100 Jahre Ende des Ersten Weltkrieges war Anlass

3800 Menschen besuchten die Friedenswochen im Wolfhager Land 

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Ginkgobäume als Zeichen des Friedens: Vertreter verschiedener Religionen pflanzten während der Friedenswochen in den Wolfhager Teichwiesen Bäume. Mit dabei waren auch Besucher aus Wolfhagens französischer Partnerstadt Tergnier.

3800 Menschen haben die Friedenswochen im Wolfhager Land besucht. Die Veranstalter blickten zurück auf die über 60 Aktionen und gaben einen spannenden Ausblick in die Zukunft.

„Das Projekt war ein Wagnis“, sagt Gerlach. Es sei nicht abschätzbar gewesen, wie die Resonanz auf die Angebote sein würde. „Wir sind über jeden einzelnen Besucher von Ausstellungen, Lesungen, Diskussionen und Gottesdiensten froh.“ 

Diese Menschen hätten Interesse an den Friedenswochen und damit am Frieden an sich gezeigt, sagt Lorenz. Er und Gerlach sind davon überzeugt, dass das Thema bei ihnen lebendig bleibt. Gleichzeitig machten sie deutlich, dass es eine Wiederholung der Friedenswochen in dieser Form vorerst nicht geben wird. Und das hat Gründe: Beide Männer scheiden im kommenden Jahr aus ihren Ämtern aus. Somit fiele eine Neuauflage der Friedenswochen, wenn sie denn gewollt wäre, in den Zuständigkeitsbereich ihrer Nachfolger.

Allerdings wirkt die interreligiöse Veranstaltungsreihe, in die alle Kommunen des Wolfhager Landes und viele gesellschaftlichen Bereiche eingebunden waren, noch nach. So wird es im ersten Halbjahr 2019 gemeinsam mit der Volkshochschule fünf Lesungen in der Wolfhager Buchhandlung Mander geben, die sich alle mit den Themen Krieg und Frieden befassen. Die Recherchen von Friedenswochen-Mitorganisator Jürgen Damm zu den Kriegsmahnmalen in der Region werden in einem Buch münden, an dem aktuell der Kasseler Historiker Dietfrid Krause-Vilmar arbeitet.

Und schließlich hat die SPD-Bundestagsabgeordnete Esther Dilcher angekündigt, sich für eine Gesetzesinitiative stark zu machen, die auf ein Vermummungsverbot in den sozialen Medien abzielt. Hierbei geht es insbesondere um eine Klarnamenpflicht und ein Unterbinden hemmungsloser Hetze unter Pseudonymen. Dilcher hatte eine Diskussionsveranstaltung in Dörnberg besucht, in der es um die Friedensverantwortung der Europäer ging.

Als einen weiteren positiven Aspekt stellte Lorenz die Einbindung zahlreicher europäischer Partnerkommunen in einzelne Veranstaltungen heraus. So seien die Städtepartnerschaften verknüpft worden mit politischer Nachhaltigkeit. Solange Deutschlands Innenminister Horst Seehofer die Migrationsfrage als „Mutter alle Probleme“ bezeichne, hätten Veranstaltungen wie die Friedenswochen ihre Berechtigung. 

Allerdings sei es so, dass die Menschen zum Frieden angestiftet werden müssten. Der Rückzug ins Private sei kennzeichnend für die gesellschaftliche Entwicklung. „Abwenden ist leichter als Hinwenden“, sagt Lorenz. Aktionen wie die Friedenswochen seien wichtig, um Menschen anzusprechen.

Anlass für die Friedenswochen war das Ende des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren und eine zunehmende Verrohung in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft. Die Friedenswochen standen unter der Schirmherrschaft von Landrat Uwe Schmidt. Organisiert hatten sie der Evangelische Kirchenkreis Wolfhagen, die Volkshochschule Region Kassel, der Verein Gegen das Vergessen - Für Demokratie und Oberst Jürgen Damm. 

Die Vorbereitungen dauerten zweieinhalb Jahren, am Ende gab es ein Programm mit mehr als 60 Veranstaltungen. Die Kosten in Höhe von 17 000 Euro teilten sich der Landkreis Kassel, der Kirchenkreis, die Volkshochschule und das Hessische Kultusministerium.

Quelle: HNA

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