Abriss Haus Zobel: Schmerzlicher Verlust für das Stadtbild

Hier klafft künftig eine Lücke: Das Abrissunternehmen hat das Haus Zobel bis auf Reste beseitigt. Wie die Fläche künftig genutzt beziehungsweise gestaltet wird, ist noch nicht endgültig entschieden. Foto:  Norbert Müller

Naumburg. Bezirkskonservator Dr. Tobias Wolf bedauert den Abriss des Fachwerkgebäudes an der Unteren Straße in Naumburg, begründet aber auch, warum die Denkmalpflege dem Abriss zugestimmt hat.

Viel ist vom einst stolzen Haus Zobel in Naumburg nicht mehr übrig. Bis auf einen kleinen Rest, der unmittelbar am Nachbarhaus steht ist das wuchtige Gebäude an der Ortsdurchfahrt bereits abgetragen, der Schutt wird fein säuberlich sortiert und abgefahren.

Eine gewöhnungsbedürftige Lücke macht sich in der bislang geschlossenen Häuserfront mit die Altstadt prägenden Fachwerkhäusern breit. Das historische Stadtbild hat hier gelitten, keine Frage. Hätte die Denkmalpflege den Abriss verhindern können, gar müssen?

Nein, sagt Bezirkskonservator Dr. Tobias Wolf vom Landesamt für Denkmalpflege in Marburg. „Hauptsächlich der Bauzustand hat für den Abriss gesprochen“. Bei dem seit gut zehn Jahren leerstehenden Gebäude war - wie berichtet - ein Bruch im Dachgebälk festgestellt worden. Dr. Wolf: „Letztlich musste man dem Abriss zustimmen.“ Der Mann aus Marburg spricht von der „statischen Notwendigkeit, der Giebel hatte sich stark verformt“, die Bauaufsicht hatte die Befürchtung, dass das Dach mit Giebel trotz zwischenzeitlicher Notreparatur kollabieren könnte.

Suche nach Interessenten 

Sowohl seitens seines Amtes als auch der Stadtverwaltung sei über die Jahre mehrfach versucht worden, das Haus „an Interessenten zu bringen“. Ohne Erfolg. Die Alternative zum Abriss sei gewesen, Steuergeld in die Sicherung des Hauses zu stecken. „Wir haben aber keine Perspektive für das Haus gesehen, weil wir über Jahre aktiv in die Interessentensuche involviert waren“, so Tobias Wolf.

Dr. Tobias Wolf Foto: Árchiv

Der Bezirkskonservator betont, ohne den akut eingetretenen Schaden und die damit verbundene Gefährdung der Passanten hätte es wohl keine Zustimmung für den Abriss „Wir hätten weitergesucht nach Nutzungsperspektiven.“ Wegen der Gefährdung „haben wir uns schweren Herzens so entschieden“. Der Standort, so Wolf, „ist städtebaulich eine ganz zentrale Stelle.“ Und er betont die „giebelständige Abfolge, die nach dem Dreißigjährigen Krieg entstanden ist“. Wolfs Fazit: Die Beseitigung des Hauses Zobel „ist ein schmerzlicher Verlust für das Stadtbild“.

Die Veränderung im Fachwerkensemble an der Unteren Straße sei aber in der Wirkung und Qualität nicht annähernd zu vergleichen mit der an anderer Stelle in der Altstadt, im Altenhagen. Dort wurde in der vergangenen Woche ebenfalls ein Fachwerkhaus abgerissen . Dort, so Bezirkskonservator Wolf, „wertet der Abriss die Ecke auf und bringt mehr Wohnqualität“.

Von Norbert Müller

Quelle: HNA

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