25 Jahre Kunsthaus Michelsberg: Schmelztiegel für Kreative

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Hat das künstlerische Angebot etabliert: Delia Henss (54) kaufte zusammen mit ihrem Mann vor 25 Jahren das alte Haus in der Michelsberger Ortsmitte. Seitdem treffen sich hier regelmäßig Kreative, nicht nur aus der näheren Umgebung. Foto: Rose

Michelsberg. Staffeleien, Pinsel, Farben, ein baufälliges altes Haus, eine wackelige Treppe und ein Dixie-Klo im Garten – das waren die Zutaten der ersten Sommerwerkstatt in Michelsberg vor 25 Jahren. „Es war tatsächlich noch eine Ruine“, beschreibt es Delia Henss.

Schon immer war das frühere Gasthaus Michelsbergs ein Ort der Begegnung. Zusammen mit ihrem Mann Biele hatte Henss das Haus seinerzeit gekauft.

Die Idee, ein künstlerisches Atelier-Angebot zu installieren, regte Erika Koch von der Vhs an. „Wir waren die ideale Beute“, erklärt Henss, die schon zuvor im Bilderhaus Hephata Kurse gegeben hatte. Das Projekt startete mit dem besagten Dixie-Klo und acht Teilnehmern im Workshop Malerei. „In der ersten Sommerwerkstatt gab es sogar menschliche Modelle“, erzählt die 54-Jährige. Voller Hingabe kreierten die Kunstschaffenden auch ihre Mittagspausen: In denen wurde selbst gekocht. Das ist bis heute kulinarischer und kommunikativer Teil in einem.

„Heute weiß ich, es könnte auch ein Marsmännchen reinkommen. Es würde mit großem Vergnügen in die Gruppe integriert.“

Delia Henss

Der gute Start machte mutiger: Im zweiten Jahr bot die Sommerwerkstatt einen Workshop zum Thema Ton an. Kursleiter war der Hundshäuser Martin Burberg. Holzbildhauerin Christine Ermer bereicherte die dritte Auflage – und ist geblieben. Längst ist die Sommerwerkstatt den Kinderschuhen entwachsen: Die Teilnehmer wählen heute aus fünf künstlerischen Techniken, die sie eine ganze Woche intensiv vertiefen können.

Die Maler, Drucker, Schnitzer und Bildhauer bilden nicht nur die Region ab. Sie kommen von weiter her, es gibt eine treue „Kasseler Fraktion“, berichtet Henss. Und doch trifft auf Bewährtes auch immer wieder Neues. „Hier kommen unterschiedliche Charaktere zusammen. Aber indem sie etwas miteinander tun, ruckelt sich die Gruppe immer auch ein“, hat Henss die Erfahrung gemacht. Es entwickele sich ein Soziotop – ein Lebensraum, der die Entwicklung einer Gruppe besonders fördere. „Heute weiß ich, es könnte auch ein Marsmännchen reinkommen. Es würde mit großem Vergnügen in die Gruppe integriert.“ Als Kursleiterin arbeite man an jedem Werk gedanklich mit: „Hält aber tunlichst die Finger raus“, sagt die Michelsbergerin. Kunst zu schaffen sei eine Entdeckungsreise zu sich selbst – kleinere oder größere Krisen inklusive. Den Prozess des Schaffens bildet auch das Kunsthaus ab. Es wächst noch immer. Der Mal-Saal, einst Saal des früheren Gasthauses, ist bewusst nicht renoviert. „Die Atmosphäre ist nicht so leicht zu ersetzen. Der Raum teilt sich mit, er bringt in den Menschen etwas zum Schwingen. “

Quelle: HNA

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