Hunderte Gäste bei der Trauerfeier

Abschied von toten Soldaten aus Nordhessen im Fritzlarer Dom 

Fritzlar. Hunderte Menschen nahmen am Donnerstag im Fritzlarer Dom Abschied von den beiden Soldaten, die beim Absturz eines Kampfhubschraubers Tigers im westafrikanischen Mali ums Leben gekommen waren.

Bei den beiden verstorbenen Offizieren handelt es sich um den 33-jährigen Major Jan Färber aus Neuental und den 47-jährigen Stabshauptmann Thomas Müller aus Gudensberg. Beide waren in der Fritzlarer Georg-Friedrich-Kaserne stationiert gewesen.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen befand sich am Donnerstag ebenso unter den Trauergästen wie Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier.

Während Angehörige, Freunde, Soldaten und hochrangige Vertreter aus Politik und Bundeswehr im Dom der Feier beiwohnten, verfolgten draußen Hunderte eine Live-Übertragung auf einer Video-Leinwand.

Die Trauerfeier zeigte deutlich die große Verbundenheit der Soldaten und der Fritzlarer Einwohner mit den beiden toten Piloten. Der Platz vor dem Dom war frei zugänglich, viele Menschen nutzten die Möglichkeit, mit dem Besuch ihre Solidarität auszudrücken. „Das ist wichtig für die Bevölkerung“, sagte Fritzlars Bürgermeister Hartmut Spogat. Die Stadt zeige, dass sie nicht nur in fröhlichen Stunden hinter der Bundeswehr stehe, sondern auch in den Stunden des Abschieds. „Es ist kein einfacher Tag für das Heer“, beschrieb Oberstleutnant Thomas Kolatzki den Medienvertretern die Situation: „Noch kennen wir die Ursache für den Absturz nicht, aber auch die Klärung wird nichts an diesem großen Verlust ändern können, den wir erlitten haben.“

Lange Reihe der Trauergäste für die beiden verunglückten Hubschrauber-Piloten: Ungezählte Bundeswehrsoldaten haben sich ins Kondolenzbuch eingetragen.

Fritzlarer wohnten vor dem Dom der Feier bei

Sie will ein Zeichen setzen. Andrea Lück will zeigen, dass sie hinter den Soldaten steht, dass die Kaserne ein Teil von Fritzlar ist. „Ich will einfach in Gedanken dabei sein“, sagt die 53-Jährige, als sie am Mittag zwischen Rathaus und Dom steht.

Auch für Rosemarie Müller war es eine Selbstverständlichkeit, die Trauerfeier zu besuchen. Ihr Mann war Soldat in Fritzlar. So ist sie vor 46 Jahren in die Domstadt gekommen – und geblieben. Die 70-Jährige fühlt sich noch immer tief mit der Bundeswehr verbunden. „Es ist schön, dass die Trauerfeier übertragen wird“, sagt sie. Trotz der Trauer gab es auch kritische Stimmen. So wie von Gerhard Lambach. Er war aus Neugierde auf den Domplatz gekommen.

Der 77-Jährige wollte wissen, „was für ein Aufstand“ rund um die Trauerfeier gemacht wird. Natürlich bedauere er den Tod der Piloten. Es sei auch richtig, der Männer zu gedenken. „Aber ob es so ein großer Aufwand sein muss, weiß ich nicht.“

Trauerfeier für Tiger-Piloten im Fritzlarer Dom

Anteilnahme aus der Bevölkerung stellt für viele Soldaten ein Trost dar

Es sind Begegnungen wie diese, die Major Kieron Kleinert von der Pressestelle Division Schnelle Kräfte aus diesen Tagen in Erinnerung behalten wird: Als er für die Vorbereitung der Trauerfeier den Domplatz in Augenschein nahm, kam eine ältere Dame auf ihn zu, sah ihm in die Augen und drückte ihm ihr Beileid aus.

Solcher Zuspruch ist wichtig: „Die große Anteilnahme hilft uns allen, das Schlimme besser zu verarbeiten – das Unglück ist für uns alle ein großer Schock.“

Nicht zuletzt deshalb, weil es buchstäblich aus heiterem Himmel über die Bundeswehr hereingebrochen sei: Gerade zu dem Zeitpunkt, an dem der Tiger zuverlässiger denn je gewesen sei, an dem die Erfahrung der Piloten und die Einsatzbereitschaft des Fluggeräts stark gestiegen seien, nachdem sich der Hubschrauber so hervorragend in Afghanistan bewährt hatte, sei es zum Absturz gekommen. „Dabei sind die erfahrensten Kameraden ums Leben gekommen, die wir hatten – das ist wirklich schrecklich“, sagt Major Kleinert.

Natürlich sei man sich als Soldat immer der Gefahren bewusst, die ein Einsatz mit sich bringe, sagt der Major aus Stadtallendorf: „Aber im Stillen denkt man immer, dass es schon gut gehen wird, dass der Kelch doch an einem vorüber gehen wird.“ „Man wird im Beruf auf das Schlimmste vorbereitet, aber wenn es dann eintrifft, und dann auch noch so nah – dann erwischt es einen doch eiskalt.“

Um so hilfreicher sei die große „Zuspruchsgemeinschaft“, die sich unmittelbar nach dem Unglück gebildet habe: Im Vorzimmer des Kommandeurs seien ungezählte Mails, Briefe, Faxe, Telefonate eingegangen: „Alle wollten ihr Beileid ausdrücken. Das war wichtig für uns.“

Quelle: HNA

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