Todesfahrt unter Alkoholeinfluss

Frau aus Altkreis überfuhr 55-Jährigen: 22 Monate Freiheitsstrafe

Kassel/Bad Emstal. Weil sie mit 2,3 Promille Alkohol im Blut bei Schauenburg-Breitenbach einen 54-jährigen Fußgänger tödlich und seine 50-jährige Lebensgefährtin schwer verletzte, hat das Amtsgericht Kassel am Montag eine 55-Jährige aus dem Altkreis zu einer 22-monatigen Freiheitsstrafe verurteilt.

Die Verteidigung hatte vergeblich auf eine Bewährungsstrafe plädiert. Vor Richterin Ferchland hatte die Angeklagte zeitweise unter Tränen geschildert, wie es am 18. Januar dieses Jahres zu dem tragischen Unfall gekommen war. Wegen Problemen mit ihrem Ex-Ehemann und der jüngeren Tochter habe sie bereits um drei Uhr früh eine Flasche Wein und am Vormittag eine Flasche Sekt getrunken. Am Abend sei sie von Bad Emstal in Richtung Breitenbach gefahren, habe sich „gut gefühlt“ und zu einem Treffen mit ehemaligen Klassenkameraden gewollt.

Ein Bluttest ergab einen Alkoholgehalt zwischen 2,31 und 2,7 Promille. In einer Linkskurve geriet der Wagen auf die Bankette, prallte gegen die Leitplanke und erfasste die beiden Fußgänger, die zur einer Feier unterwegs waren. Der 54-jährige dreifache Vater erlitt zahlreiche Brüche und schwere innere Verletzungen, an denen er wenig später starb. Auch die Lebensgefährtin des getöteten 55-Jährigen wurde schwer verletzt, Beinbrüche machten mehrere Operationen und Reha-Maßnahmen erforderlich, bis heute ist die jetzt 51-Jährige arbeitsunfähig.

"Erhebliche Alkoholgewöhnung"

Bei ihrer Aussage vor dem Amtsgericht vermied sie den Blickkontakt zur Angeklagten und wies auch deren Entschuldigung zurück. „Meine Welt ist zerbrochen, alles ist kaputt“, sagte sie als Zeugin. Obwohl die beiden Fußgänger helle Kleidung mit reflektierenden Elementen und sogar eine Taschenlampe trugen, will die Angeklagte sie nicht gesehen haben. Beim Aufprall sei sie zunächst von einem Wildunfall ausgegangen, sagte sie. Dekra-Sachverständiger Markus Schaffranka sagte, der Wagen sei mit 68 bis 71 km/h ungebremst gegen die Leitplanke geprallt und habe 14 Meter später die Fußgänger erfasst. Unter normalen Bedingungen könne diese Kurve mit bis zu 110 km/h befahren werden, bei Tempo 70 sei sie unproblematisch.

Staatsanwältin Köpf hielt der Angeklagten ihr Geständnis und glaubhafte Reue zugute. Da sie aber bis heute Alkohol konsumiere, sich nicht „massiv“ um eine Therapie bemüht habe, komme eine Bewährungsstrafe nicht in Frage. Anwalt Falk Werhahn, Vertreter der Nebenkläger, sprach von einer „erheblichen Alkoholgewöhnung“ bei der 55-jährigen Köchin. „Die meisten Menschen wären bei 2,3 Promille ohnmächtig, sie aber konnte sogar noch eine gewisse Strecke ordentlich fahren.“ Er sei schockiert, dass die Angeklagte noch immer nicht vom Alkohol lasse.

Verteidiger Philip Wiehage hatte mit Blick auf das bisher straffreie Leben seiner Mandantin eine Bewährungsstrafe gefordert. Richterin Ferchland ließ sich darauf nicht ein: Anstatt ein Taxi zu nehmen, sei die Angeklagte schwer betrunken ins Auto gestiegen, habe ein Leben ausgelöscht und ein anderes zerstört. Eine Freiheitsstrafe sei daher unausweichlich. Die Geschwister und Eltern des Toten hatten den Prozess zeitweise unter Tränen und starker Anspannung verfolgt. Das Urteil bezeichnete die Schwester als „angemessen“.

Von Thomas Stier

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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