Mängel in der Pflege

Angespanntes Klima: Abmahnungswelle im Diakoniezentrum

Frielendorf. Noch immer herrscht Unruhe um das Diakoniezentrum in Frielendorf. Das Versorgungsamt in Kassel hatte wegen hoher Krankenstände einen freiwilligen Aufnahmestopp für schwer pflegebedürftige Menschen empfohlen. Nun geraten die Arbeitsbedingungen in der Pflegeeinrichtung in den Fokus.

Von einer Kündigungs- und Abmahnungswelle ist die Rede.

Im Herbst hatte ein Großteil der Pflegefachkräfte auf Probleme im Arbeitsumfeld und Mängel im pflegerischen Bereich aufmerksam gemacht. Auch das Versorgungsamt in Kassel habe das Schreiben der Mitarbeiter zur Kenntnis genommen, bestätigt Teamleiter Jochen Schubotz. Inhaltlich habe sich das mit Wahrnehmungen seiner Behörde gedeckt.

Geschäftsführer Werner Wieland weist es von sich, dass die Flut von Abmahnungen ein Reaktion auf das Schreiben sein könnte. Es habe Mitarbeiter gegeben, die nicht bereit waren, vorgebene Strukturen zu akzeptieren, sagt er. Entsprechend sei reagiert worden. Die Abmahnungen seien „eine legitime arbeitsrechtliche Maßnahme, wenn Mitarbeiter nach vielen Gesprächen keine Bereitschaft zeigen“.

„Das Klima ist angespannt“, sagt der Vorsitzende der Mitarbeitervertretung des Diakoniezentrums Carsten Aßmann. Er von spricht von „Kommunikationsproblemen, die sich seit einigen Wochen wie ein roter Faden durch die Einrichtung ziehen“.

Den betroffenen Mitarbeitern werden Vorwürfe gemacht - zum Teil aus nichtigen Gründen - die keiner rechtlichen Prüfung standhalten würden, erklärt Frank Lang, Verdi-Gewerkschaftssekretär für den Fachbereich Gesundheit. Er geht noch einen Schritt weiter: „Wir kennen keine diakonische Einrichtung im Bereich der Landeskirche, in der es, im Verhältnis zur Anzahl der Mitarbeiter, innerhalb kürzester Zeit soviele Rechtsanfragen gegeben hat.“

Hintergrund

Seit November kann das Diakoniezentrum in Frielendorf keine Schwer-und schwerstpflegebedürftigen Menschen mehr aufnehmen. Der Grund: 40 Prozent der Pflegekräfte waren erkrankt, darunter acht Langzeiterkrankte. Inzwischen hat sich nach Angaben von Geschäftsführer Werner Wieland die Situation gebessert. Er geht davon aus, dass der freiwillige Belegungsstopp bis Ende Februar aufgehoben werden kann.

Die Einrichtung ist mit der evangelischen Landeskirche verbunden und gehört dem Diakonischen Werk an. Größter Gesellschafter der ist die Hephata-Diakonie. Aufsichtsratsvorsitzender ist Hephata-Direktor Klaus D. Horchem.

 Von Sylke Grede

Quelle: HNA

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