Abstürze und Vuvuzelas beim dritten Wettbewerbsabend der Kabarett-Tage

Drei für die gute Laune: Lorenz Böhme (Mitte) aus Würselen sowie Christopher Dietrich (rechts) und Erik Raab aus Rostock.

Melsungen. Wie facettenreich Kabarett sein kann, unterstrich der dritte und letzte Wettbewerbsabend der Melsunger Kabarett-Tage am Montag. Als Kandidaten auf der Bühne in der wieder vollbesetzten Kulturfabrik: das Rostocker Duo Dietrich & Raab und der multifunktionale Querdenker und Musiker Lorenz Böhme aus Würselen.

Den Auftakt machte das Gespann aus Mecklenburg-Vorpommern, „das Land mit den meisten Hotelbetten und Organspendern“, wie Christopher Dietrich und Erik Raab ulkten. Dramaturgisch setzten die Beiden auf das altbewährte komödiantische Konzept zweier Bühnenfiguren, die einander konterkarieren. Der eine mimt den Vernünftigen, der andere den Fettnäppchentreter. Der Tummelplatz hätte eine Studenten-WG sein können: Die Ideale sind groß, die Harmonie eher begrenzt.

Da auch der tragbare Computer in dieses Klima mit einsteigt, eine Powerpoint-Präsentation über „60 Jahre Grundgesetz“ nur zu Fehlermeldungen führt, ist dicke Luft programmiert: Es wird gestritten und palavert, geschubst und mimost.

In der ehemaligen DDR aufgewachsen, gießen Dietrich und Raab, die in Melsungen 2005 den Kabarett-Nachwuchspreis gewannen, ihre Kabarettkugeln zumeist aus dem Ost-West-Kontrast: „Kohl befreite uns aus der Dunkelheit und schenkte jedem Ossi einen Chip für einen Einkaufswagen.“ Fazit: Amüsantes Kabarett mit Boulevardkomödien-Aura, das jedoch den roten Faden etwas vermissen ließ. Gelungene Aktionen wie ein fingiertes Grußwort von FDP-Mann Brüderle wechselten mit eher blassen Kalauern. Verhaltener Beifall.

Kein Flaschenpfand für Uschi Glas

Hier tröte ich, ich kann nicht anders“: Mit lautstarkem Vuvuzela-Gebläse enterte Lorenz Böhme die Bühne. Ein gelungener Auftakt, dem einige Perlen aus seinem Programm „I hold it in the head not out“ folgen sollten.

Unglaublich vielseitig ist der Mann aus Würselen. Ein uriges Sammelsurium aus Geistreichem, Spitzbübischen und Humorvollem hat er zu einem Kabarettknäuel der Spitzenklasse verstrickt und kontrastiert seine Bissigkeit mit der romantischen Aura eines Liedermachers am Klavier.

Wortspielereien wie „Auf Uschi Glas gibt es kein Flaschenpfand“ fädelt er dabei ebenso gekonnt ein wie den Kontakt zum Publikum: Einer Zuschauerin drückt er eine Triangel in die Hand - als „Wortwitz-Indikator“, den sie bei jedem gelungenen Gag erklingen lassen möge.

Böhme ist ein Kabarettist, der sowohl mit dem Mundwerk beißen als auch mit seinem Klavier streicheln kann - ein gelungener Kontrast. Auch an Gitarre und E-Bass ist er fit, dichtet nostalgisch Lou Reed zu „Take A Walk On The East Side“ und den populären Italo-Schlager zu „O Zone Mio“ um.

Jedes einzelne Themenelement schöpft Böhme voll aus. Er ist Clown wie auch Kritiker, Zyniker wie auch Romantiker. Von Guido Westerwelle hält er nicht viel - der als Außenminister, „das klingt wie: Kulturhauptstadt Röhrenfurth“.

Mehr Spaß bereitet ihm, „den Klingelton von Josef Ackermann“ auf dem Klavier zu bringen: Beethovens Melodie „Die Wut über den verlorenen Groschen.“

Zwischen zynisch Kunstvollem sieht ihm das Publikum sogar einige Kalauer über Burkas und Blähungen nach. Lautstarker Applaus für den letzten von sechs Titelanwärtern des Melsunger Kabarett-Wettbewerbs.

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare