Beide Soldaten galten als sehr erfahren

Trauerfeier für Tiger-Piloten in Fritzlar: "Sie wären wieder ins Cockpit gestiegen"

Fritzlar. Hunderte Menschen haben am Donnerstag in Fritzlar von den beiden Soldaten, die beim Absturz eines Kampfhubschraubers Tigers in Mali ums Leben gekommen waren, Abschied genommen.

Aktualisiert um 18.09 Uhr - Bedrückende Stille herrschte am Donnerstag im und um den Fritzlarer Dom während des ökumenischen Trauergottesdienstes für die beiden toten Soldaten Jan Färber (33) aus Neuental und Thomas Müller (47) aus Gudensberg (Schwalm-Eder-Kreis). Die beiden Offiziere des Kampfhubschrauberregiments 36 aus Fritzlar waren vergangenen Mittwoch bei einem Hubschrauberabsturz im westafrikanischen Mali ums Leben gekommen. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit hatten die Familien der beiden Männer vor der Zeremonie allein Abschied nehmen können.

An dem Gottesdienst, der vor dem Fritzlarer Dom auf einer Leinwand live übertragen wurde, nahm auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) teil. Vor den rund 500 Trauergästen in der Kirche beschrieb sie Major Jan Färber und Stabshauptmann Thomas Müller als „tapfere Soldaten und herausragende Piloten.“ Die Männer hätten zu den besten Tiger-Piloten überhaupt gehört. Thomas Müller habe den Tiger-Flugbetrieb in Fritzlar maßgeblich mit aufgebaut. Er sei einer der ersten sechs Tiger-Piloten gewesen, die in das Fritzlarer Regiment versetzt worden seien. „Er war dort eine Institution“, so von der Leyen. Auch Jan Färber sei Tiger-Pilot „mit Leib und Seele“ gewesen. Die Kameraden hätten beide sehr gemocht und geschätzt.

Soldaten tragen bei der Trauerfeier im Dom St. Peter in Fritzlar einen der beiden Särge.

„Der Einsatz in Mali ist gefährlich“, räumte von der Leyen ein. Aber er sei auch von großer Bedeutung. Deutschland sei von dem westafrikanischen Land nur zwei Staaten entfernt. „Die Friedensmission stabilisiert eine Region in unserer unmittelbaren Nachbarschaft“, betonte die Verteidigungsministerin.

Bei ihrem Besuch in Mali nach dem Absturz hätte sie den Wunsch der Kameraden gespürt, den Einsatz fortzusetzen. „Selbst Sie, liebe Hinterbliebene, haben gesagt, die beiden wären in dieser Situation wieder die ersten gewesen, die ins Cockpit gestiegen wären“, so von der Leyen.

Auch Fritzlars Bürgermeister Hartmut Spogat (CDU) sagte, dass die beiden Männer als Soldaten Teil einer wichtigen politischen Mission gewesen seien. „Aber ich weiß auch, liebe Angehörige, dass es für Sie kein Trost ist, zu wissen, dass Ihre Lieben Ihr Leben verloren haben im Dienst einer wichtigen Aufgabe, nämlich Frieden zu schaffen.“

Jan Färber und Thomas Müller hätten für die Mission ihr Leben gegeben, dafür verdienten sie Respekt, sagte der Kommandeur des Kampfhubschrauberregiments 36, Oberst Volker Bauersachs. Beide seien bestens auf den Einsatz vorbereitet und ein eingespieltes Team gewesen. „Was dort am Himmel auch immer passiert ist: Wenn diese Besatzung den Absturz nicht abwenden konnte, dann hätte es keine andere vermocht“, so Bauersachs. Das sei seine klare Botschaft an alle, die sich anmaßten, etwas anderes zu suggerieren, ohne die beiden Männer zu kennen.

Die genaue Ursache für den Absturz des Bundeswehr-Kampfhubschraubers Tiger in Mali ist nach wie vor unklar. Das erklärte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums in Berlin auf Anfrage. Die Untersuchungen liefen weiter mit Hochdruck, aber auch mit der gebotenen Sorgfalt. Spekulationen über die Ursache verböten sich. Ein Team der Bundeswehr hatte sowohl am Unfallort als auch am Startpunkt des Hubschraubers Beweismittel gesichert. Seit Dienstag ist es wieder in Deutschland und setzt seine Untersuchungen hier fort, so das Ministerium.

 

Erste Eindrücke von der Trauerfeier im Dom St. Peter

Wir haben ab dem Mittag von der Trauerfeier berichten. Hier die ersten Eindrücke:

Mit dem Auszug der Särge wird die Trauerfeier abgeschlossen.

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Bausersachs liest aus den Kondolenzbüchern in der Kaserne vor:

Lieber Tommi, es war mir eine Ehre, Teil deines militärischen Lebens zu sein. Deinen Angehörigen wünsche ich die nötige Kraft und Gottes Segen.

Lieber Jan, seit so vielen Jahren gekannt und doch nicht alles gesprochen. So viel gemeinsam erlebt und trotzdem noch Lücken. So viel gemeinsam erlebt und trotzdem nie den ganzen Menschen kennengelernt. Ich werde dich vermissen.

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Bauersachs: Für diesen Auftrag waren beide fachlich und menschlich gut vorbereitet. Thomas Müller war der erfahrenste Pilot an Bord. Wenn diese Besatzung den Absturz nicht abwenden konnte, hätte es keine andere vermocht.

Ein Soldatenhelm liegt bei der Trauerfeier auf einem der beiden Särge.

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Der Kommandeur des Fritzlarer Kampfhubschrauberregimentes 36, Oberst Volker Bauersachs, redet nun: "Thomas und Jan haben vorbildlich ihrem Volk gedient." Bauersachs erinnert zudem daran, wie wichtig die Friedensmission in Mali ist, um Flucht und Vertreibung zu vermeiden.

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Von der Leyen fordert, den Einsatz in Mali weiterzuführen. Auch die Angehörigen hätten gesagt, die beiden Soldaten aus Fritzlar wären in dieser Situation wieder ins Cockpit gestiegen.

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Von der Leyen an die Angehörigen gerichtet: Als Verteidigungsministerin trage ich die Verantwortung für alle Angehörigen der Bundeswehr. Als Abgeordnete des Bundestages entscheiden wir, Soldaten in Einsätze zu entsenden. In Momenten wie diesen wird einem die Verantwortung mit aller Wucht bewusst. Der Einsatz für den Frieden in Mali ist gefährlich und von hoher Bedeutung, in einem Land, von dem wir nur durch zwei Staaten getrennt sind. Die Friedensmission stabilisiert die Region in unmittelbarer Nachbarschaft. Nach Gesprächen mit Soldaten habe ich den Wunsch und Willen der Kameraden gespürt, dass dieser Einsatz weiter gehen muss, und wir alles daran setzen ihn Schritt für Schritt zum Erfolg zu führen.

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Jan Färber sei ein stolzer Flieger und Tiger-Pilot mit Leib und Seele gewesen. "Sein großer Traum war immer das Fliegen", sagt von der Leyen. Auch er sei einsatzerfahren gewesen, 2012 war er in Afghanistan, und auf dem Weg selbst Verantwortung für eine Staffel zu übernehmen.

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Von der Leyen: Thomas Müller. war 28 Jahre Soldat und gehörte zu den ersten Tiger-Piloten. Er war einer der erfahrensten Piloten - wenn nicht der erfahrenste Tiger-Pilot der Bundeswehr. Er kannte seinen Tiger in- und auswendig, war zweimal Afghanistan und schon einmal Mali.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen

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Von der Leyen: Major Jan Färber und Stabshauptmann Thomas Müller sind Anfang Juni zusammen in den Einsatz gegangen. Sie waren ein eingespieltes Team, haben sich gut verstanden im Cockpit. Sie waren Soldaten mit Leib und Seele. Sie waren Könner ihres Fachs, Vorbilder in ihrer professionellen Einstellung als Piloten, aber auch als Menschen. Sie haben in ihrem Cockpit im Einsatz ihr Leben verloren. Von ihrem letzten Flug am 26. Juli kehrten sie nicht mehr wieder.

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Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen spricht: Sie erinnert an Major Jan Färber und Stabshauptmann Thomas Müller als tapfere Soldaten und herausragende Piloten. "Wir bleiben zurück, tief traurig, fassungslos und voller Fragen." 

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Major Jan Färber und Stabshauptmann Thomas Müller waren seit Januar 2014 in Fritzlar stationiert. Sie galten als verlässlich, verantwortungsbewusst und aufopfernd. Beide liebten es, zu fliegen und waren auch privat befreundet.

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Pastor: Am 26. Juli ereilte Sie (die Angehörigen und die Trauergemeinde, Anm. d. Red.) die Nachricht vom Tod von Major Jan Färber und Stabshauptmann Thomas Müller Beide stürzten mit dem Kampfhubschrauber in Mali ab. Eine Nachricht, die schwer zu begreifen ist, die Erde gerät ins Wanken. Langsam will man sich sammeln, man ahnt, dass man Abschied nehmen muss. Dazu kommen dann die Erinnerungen.

Ein Soldat richtet vor der Trauerfeier eine Schleife an einem der Trauerkränze.

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Unter Ausschluss der Öffentlichkeit haben sich die Familien verabschiedet. Für eine halbe Stunde waren sie am Donnerstagmittag mit den Särgen im Fritzlarer Dom allein. Im Anschluss begann dort die offizielle Trauerfeier.

Trauerfeier für Tiger-Piloten im Fritzlarer Dom

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Soeben sind Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und Ministerpräsident Volker Bouffier (beide CDU) in der Kirche eingetroffen. Von der Leyen wird eine Trauerrede vor den rund 500 Trauergästen im Dom halten.

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Im Dom befinden sich jetzt die Familienangehörigen allein, um in Ruhe von den Verstorbenen Abschied nehmen zu können. Hunderte Soldaten sind gerade in der Fritzlarer Innenstadt in Richtung Domplatz unterwegs. Das Heeresmusikkorps wird die Trauerfeier mitgestalten.  

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In die Fritzlarer Altstadt kommt man derzeit lediglich zu Fuß - für Autos ist sie gesperrt. Feldjäger haben den Bereich um den Domplatz abgesperrt und sorgen für Sicherheit, nur mit Akkreditierung hat man hier Zugang. Derzeit wird die Ankunft der Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und des Generalinspekteurs der Bundeswehr, Volker Wieker, vorbereitet. Erwartet wird auch der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier.

Auf dem Domplatz in Frizlar soll die Trauerfeier live übertragen werden.

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Eine bedrückende Atmosphäre liegt über Fritzlar. Mehrere Hundert Trauergäste sind zur Trauerfeier gekommen.

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„Es soll der Öffentlichkeit die Möglichkeit gegeben werden, die Trauerfeier zu verfolgen“, bestätigte Fritzlars Bürgermeister Hartmut Spogat am Mittwoch. Die Trauerfeier wird auf einer Leinwand vor dem Dom zu sehen sein. 

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Auf dem Platz zwischen Rathaus und Dom wurde zuletzt das dreitägige Kultursommer-Festival „Vor dem Dom“ vorbereitet. Am Donnerstagabend steht mit der Formation Franui die erste Gruppe auf der Bühne. Für die Veranstaltung wurde bereits eine Tribüne aufgebaut. Sie bietet 220 Menschen Platz und steht während der Trauerfeier den Besuchern offen.

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Die beiden getöteten Soldaten waren beim Kampfhubschrauberregiment 36 in Fritzlar stationiert. Major Jan Färber aus Neuental (33) und der 47-jährige Stabshauptmann Thomas Müller aus Gudensberg waren am vergangenen Mittwoch im westafrikanischen Mali bei einem Absturz ihres Kampfhubschraubers Tiger gestorben. Der Tiger war 70 Kilometer nordöstlich der Stadt Gao abgestürzt. Einer der beiden Flugschreiber wurde am 29. Juli gefunden, er war stark beschädigt. Der zweite wurde am 31. Juli ebenfalls stark deformiert entdeckt. Die Geräte wurden nach Deutschland geschickt. Ob und wie genau sie ausgelesen werden können, steht noch nicht fest.

Der Kommandeur aus Fritzlar zum Absturz:

mit dpa

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © dpa

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