1867 eröffnete Johannes Schwalm in dem Dorf am Knüll ein Gasthaus, den Jägerhof

Farbig illustriert: Diese Postkarte zeigt Ansichten aus Seigertshausen, unter anderem das Gasthaus zur Taube. Fotos:  2 Repro/1 Rose

Ein Haus der Begegnung, ein Mittelpunkt des dörflichen Lebens - das ist der Jägerhof in Seigertshausen bis heute. Seit 1867 gibt es das Gasthaus im Knüll, Reinhold und Theresia Liebermann sind Wirtsleute aus Überzeugung. „Ohne Freude am Umgang mit vielen Menschen ist die Arbeit nicht zu schaffen", sagt Theresia Liebermann. Und sie muss es wissen: 1978 heiratete sie in den Betrieb ein, übernahm mit ihrem Mann den Betrieb. Seitdem ist Resi eine Institution und die gute Seele - nicht nur für die Seigertshäuser.

Manchen Schicksalsschlag gab es zu bewältigen: Martha und Heinrich Liebermann übernahmen das Gasthaus 1953 und machten aus der einfachen Gaststätte einen Betrieb mit Saal und Pension. Heinrich starb 1982 mit nur 57 Jahren. Reinhold und Resi übernahmen den Familienbetrieb. Martha Liebermann (85) erinnert sich: „Das war eine schwere Zeit.“

„Ohne Freude am Umgang mit vielen Menschen ist die Arbeit nicht zu schaffen.“

Gern denkt die 85-Jährige an die 1950er-Jahre zurück. Damals zog es viele Feriengäste nach Seigertshausen. „Sie kamen mit der Bahn und wurden in Treysa am Bahnhof abgeholt.“ Liebermann fasst den Urlaub so zusammen: „Man sonnte sich in den Liegestühlen im Garten, es gab vier Mahlzeiten, abends Tanz - damit waren die Menschen zufrieden.“

Und wenn Martha sich gerade nicht um Gäste kümmerte, dann um die Landwirtschaft. Freizeit hatte sie nie. Und stets gab es am Haus etwas zu tun: 1974 entstand der Neubau. Auch Theresia und Reinhold kennen keine Freizeit: „Wir haben ein öffentliches Wohnzimmer und schlafen Tür an Tür mit unseren Gästen“, erzählen sie. Denn Pensionszimmer gibt es noch immer.

Wie im klassischen Familienbetrieb üblich übernahm auch bei den Liebermanns jeder vielfältige Aufgaben. Martha bediente nicht nur die Gäste, sie kochte auch. Bei Theresia Liebermann ist das nicht anders. „Wir sind Mädchen für alles - das reicht vom Wildunfall bis zur seelischen Betreuung“, sagt die 60-Jährige.

In den 1960er-Jahren war samstags der Jägerhof der Treffpunkt im Knüll. „Da wurde zusammen Fernseh geschaut - wir waren eines der ersten Häuser mit Gerät“, erzählt Martha Liebermann. 1976 eröffnete im Haus eine Disko: „Ursprünglich war das ein Raum für den Schützenverein, aber die Jugend vom Dorf kam mit der Idee.“

Engagiert im Verband

Jagd, Fußball, Landwirtschaft - das seien die Themen an der Theke, erzählen Liebermanns, die täglich außer montags immer hinterm Tresen stehen.

„Immer noch wird jede Versammlung bei uns gemacht. Das ist auch ein Vertrauensbeweis“, sagt Theresia, die sich seit 21 Jahren auch im Verband Dehoga engagiert. Dass die Arbeit viel Kraft kostet, hat die Seigertshäuserin erfahren müssen. „Ich hatte einen Herzinfarkt. Das war eine heilsame Auszeit“, erzählt sie. Dabei hat sie aber auch erfahren, wie viele Menschen sie sehr schätzen: „Das hat mich gerührt und mir neue Kraft gegeben.“

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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