Stadt will muslimische Bestattungen möglich machen - Grüne: Ein Teil der Integration

Abschied im weißen Tuch

Gudensberg. Damit Muslime auch dort beerdigt werden können, wo sie ihr Leben verbracht haben, will man in Gudensberg die Möglichkeit dafür schaffen. Die Meisten der in Gudensberg verstorbenen Muslime werden in ihrer alten Heimat beerdigt. In Hessen blieb ihnen bislang auch keine andere Wahl, denn die sarglosen Bestattungen waren hier nicht erlaubt. Das Bestattungsgesetz wurde geändert. Aus religiösen Gründen dürfen sarglose Bestattungen jetzt genehmigt werden.

Die Entscheidung, ob auf einem Friedhof auch sarglose Bestattungen zugelassen werden, liegt jedoch bei der Kommune. Bei der traditionellen muslimischen Bestattung wird die Leiche nur in ein weißes Tuch gehüllt und der Erde übergeben. Ein Sarg ist nicht vorgesehen.

Gehört zur Integration

In Gudensberg gibt es zwar keine muslimische Gemeinschaft, sagt Bürgermeister Frank Börner. Doch wolle man den in Gudensberg lebenden Muslimen die Möglichkeit geben, sich in ihrer neuen Heimat bestatten zu lassen. „Bislang gab es aber noch keine Anfragen“, so Börner und antwortet damit am Donnerstagabend bei der Stadtverordnetensitzung auf eine Anfrage der Grünen.

Nach Ansicht der Grünen gehört die Bestattung auch zur Integration. „Sowohl deutsche als auch Muslime anderer Staatszugehörigkeit, die in Deutschland leben und hier ihre zweite Heimat gefunden haben, sollten auch hier bestattet werden können“, so Petra Gottwald in der Anfrage der Grünen.

Auf dem Prüfstand

Man könne recht kurzfristig reagieren, sagte Börner im HNA-Gespräch. „Wir werden prüfen, wie mit dieser neuen Situation umgegangen werden soll, damit bei Bedarf auch eine Beerdigung muslimischer Mitbürger in Gudensberg möglich ist“, sagt Börner. Der Bestatterverband Hessen sieht auch einige Probleme. „Wir lehnen die sarglose Bestattung nicht ab, halten aber die Umsetzung für schwierig“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Guido Vaupel. Erklärten sich zum Beispiel die Träger bereit, den Leichnam für die Beisetzung aus dem Sarg zu nehmen oder müssten das die Angehörigen übernehmen?

Dass bei einer sarglosen Beisetzung die Angehörigen dennoch einen Sarg kaufen müssten, steht für den Bestatter außer Frage. Das Gesetz schreibe vor, dass ein Leichnam vom Sterbeort zum Friedhof nur in einem Sarg transportiert werden dürfe. Dieser müsse bei einer sarglosen Bestattung anschließend entsorgt werden.

Von Maja Yüce und Ulrike Pflüger-Scherb

Quelle: HNA

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