Nach zwei Amtszeiten: Schluss für SPD-Bürgermeister Karl-Heinz Vestweber

Abschied aus dem Rathaus

Da war er fünf: Karl-Heinz 1952 mit Mutter Elfriede und Vater Johannes. Repro: nh

Oberaula. Die Zukunft beginnt für Karl-Heinz Vestweber mit einer Reise in die Vergangenheit. Drei Monate will der Noch-Bürgermeister von Oberaula nach dem Ende seiner zweiten und letzten Amtszeit Mitte Mai unterwegs sein.

Mit seiner Ehefrau Hiltrud (59) will er Orte seiner Jugend und aus Familienurlauben besuchen, die er einst mit seinen Söhnen Karsten (heute 41) und Jörn (38) bereiste. Vom Harz bis Rimini, von Thüringen bis Gardasee. „Was ist mit der Landschaft, mit den Menschen geworden?“, das will Vestweber herausfinden, ohne Zeitplan und Voranmeldung.

Lange Tage im Büro

Hinter sich lassen will der scheidende Bürgermeister lange Arbeitstage von oftmals 14 Stunden. Tagsüber im Büro, abends auf Sitzungen von Parlament, Fraktion, Ausschüssen, Verbänden. Dazu Vereinsjubiläen, Seniorennachmittage, Beerdigungen, Geburtstage, Diamantene Hochzeiten. „Man muss es tun“, sagt der 63-Jährige und will nicht klagen, „dafür arbeiten andere ehrenamtlich in Politik und Vereinen.“

Stolz ist Vestweber darauf, dass er in seinem Leben viel geschafft hat. Von der Jugend an im Gilserberger Ortsteil Winterscheid ging es stets bergauf. Sein Vater Johannes, als Schwerbeschädigter aus dem Zweiten Weltkrieg zurückgekehrt, hob mit Hacke und Schippe Gräben aus, während Mutter Elfriede ihn und seinen jüngeren Bruder Lothar großzog. Dieser ist heute Bürgermeister in Gilserberg, und dass zwei Brüder zugleich Verwaltungschefs zweier Gemeinden sind, ist bundesweit einzigartig.

„Es war Schwerstarbeit“

Vom Sekretärsanwärter im Landratsamt in Ziegenhain, später Beamtenlaufbahn in Homberg, dann NSE-Geschäftsführer: Nach der Ochsentour, bei der in allen Ämtern rumgereicht wurde, wie Vestweber sagt, zog er ins Rathaus Oberaula ein.

„Es war Schwerstarbeit“, erinnert sich Karl-Heinz Vestweber, als er sich 1998 in Oberaula in drei Monaten von Kandidatur bis zur Wahl an jeder Haustür als möglicher neuer Bürgermeister vorstellte. Der frühere Melsunger Bürgermeister Karl-Heinz Dietzel, der ihm heute noch ein guter Freund ist, hatte ihn als Kandidaten und Nachfolger von Hans-Joachim Schnücker vorgeschlagen. Es ist eine bemerkenswerte Anekdote, dass sich Vestweber damals in der Stichwahl gegen Klaus Wagner (CDU) durchsetzte, der dieser Tage als sein Nachfolger ins Amt eingeführt wird.

Karl-Heinz Vestweber hinterlässt keine Prestigebauten in Oberaula. Geld war dafür ohnehin nicht da, „und die Finanzen werden nicht besser“. Eine intakte Infrastruktur, damit noch junge Menschen auf dem Dorf bleiben, sei ihm wichtig gewesen. Und dafür habe er versucht, von möglichst hohen Zuschüssen zu profitieren.

Das Gute überwiegt

Der neue Marktplatz in Oberaula sei ebenso gelungen wie die Dorfmitte in Olberode und 26 neue Straßen, findet Vestweber. Sein Leitsatz: „Ich versuche, es allen im besten Sinne recht zu machen“, sagt der 63-Jährige. Will heißen: Helfen, wo man kann und die Bürotür immer offen halten, „Sprechtag ist immer“.

Unterm Strich überwiegen die guten Dinge, findet Karl-Heinz Vestweber im Rückblick. Und ist nach einer Biografie quer durch die Schwalm angekommen: „Oberaula ist unsere Heimat geworden.“ HINTERGRUND

Von Jürgen Köcher

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