Amtsgericht sieht gute Sozialprognose

Tür eingetreten: Verfahren gegen 29-Jährigen eingestellt

Treysa. Weil er im Oktober betrunken eine Tür eingetreten hatte, musste sich ein 29-Jähriger aus der Schwalm vor dem Amtsgericht verantworten.

Der Auszubildende war vor Gericht kein Unbekannter und hatte bereits einige Verurteilung in seinem Strafregister. Immer wieder spielt dabei Alkohol eine unrühmliche Rolle. Seit einiger Zeit war der 29-Jährige aber nicht mehr straffällig geworden. Umso zerknirschter saß er jetzt vor dem Richter in Schwalmstadt. Da der Mann die Tat während seiner Bewährungszeit begangen hatte, bestand durchaus die Möglichkeit einer Haftstrafe. 

Er habe die Tür zu seiner Wohnung eintreten wollen, weil er auf einer Feier seinen Schlüssel verloren habe, berichtete der Mann. Benebelt vom Alkohol hatte der 29-Jährige nach eigenen Angaben das Stockwerk verwechselt, eine fremde Tür eingetreten und dabei einen Schaden in Höhe von 144,70 Euro verursacht.

Ihr Mandant habe weniger ein Problem mit Alkohol, sondern eher damit, überhaupt Alkohol zu trinken, sagte die Verteidigerin: „Er kann so etwas nur vermeiden, wenn er lernt, gar keinen Alkohol zu trinken.“ Letztlich wäre eine Nacht in der Ausnüchterungszelle für den 29-Jährigen sicherlich besser und für den Staat günstiger gewesen, als die Verhandlung, meinte die Juristin.

Als der Vertreter der Anklage wissen wollte, wie er ohne Schlüssel in seine eigene Wohnung gekommen sei, zuckte der Mann nur mit den Schultern und grinste verlegen. Laut Prozessakte hatte der Auszubildende bei der Tat einen Atemalkoholwert von 1,9 Promille.

Die beschädigte Tür habe er bezahlt und sein Alkoholproblem erkannt, sagte die Verteidigerin: „Er will wegkommen vom Trinken, weil es ihm überhaupt nicht schmeckt.“ Der Bewährungshelfer des Mannes konnte nur Positives berichten. Der 28-Jährige lebe in einer festen Beziehung und habe seine Zukunftsplanung vorangetrieben, so der Sachbearbeiter. Angesichts der günstigen persönlichen Entwicklung des Angeklagten müsse man sehen, wie man für alle zu einer sachgerechten Lösung komme, meinte der Staatsanwalt: „Es ist in der Tat in den letzten Jahren ruhig geworden.“

Aufgrund der positiven Sozialprognose wurde das Verfahren gegen den 28-Jährigen eingestellt. Sollte es noch einmal zu Vorfällen kommen, werde die Sache anders ausgehen, mahnte der Richter: „Wenn man zehnmal droht und nichts passiert, macht sich der Staat sonst auch lächerlich.“

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © David Ebener/dpa

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