84-jährige Marie Matthaei kratzt mit Teppichmesser Motive auf Ostereier

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Eine ganz besondere Dekoration: Zur Osterzeit werden viele Gewächse mit den individuell verzierten Ostereiern von Marie Matthaei geschmückt. Die 84-Jährige verkauft ihre kleinen Kunstwerke bei Ausstellungen.

Wolfhagen. Überall sieht man sie in diesen Tagen, bunt gefärbte Ostereier. Sie hängen an Sträuchern und liegen als Dekoration in Schaufenstern und Tresen aus. Überall wird symbolisch auf das Osterfest hingewiesen. „Doch bei den Verzierungen der Eier gibt es große Unterschiede“, sagt Marie Matthaei.

Die 84-Jährige weiß, wovon sie spricht. Denn zweifelsfrei kann man die Wolfhagerin als Profi betiteln, wenn es darum geht, aus Gänse- oder Hühnereiern kleine Kunstwerke zu zaubern. „Ich mache das auf meine ganz eigene Art und Weise“, führt sie fort. Und diese ist ganz speziell. Genau wie das Ergebnis.

Handarbeit: Die Motive werden ausgekratzt.

Stolz führt Matthaei ihr Können vor und verweist dabei auf die Qualität ihres Teppichmessers, das ihr wichtigstes Werkzeug ist. „Die Klinge muss stabil und hochwertig sein“, sagt sie. Denn mit dieser kratzt sie die individuellen Motive in die Eierschalen. Ob Blümchen, Tiere oder sogar ganze Sprüche – Matthaei geht keiner Aufgabe aus dem Weg. „So ist jedes Ei ein Unikat.“

Sie kocht die Eier oder bläst sie aus, dann werden sie gefärbt. So weit nichts Neues. Doch dann kommt das, was ihre Arbeiten einzigartig machen. Mit einem Teppichmesser kratzt sie Motive in die gefärbte Schale. „Aber das ist gar nicht so leicht, wie es sich anhört“, sagt die Wolfhagerin. Man müsse aufpassen, die Schale nicht einzudrücken. Hierbei sei Fingerspitzengefühl gefragt. „Und ausradieren kann ich dann auch nichts“, sagt sie schmunzelnd. Oft habe sie sich bereits „verkratzt“. „Dann ist es halt so und nehme mir ein neues Ei.“

Im letzten Arbeitsschritt werden die verzierten Eier lackiert oder mit einer fetthaltigen Creme einbalsamiert. Ihre Leidenschaft dafür entfachte Matthaei im Alter von 36 Jahren. „Meine Mutter hat das ihr Leben lang gemacht. Das war Tradition“, erzählt die aus dem Böhmer Wald stammende Frau. Nach dem Tod ihrer Mutter habe sie sich das Handwerk selbst angeeignet.

„Seit dem ist es mein liebstes Hobby und meine größte Leidenschaft“, schwärmt sie. Aus diesem Grund sehnt sie im Laufe des Jahres die Osterzeit herbei. „Denn ich fange immer erst zur Karnevalszeit mit den Arbeiten an“, sagt die Frau, die sich ansonsten gern um den Garten kümmert.

Verkauft oder verschenkt

Aber in den Wochen vor den Osterfeiertagen verbringt sie viel Zeit in ihrem Arbeitszimmer. „Heute schaffe ich nur noch etwa zwei Eier am Tag.“ Früher seien es weitaus mehr gewesen. Für die feinen Handarbeiten an einem Ei benötige sie rund zwei Stunden. Dieses Jahr wollte sie ihre Hilfsmittel gar nicht erst vom Dachboden holen, „weil es für meine Finger, Augen und Nerven anstrengend ist“, sagt sie.

Zu einer Pause habe sie sich letztlich aber doch nicht durchringen können. Deshalb entstanden ein weiteres Mal viele Kunstwerke, die in Ausstellungen verkauft oder verschenkt wurden.

Von Nico Beck

Quelle: HNA

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