Abriss alter Häuser in Naumburg: SPD sieht Entwicklung mit Sorge

Zukunft ungewiss: Das Haus Untere Straße 41 (Drittes von links) ist seit zehn Jahren unbewohnt und hat Schäden vor allem im Bereich des Dachstuhls. Der Eigentümer sagt, er sei bereit, es zu verschenken. Fotos:  Müller

Naumburg. Zwei Fachwerkhäuser sind in der Naumburger Altstadt akut vom Abriss bedroht: eines im Altenhagen und das Haus Zobel an der Unteren Straße.

Diese Entwicklung der Gebäudestruktur insbesondere in der Kernstadt verfolge die SPD-Fraktion im Naumburger Stadtparlament mit Sorge, erklärte SPD-Fraktionschef Bernd Ritter.

Seine Fraktion hatte während der Haushaltssitzung 2013 gegen den Magistratsvorschlag gestimmt, der vorsah, das Haus Altenhagen 3 „auf Kosten des Steuerzahlers kaufen und abreißen zu wollen“, so Ritter. CDU und FWG setzten sich allerdings durch. Und Bürgermeister Stefan Hable hält dies nach wie vor für eine gute Lösung im Sinne der laufenden Dorferneuerung. Das marode Haus, betont Hable, sei schon vor Beginn der Dorferneuerung im Rahmen eines studentischen Projektes zur Zukunft der Naumburger Altstadt unter Federführung von Prof. Alexander Eichenlaub als absolut verzichtbar eingestuft worden.

Hable: „Alle Gelehrten, die wir in das Projekt eingebunden hatten, waren sich einig, dass es weg sollte, weil es nicht in die Struktur dort passt und mittlerweile vergammelt ist.“ Die gleichen Signale seien aus den Reihen derer gekommen, die für die Dorferneuerung zuständig sind. Zumal in Sachen Altenhagen 3 in vorbildlicher Form neue Wege gegangen werden. Mit Unterstützung öffentlicher Gelder werde eine Freifläche geschaffen, die zwei Anwohner pachten werden, „um die Lebensbedingungen im Umfeld ihrer sehr gepflegten historischen Häuser zu verbessern“.

Ebenfalls auf der Abrissliste: Das Haus Altenhagen 3 ist marode und nach Ansicht von Stadtplanern auch im historischen Gefüge der Altstadt verzichtbar.

Laut Bernd Ritter hatte seine SPD-Fraktion seinerzeit auch deswegen so abgestimmt, weil sie befürchte, „dass es mit dem geschaffenen Präzedenzfall Folgeansprüche weiterer Eigentümer geben könnte oder dass mit dieser Subventionierung schlimmstenfalls sogar weitere Hauseigentümer in Spekulation auf eine gute Förderung ihr Anwesen verkommen lassen könnten“. Im Fall Altenhagen seien „bis zu 24.000 Euro aus dem städtischen Säckel genehmigt, insgesamt gar 60.000 Euro Steuermittel“.

Folgeansprüche befürchtet 

Dass Hauseigentümer ihr Haus bewusst in der Hoffnung verfallen lassen, dass die Stadt einspringt, „dieses Denken wage ich zu bezweifeln“, so Bürgermeister Hable. Korrekt sei, dass die Stadt 20.000 Euro für den Grunderwerb und weitere 40.000 Euro für den Abriss und die Entsorgung veranschlagt habe. Aber: Angesichts einer 75-prozentigen Förderung durch die Dorferneuerung bleibe für die Stadt eine Belastung in Höhe von rund 16.000 Euro.

Der Notartermin für den Kauf sei für kommenden Montag angesetzt. Wenn der bisherige Eigentümer unterschrieben habe, werde der Abriss vorbereitet. Hable rechnet damit, dass es noch in diesem Jahr erfolgen wird.

Erhalt sollte Vorrang haben 

Sozialdemokrat Ritter betont, dass Grundsatz bei all den Entscheidungen sein müsse, dass die Erhaltung historischer Bausubstanz Priorität habe. „Abriss sollte nur da, wo unvermeidbar, das letzte Mittel sein.“

Von Norbert Müller

Quelle: HNA

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