16-Jährigen umgefahren

22-Jähriger wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt

Treysa. Ein 22-Jähriger soll einen 16-Jährigen nachts auf einem Parkplatz mit dem Auto angefahren haben. Dabei habe dieser sich Prellungen an Gesicht und Hüfte zugezogen. Wegen gefährlicher Körperverletzung musste sich der 22-Jährige aus dem Schwalm-Eder-Kreis nun vor dem Amtsgericht verantworten.

In einer Nacht im Mai vergangenen Jahres soll es auf dem Parkplatz eines Supermarktes in Frielendorf zu dem Vorfall gekommen sein. Laut Anklageschrift hatte der 22-Jährige dort geparkt, um mit seiner Freundin zu rauchen. Ein Bekannter der Freundin tauchte plötzlich auf einem Hügel neben dem Parkplatz auf. Der 22-Jährige sei mit dem Auto auf den 16-Jährigen zugesteuert. Er überfuhr einen Bordstein und habe den Jugendlichen erfasst. Dieser sei durch den Zusammenprall rückwärts gestürzt und verletzte sich.

Aus Sicht des Angeklagten hatte sich die Nacht ganz anders abgespielt. Er sagte in russischer Sprache aus, ein Dolmetscher übersetzte seine Aussage. Der 22-Jährige schilderte, dass er in der besagten Nacht zum Rauchen geparkt habe, als er jemanden rufen gehört habe. Das Opfer, das er über seine Freundin kannte, habe ihn zu sich gewunken und immer wieder "Komm her!" gerufen. Der Angeklagte fuhr vom Parkplatz auf die Wiese. "Ich habe den Bordstein nicht bemerkt", sagte der junge Mann.

Als das Fahrzeug auf der Wiese stand, habe sich der Bekannte auf der Motorhaube abgestützt und die Hände hin- und hergeschoben. "Ich habe gesagt, dass er die Hände wegnehmen soll und wollte dann rückwärts fahren", sagte der Angeklagte. Der 16-Jährige bestritt, dass er die Motorhaube berührt habe. Beweisfotos der Polizei zeigten hingegen Wischspuren.

Daraufhin sei er rückwärts gefahren, so der Angeklagte. Als er das Auto schon einige Meter zurückgesetzt hatte, seien plötzlich vier Männer aus dem Gebüsch gestürmt und hätten etwas nach dem Auto geworfen, aber nicht getroffen.

Die 21-jährige Freundin des Angeklagten schilderte wie der Angeklagte, was passiert war. Außerdem erklärte sie, dass sie mit dem 16-Jährigen und den anderen Jugendlichen befreundet gewesen sei. "Seit ich mit S. zusammen bin, beleidigen sie uns", sagte sie. Ein anderer aus der Gruppe sei mal in sie verliebt gewesen, sagte sie. Doch über den Vorfall im Mai die früheren Freunde nie gesprochen.

Einige Fragen, die die Vertreterin der Staatsanwaltschaft stellte, konnte das Opfer nicht beantworten. Sie wollte wissen, wie er sich beim Sturz im Gesicht verletzen konnte. Eine Erklärung blieb aus. Stattdessen versuchte der 16-Jährige seine Gedächtnislücken mit dem Alkohol zu begründen, 1,7 Promille hatte ein Test der Polizei ergeben. "Warum haben Sie keinen Schritt zur Seite gemacht, als das Auto kam?", fragte die Staatsanwältin. "Ich war sehr betrunken", gab er wiederholt an.

Weitere Zeugen waren nicht vor Gericht erschienen, so wird die Verhandlung Anfang April fortgesetzt.

Von Nina Nickoll

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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