Chance auf Ausbildungsplatz mit der Produktionsschule Felsberg 

+
Sie besuchen derzeit die Produktionsschule an der Jugendwerkstatt in Felsberg: von links Daniel Keim aus Fritzlar und Kevin Wardenga aus Gensungen.

Felsberg. Die Produktionsschule Felsberg ermöglicht Schulabbrechern den Abschluss nachzuholen und Berufserfahrung zu sammeln. 

Daniel Keim hat es geschafft: Er hat ein Angebot für einen Ausbildungsplatz als Berufskraftfahrer erhalten. Diese Chance verdankt der 25-jährige Fritzlarer der Produktionsschule an der Jugendwerkstatt Felsberg. Dort holt Keim derzeit seinen Hauptschulabschluss nach.

Den Ausbildungsplatz hat er durch ein Praktikum ergattert. „Ich bin früher von einem Job zum anderen gesprungen: vom Lagerhelfer zur Metallwerkstatt“, schildert er. Doch inzwischen ist er Vater einer Tochter – deshalb sei ihm seine berufliche Zukunft nicht mehr egal, sagt Keim.

„Bei uns kann man bis zum 27. Lebensjahr seinen Hauptschulabschluss machen“, erklärt Isabel Linse vom Team der Produktionsschule. Während einige Teilnehmer den Schulabschluss als Ziel haben, wollen andere Berufserfahrung sammeln. In den Bereichen Holz- und Metallwerkstatt, Medien und Gestaltung sowie Hauswirtschaft erledigen die Teilnehmer Aufträge für Unternehmen aus der Region. Außerdem absolvieren sie Praktika in Betrieben.

Teilnehmer aus verschiedenen Schulzweigen

„Unsere Zielgruppe reicht vom Förderschüler bis zum Abiabbrecher“, sagt Isabel Linse. Auch Geflüchtete besuchen die Produktionsschule. Ziel sei, dass die Teilnehmer ihr Leben selbstbestimmt leben und am ersten Arbeitsmarkt teilhaben können. 

54 Plätze gibt es in der Produktionsschule. In der Regel dauert der Besuch ein Jahr, wer will, kann aber auch ein weiteres Jahr bleiben. „Viele Teilnehmer sind schulmüde. Bei uns erleben sie, dass Schule auch anders sein kann“, sagt Retty Paruntu, Mitarbeiterin der Produktionsschule. „Und während der Praktika erfahren sie, warum es sich lohnt, einen Abschluss zu machen.“

Auch Kevin Wardenga aus Gensungen besucht die Produktionsschule – auf Empfehlung seines Klassenlehrers. „Ich habe hier gelernt, welche Stärken und Schwächen ich habe“, sagt der 17-Jährige. Während ihm das Handwerkliche nicht so liege, könne er gut mit Menschen umgehen. Bei seinen Praktika lernte er unter anderem die Berufe Alten- und Krankenpfleger kennen. „Am besten hat mir das Praktikum im Kindergarten gefallen“, sagt er. Doch die Erzieher-Ausbildung schaffe er wegen seiner Noten nicht. 

Wunsch und Wirklichkeit passen eben nicht immer zusammen: „Viele kommen her und sagen, sie wollen ihre Ausbildung bei VW oder Mercedes machen“, schildert Stella Perez Fernandez vom Produktionsschul-Team.

Wichtig sei, dass sich die Teilnehmer realistische Ziele setzen, erklärt Isabel Linse. Wenn beispielsweise ein Jugendlicher davon träume, Gamedesigner zu werden, sei das eher schwierig. Schließlich braucht es dafür einen Bachelor-Abschluss. Dann müsse man versuchen, den Teilnehmer für einen Ausbildungsberuf zu begeistern, zum Beispiel Zerspanungsmechaniker. „Die Jugendlichen sollen nicht frustriert hier raus gehen“, sagt Linse.

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare