"Neujahrsempfänge waren immer Bereicherung"

Verzicht auf Neujahrsempfang: Hilferuf oder fehlender Sparwille?

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Udo Umbach

Naumburg/Wolfhagen. Naumburgs Erster Stadtrat Udo Umbach (SPD) kritisiert den Verzicht auf den Neujahrsempfang. Die sei eine Bankrotterklärung der kommunalen Selbstverwaltung.

Der Verzicht auf den Neujahrsempfang, auf „ein paar von den Landfrauen liebevoll geschmierten Brote und ein Fass Bier“ werde nicht die überschuldete Stadt Naumburg mit ihrem „hoffnungslosen Haushaltdefizit retten“, erklärt Naumburgs Erster Stadtrat Udo Umbach (SPD) in einer Pressemitteilung.

Die Streichung des Neujahrsempfangs in Naumburg sei für ihn kein Signal, „sondern eher eine Bankrotterklärung der kommunalen Selbstverwaltung, oder abgeschwächt formuliert: ein Hilferuf“.

Den von den städtischen Gremien gefassten Beschluss, auf den Empfang zu verzichten, trage er aus einem einzigen Grund mit: „Es muss deutlich werden, dass eine absolut verfehlte Finanzpolitik des Bundes und des Landes und insbesondere eine jahrelange kommunalfeindliche Haltung der schwarz-gelben Hessischen Landesregierung dazu geführt hat, dass ein Teil der Kommunen am finanziellen Abgrund steht.“

Als Bereicherung empfunden

Umbach betont, er bedauere den Verzicht: „Was wir verlieren, ist vielmehr ein Stück kommunale Identität und eine Möglichkeit der Imagepflege. Die Naumburger Neujahrsempfänge der vergangenen Jahrzehnte habe ich immer als Bereicherung empfunden.“

Es seien stets Veranstaltungen der Begegnung und des Austauschs gewesen, nicht nur mit den „immer gleichen Leuten“. Es habe „beeindruckende und nachhaltige Vorträge und insbesondere die Würdigung ehrenamtlichen Engagements“ gegeben. Örtliche Chöre und Musikgruppen hatten Gelegenheit, ihr Können zu präsentieren.

Umbach weiter: „Natürlich muss man das alles nicht haben. Ich bin aber der Auffassung, dass ein Gemeinwesen gerade von solchen Treffen lebt und die Demokratie gestärkt wird“.

Das Bündnis Wolfhager Bürger (BWB) sieht vor allem die Notwendigkeit zum Sparen. Das BWB „bezweifelt, dass man einen Neujahrsempfang in der geplanten Form durchführen sollte, wenn man so tief in den Schulden steckt, wie die Stadt Wolfhagen“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Einige Nachbargemeinden verzichten ganz auf einen Neujahrsempfang, darüber sollte man in Wolfhagen einmal nachdenken. Zumindest, so das BWB weiter, sollte man die Kosten verringern, entweder, indem man eine bescheidenere Feier veranstaltet oder aber mit Nachbargemeinden einen gemeinsamen Empfang auf die Beine stellt.

Ein Sparwille sei seitens der Verwaltung nicht zu erkennen: „Der Neujahrsempfang ist recht großzügig mit Festredner sowie Unterhaltungsprogramm mit Sänger und Entertainer geplant.“

BWB will Vollkostenrechnung

Man sei zudem „erstaunt, dass Bürgermeister Schaake als Gastgeber nicht sagen kann, was die Veranstaltung kosten soll.“ Das BWB werde eine Vollkostenrechnung für den Neujahrsempfang verlangen, in der auch die bei dieser Veranstaltung anfallenden Überstunden der städtischen Mitarbeiter aufgelistet sind.

Von Norbert Müller

Quelle: HNA

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