Nachlass eines Heimatforschers

2000 Bücher werden dem Fritzlarer Stadtarchiv vermacht

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Viel zu schmökern für Stadtarchivar Clemens Lohmann: Die Privatbibliothek von August Bollerhey umfasste alte und seltene Werke, die jetzt dem Stadtarchiv gehören und katalogisiert werden müssen. 

Fritzlar – Ein besonderer Schatz wurde vor kurzem dem Stadtarchiv der Domstadt Fritzlar übergeben. Archivar und Historiker Clemens Lohmann spricht von einer lokal- , kultur- und kunsthistorischen Sensation, nach der sich die „Murhardsche Bibliothek in Kassel die Finger lecken würde“.

Etwa 2000 Bücher wurden dem Archiv vermacht. Eine genaue Anzahl kann Lohmann erst nach der eingehenden Erfassung ins System nennen.

Lokalhistoriker August Bollerhey aus Wehren hat die Bücher in jahrzehntelanger Arbeit zusammengetragen. Er habe viel Zeit und Geld in die Erforschung der Geschichte Fritzlars und ganz Nordhessens gesteckt. Er durchstöberte Antiquariate und Flohmärkte auf der Suche nach Literatur, erklärt Lohmann.

Bollerhey starb vergangenes Frühjahr mit 82 Jahren, und sein großer Wunsch war es, dass seine Sammlung dem Stadtarchiv in Fritzlar gestiftet wird.

Seltene und alte Werke wie „Grundlagen zu einer hessischen Gelehrten und Schriftsteller Geschichte“ von Friedrich Wilhelm Strieder aus dem Jahr 1785 sind in der Sammlung ebenso erhalten wie moderne Forschungsliteratur. Auch reich bebilderte Werke wie „Fahrende Leute in der deutschen Vergangenheit“ von 1902 finden sich in dem Sammelsurium. Alle Bücher seien im tadellosen Zustand, nicht verschmutzt und riechen nicht modrig, berichtet der Archivar weiter.

In jedes Buch hat Bollerhey seinen Stempel gedrückt und vermerkt, auf welchen Seiten Fritzlar und andere nordhessische Städte und Gemeinden erwähnt werden. Beispielsweise ist in dem Büchlein „Dorf und Stadt“ von 1942 vermerkt, dass Fritzlar auf Seite 73 erwähnt wird. „Es muss ihn Stunden gekostet haben, die Bücher so auszuzeichnen“, mutmaßt Lohmann.

August BollerheyHeimatforscher

Die Privatbibliothek war zum Teil thematisch vorsortiert, trotzdem wird die genaue Katalogisierung einige Zeit in Anspruch nehmen, erklärt Lohmann, in dessen Archiv sich die Bücher in langen Kolonnen reihen.

Der Transport der Bücher von Bollerheys Haus in Wehren in das Archiv sei harte körperliche Arbeit gewesen. Etwa 150 Kartons hat Lohmann transportieren müssen. Das allein habe vier Tage gedauert.

Die Nachricht über die Stiftung wurde kurzfristig gegeben, sodass Lohmann sogar seinen Urlaub abbrechen musste. Das sei der Schatz aber wert, und so wurden kostbare Bücher vor der blauen Tonne gerettet, fasst Lohmann zusammen.

"Die Murhardsche Bibliothek in Kassel würde sich die Finger nach diesen Büchern lecken", erklärt Archivar Lohmann

August Bollerhey schrieb lange Zeit die Kolumne „Wussten Sie schon ....“ für unsere Zeitung und entdeckte im Jahr 2017 Beziehungen zwischen dem Reformator Martin Luther und Fritzlar. Zudem fand er heraus, dass Werkel sein 775-jähriges Jubiläum an einem falschen Datum feierte. Der Ort war bereits 1209 in einem mittelalterlichen Schriftstück erwähnt worden und nicht, wie fälschlich angenommen, erst im Jahr 1219.

Quelle: HNA

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