Hermann Lindekamm kann seit 1951 die Finger nicht vom Fliegen lassen

Absturz stoppte ihn nicht

Fertig zum Abflug: Hermann Lindekamm kann die Fliegerei nicht lassen. Seit 1951 ist er Mitglied im Homberger Luftsportverein. Foto: Holscher

Homberg. Hermann Lindekamm nennt seinen einzigen Fliegerabsturz einen „gesteuerten Absturz“. Dann kann er sich selbst das Lächeln nicht mehr verkneifen. Und das, obwohl er 1956 aus 100 Metern in die Tiefe stürzte. „Ich bin zu langsam geflogen. Der Flieger war hin“, erklärt Lindekamm. Und er auch. Zwölf Wochen lag er im Krankenhaus.

Trotzdem gab er das Fliegen nicht auf. „Ich hab es wirklich mal versucht. Ist mir nicht gelungen“, erzählt er. Der 76-Jährige sitzt in Fliegermontur mit Lederjacke und Mütze in der Sitzecke des Luftsportvereins in Homberg. Daneben sein früher Flugschüler Werner Hackenberg. Zusammen schauen sie sich alte Fotos an und erinnern sich an die Flugstunden. „Hermann hat immer gesagt, ich geb dir 1000 Euro, wenn du mich vom Fliegen wegbringst“, berichtet Hackenberg. Das Geld hat er sich gespart.

„Beim Hermann würde ich mich sogar bei Windstärke zehn mit in den Flieger setzen.“

Werner Hackenberg

1951 begann der Tischler mit seinen ersten Flugversuchen am Homberger Mosenberg. Sein Vater, der ebenfalls Flieger war, hatte ihn oft zu den Treffen der Segelflieger auf der Wasserkuppe mitgenommen. „Mein Vater wusste, dass ich eines Tages in seine Fußstapfen trete“, sagt Lindekamm. Im selben Jahr verstarb der Vater plötzlich an einer Krankheit.

Das Training in den 50er-Jahren klingt aus heutiger Sicht abenteuerlich. Am Hang segelten die Schüler allein im Einsitzer einige Sekunden bis Minuten umher. Mit dem Katapult oder Gummiseil wurden sie auf Höhe gebracht. Ein Freund von ihm sei auf diese Weise sogar zwölf Stunden am Hang geflogen. „Aber einer ist dabei im Steinbruch gelandet und gestorben“, erinnert sich Lindekamm.

Auch seine Frau, die er 1953 in einer Tanzstunde kennenlernte, infizierte er mit dem Flugfieber. „Ging ja nicht anders, weil ich immer oben auf dem Berg war“, erklärt er. Sie kam häufig mit dem Motorrad vorbei, um ihn mit Essen zu versorgen. Später machte sie auch den Luftfahrtschein. Gemeinsame Flüge waren aber eine Seltenheit. „Einer musste sich ja im Fall eines Absturzes um die zwei Kinder kümmern.“

Seit 1965 Fluglehrer

Seit 1965 brachte er dann seine Leidenschaft fürs Segel- und Motorfliegen auch Flugschülern näher, so wie Werner Hackenberg, den er ab 1998 unterrichtete. „Ich war ja Berufschullehre und hatte einen Haufen Urlaub“, sagt Lindekamm. Sein ruhige und sachliche Art kommt gut an. „Beim Hermann würde ich mich sogar bei Windstärke zehn mit in den Flieger setzen“, sagt Hackenberg. Doch bei großen Flugzeugen und Gleitschirmen, hört seine Begeisterung fürs Fliegen auf. „Da kriege ich Muffe“, sagt er.

Zukunft noch ungewiss

Wie lange er noch weitermacht, weiß er nicht. „Eigentlich wollte ich schon vor zwei Jahren aufhören“, sagt Lindekamm. Nächstes Jahr läuft seine Lehrberechtigung aus. „Mal sehen, ob ich dann weitermache.“

Doch auch dann hätte er noch auf dem Mosenberg noch gut zu tun: mit der Reparatur der Flugzeuge. „Hermann läuft doch immer mit Werkzeug umher und schraubt alles fest“, sagt Kumpel „Hacki“ Hackenberg.

Von Max Holscher

Quelle: HNA

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