Mann dealte an Bushaltestelle - auch Jugendliche kauften bei ihm

35-Jähriger aus dem Schwalm-Eder-Kreis wegen Drogenhandels vor Gericht

Schwalm-Eder. 35-Jähriger soll im Jahr 2013 400 Gramm Drogen verkauft haben - teilweise auch an Minderjährige. 

„Die haben sich immer im Bushäuschen getroffen. Da wusste ich schon, was los ist.“ Der Mann, der vor dem Landgericht Kassel so locker über den Rauschgifthandel in der Dorfmitte spricht, ist selbst zweimal rechtskräftig als Dealer verurteilt. Einst hatte er den 35-Jährigen beliefert, jetzt sagte er im Prozess gegen eben diesen Mann aus, der im nördlichen Schwalm-Eder-Kreis Haschisch und Marihuana verkauft haben soll.

Von Juli bis Dezember 2013 habe der mehr als 400 Gramm Betäubungsmittel – teils an Minderjährige – abgegeben, wirft ihm Staatsanwältin Grothey-Mönch vor. Schlimmer noch: Der Mittdreißiger soll auch einen damals erst 16-Jährigen für den Drogenhandel angeworben haben.

Das allerdings bestritt der blasse Mann mit dem spärlichen Bartwuchs und dem lückenhaften Gebiss in der Hauptverhandlung vor der 11. Strafkammer.

Er habe sich den Stoff nur für den Eigenkonsum in der Kassler Nordstadt besorgt. „Wir haben uns gegenseitig ausgeholfen“, beschrieb er seine Beziehung zu dem Jugendlichen aus einer kleinen Gemeinde im Nordkreis, von dem er anfangs auch nicht gewusst habe, wie alt der gewesen sei.

Selbst im Werra-Meißner-Kreis geboren und aufgewachsen wohnt der 35-jährige Angeklagte jetzt wieder dort – bei seinem Onkel. Schon als Jugendlicher kam er mit Heroin in Berührung. In der Schilderung seines bisherigen Lebens durch die psychiatrische Sachverständige war die Rede von gewalttätigen Stiefvätern, zeitweiliger Obdachlosigkeit, zwei missglückten Entwöhnungstherapien, aber auch dem ständigen Bemühen, über Zeitarbeitsfirmen bei der Edeka in Melsungen zu arbeiten und ein ganz normales Leben zu führen.

Durch seine frühere Lebensgefährtin kam er in den Schwalm-Eder-Kreis. Als die selbst während der Schwangerschaft mit dem gemeinsamen Ungeborenen Drogen nahm, dämmerte dem Angeklagten, dass das schief gehen könnte: „Ich hatte Angst, dass sie uns das Kind wegnehmen.“

Denn dumm ist der wegen Beschaffungsdelikten mehrfach vorbestrafte Mann auf der Anklagebank nach Meinung der Sachverständigen nicht: Mit dem Hauptschulabschluss in der Haft sei er „weit hinter seinen schulischen Möglichkeiten“ zurück geblieben. Auch das sei den Suchtproblemen geschuldet. Für eine Therapie, die der Vater der inzwischen dreijährigen Tochter jetzt aus freien Stücken machen will, sieht Fachärztin Birgit von Hecker aus Bad Emstal gute Erfolgsaussichten, „weil er jetzt motiviert ist“.

Das Urteil wird für Dienstag, 14. Februar, erwartet.

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: ©  dpa

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