6000 Kilometer: Angelo Bressan ist von seiner Radtour nach Israel zurück

+
Gepäck für sechs Wochen und Muskeln für sechstausend Rad-Kilometer: Angelo Bressan radelte zusammen mit zwei Freunden aus Marburg und Dortmund von Homberg bis nach Jerusalem. Das Bild zeigt ihn auf einer Passfahrt in der Türkei.

Homberg. Sechs Wochen lang war Angelo Bressan mit seinen Radfreunden Meinhard Rediskae aus Marburg und Jens Becker aus Dortmund unterwegs, um die 4840 Kilometer lange Strecke von Homberg nach Jerusalem zurück zu legen.

In der Türkei hätten sie sich oft nicht getraut, jemanden anzusprechen. Denn selbst wenn sie nur nach dem Weg fragen wollten, seien sie sofort zu Abendessen, Schlafstatt und noch zum Frühstück eingeladen worden. "Noch nie in meinem Leben bin ich so vielen gastfreundlichen Menschen begegnet", sagt Angelo Bressan. 

Lesen Sie auch:

-Per Rad nach Jerusalem: Angelo Bressan ist schon in Syrien

-Überall ein eis essen: Der Homberger Angelo Bressan fährt mit dem fahrrad nach Israel

Zehn Länder haben die drei durchfahren, unzählige Geschichten erlebt, hunderte von Menschen getroffen. Seit wenigen Tagen ist der 50-jährige Eisdielenbesitzer wieder zu Hause. Aber richtig angekommen ist er dort noch nicht. "Manchmal halte ich beim Eismachen mitten in der Bewegung inne und denke an eine der vielen Situationen, die wir erlebt haben."

Manche waren bedrückend: Wie die große Armut in Rumänien. Manche waren erstaunlich: Wie die Hilfsbreitschaft und Großzügigkeit der Menschen in der Türkei. Manche waren aufregend: Wie die Begegnungen mit forsch-aufdringlichen Jordaniern, die die Radfahrer gerne mit abrupt abbremsenden Geländewagen erschrecken wollten. Andere dagegen waren bizarr: So wie die Begegnung mit den beiden Frauen im israelischen McDonalds, vor denen Hamburger standen und Maschinengewehre lagen.

Richtig aufregend wurde es in Syrien, wo die Radler ständig vom syrischen Geheimdienst kontrolliert wurden. Mindestens fünf Mal am Tag seien sie von Motorradfahrern gestoppt und aufs Aushändigen der Pässe gedrängt worden. "Anfangs hatten wir noch Angst", sagt Bressan. "Doch dann haben wir uns dran gewöhnt. Wir wussten, dass uns nichts passiert - aber dass der Geheimdienst ein Auge auf uns hat. Vielleicht auch zu unserer eigenen Sicherheit." Die wäre jetzt nicht mehr gewährleistet: Syrien wird von blutigen Unruhen erschüttert. Von den rebellischen Bewegungen hat Bressan während der Radtour nichts mitbekommen.

Dafür umso mehr vom Alltag der Menschen. So wie im Haus des syrischen Lehrers, der drei Brocken Englisch sprach und die Radfahrer zum Essen einlud.

Bressan platzt vor Geschichten. Es war das Abenteuer seines Lebens. Dennoch hat er sich schon die nächste Herausforderung überlegt. Er will mit dem Rad nach Indien. Aber jetzt will er erstmal all das verdauen, was er gerade erlebt hat.

Von Claudia Brandau

Mehr lesen Sie in der gedruckten Donnerstagsausgabe der Fritzlar-Homberger Allgemeinen.

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare