnert sich Claus Reich. Die Familie, die Tradition geht vor.

1985 absolviert Claus Reich seine Meisterprüfung, in dem Jahr übernimmt er auch das Geschäft. In dem Laden findet Claus Reich neben seiner Berufung auch die Liebe seines Lebens. Heike Reich wechselt 1982 als Verkäuferin zu den Reichs – „und angelt sich gleich mal den Chef“, sagt die inzwischen 56-Jährige mit einem Lachen. Gemeinsam erleben die Reichs Höhen und Tiefen. So wie überall. Jahrelang verkaufen sie allerhand von WMF. Das Angebot reicht von der Kompottschale bis zur Kuchenplatte. Als die Firma sie zur Mindestabnahme drängt, steigt Claus Reich aus. „Da spiele ich nicht mit. Ich will frei bleiben und entscheiden, was ich hier verkaufe“, betont er. Das gilt bis heute.

Die Reichs wollen für ihre Kunden da sein, Service gehört für sie dazu. Dafür fahren sie auch 50 oder 60 Kilometer. Immer dann, wenn es darum geht, eine Großuhr zu reparieren. „Das ist Claus’ Leidenschaft“, sagt Heike Reich. Er kümmert sich um Uhren, die seit 50, 100 und mehr Jahren schlagen.

Im Geschäft an der Kasseler Straße bedienen sie vor allem Stammkunden („Ohne die kann man nicht überleben“) und Touristen. „Die Kasseler Straße ist die 1A-Straße“, sagt Heike Reich. Das Ehepaar fühlt sich hier wohl, möchte so lange es geht weitermachen. „Ich möchte die 125 Jahre vollkriegen“, sagt der 65-jährige Claus Reich. „Dann könnten wir ein richtiges Jubiläum feiern.“

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